Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1899 — Heidelberg, 1899

Seite: 433
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8 3. Das gesamte Leichcnpersonal hat den in der betrch'enden Dienstweisung
gegebenen Borschriften genan nachznkommcn; in Fällen, welche in der Dienstweisung
niait vorgesehen sind, hat dasselbe die Anordnung der Friedhofs-Kommission ein-
zuholcn.

Dasselbe hat bei allen Diemtlelstungen cin anständiges, ruhiges, ernstes Be-
nehmen einzuhalten. llnordnungcn, Nachlüssigkcit oder Widersetzlichkeit werden strenge
bestraft; Trunkenheit im Dicnst zieht sofortige Entlassung nach sich. Es ist dem
Leichenpersonal bei Strase der Dienstenrlassung verboten, Anforderungen an Geld
oder anderen Dingen an die Hintcrbliebenen zu machen; ebensowenig darf dasselbe
weder vor noch näch der Beerdigung Essen oder Trinken beanspruchen, noch darf
demsclbcn solches verabrcicht wcrden.

Annahme von Gewinnanteilen bei Lieferungen in irgend einer Form wird außer
der etwaigen ftrafrechllichen Berfolgnng mit sofortiger Emlassung geahndet.

Beschwerdcn gcgen das Personal sind bei der Fricdhofs-Konunission anzubringen.

§ 4. Bezüglich der K osten fiir sämllichc Bcerdigungen ist die vom Städtrat auf-
gestellte, dieser Borschrift als Anlage beigefngte Taxordnung maßgebend.

Nach derselben werden fnr die Art des Begräbnisses 5 Klassen bestimmt.

Die Wahl der Klasse und der ctwa weiter gewiinschten außergewöhnlichen
Leistungen ist von den Hinterbliebencn z>t tresten, zu welchem Zweck der Leichen-
ordner denselben einen Bestellbogen, anf lvelchem die Taxen verzeichnet sind, zur
Ausfüllung vorlegt.

Bei Leichen, die nach auswärts verbracht wcrden, kommen die sür den einzelnen
Fall von der Fricdhofs-Kommission festgesetzten Gebühren in Anwendung.

Nach der Bcerdigung erhebt der Lcickienordner unter Borlage der Rechnung die
sämtlichen Gebühren und Taxen und bescheinigt deren Empfang.

8 5. Die Rechnung über sämtliche Einnahmen und Ausgaben der Friedhofs-
Kommission wird unter der Bezeichnung „Friedhofs-Kasse" von der Stadtkasse
gesührt.

II. Leichen- und Leichenhaus-Ordnung.

8 6. Jeder Todesfall muß unverziiglich nach dem Eintritt des Todes dem Leichen-
schauer*) und alsdann dem Leichcnordner**) angezeigt werden. Zu diesen Anzeigen
verpstichtet ist das Familienhaupt und, wenn ein solchcs nicht vorhanden oder an der
Anzeige vcrhindert ist, derjenige, in desscn Wohnung oder Behausung der Sterbefall
sich creignet hat.

Die Pflicht zur Anzeigc crstreckt sich auch auf Totgeburten. Vor Ankunft des
Lcichenschauers dars mit der Leiche keine Beränderung vorgenommen wcrden.

8T Die nach den Bestimmungen des §6 zur Anzeige verpflichteten Personen
müssen den vom Leichenschauer ausgeslellten Sterbeschein spätestens 20 Stunden nach
eingetretcnem Tod dem bürgerlichen Standesbeamten mit der Anzeige des Todcsfalls
vorlegen, welcher nach Bollendung des Eintrags in das Sterberegister den vorschrifls-
mäßig ausgcstellten Erlaubnisschein zur Beerdigung den Erschicnenen übergibt; auf
demselben soll gleichzeitig bemerkt werden, ob der Tod infolge ansteckendcr Krankheit
eingerreten ist.

Als ansteckende Krankheiten im Sinne dieser ortspolizcilichen Vorschrist sind zu
betrachlen: Blatrern, Cholera, Divhtheritis, Masern, Scharlach, Typhus.

8 8. Die zweile Leichenschau findet nach Maßgabe der Dienstweisung für Leichen-
schauer und der Ktz 7, 8 u. 12 der Ministerial-Berordnung vom 16. Dezcmber 1875 in
dem Leichenhaus und nur in dcn Fällen des § 20 in der Wohnung statt; der Leichen-
schauer dezeichner auf dem Erlaubnisschein die Zeit, mit deren Eintritt die Beerdigung
vorgenommen werden darf.

Kcine Beerdigung darf vorgenommen werden, bevor der Erlaubnisschein vor-
schriflSmäßig ausgeslelll wurde.

Zst dezüglich des Todesfalles eine gerichtliche oder polizeiliche Untersuchung
anhängig, fo ist zur Beerdigung überdies die Erlaubnis der untersuchendeu Behörde
erforderlich.

Tie Geiftlichen und die mit der Leitung der Beerdigung beauftragten Personen
find ocrpflichret, vor der Beerdigung von dem Erlaubnisschein Einsicht zu nehmen.

8 9. Zur Aufnahme aller für den hicsigen Friedhof bestimmten Leichen dürfen

Si^« j« Ldreßbuch unter „Berufsgeschäften': Leichsnfchauer.

"i LtSdt. Leichenordner, z. Zt. Martin Becksr, Grabengafsr s. Fernspr. 176.

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