Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1899 — Heidelberg, 1899

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19. Auf dem Weg zum Grnbe, sowie an diesem selbst kann Trauermusik und
Trau'ergesang stattfinden, doch ist bierzu die Gcnehmigung der Friedhofs-Kommission
einzuholen.

tz 20. Aus besonders erheblichen Grnnden und nur, wo die Wohnungsverhält-
nisse einc vollständige Isolicrung der Leiche ermoglichen, kann das Bezirksamt ge-
statten, daß cine Leichc dis zur Beerdigung im Slerbehause verblcibt.

Die Erlaubnis ist jcdeinalls zu versagen, wenn der Tod infolge einer anstecken-
dcn Krankhcit cingctrelcn oder wenn dic sofortigc Verbringung der Leichc in die
LeichcnhaUc im sanilätspolizcilichen Jntcresse gebolen ist.

Die Vorschristcn der §8 6, 7 nnd 8 sind jedoch auch in diesen Ausnahmrsällen
genau zu befolgcn.

8 21. Tie Ueberführung dieser Leichen findet auf dem kiirzesten Wcge unter
thunlichster Lermcidung der Hauplstraße zn den in 8 17 festgesetzten Zeiten statt; die
näheren Anordnungen erlästt die Friedhofs-Kommission.

^ 22. Lcichcn, wclchc aus irgend eincm Grunde länger als vier Tage in dem
städtischcn Lcichenhanse aufbewahrt wcrden sollen, miisscn in einem luftdicht ver-
schlosscnen cisernen Sarge beigesctzt werdcn.

III Friedhof-Qrdmmg.

8 23. Der Friedhof ist dic regelinästige Begräbnisstätte aller in hiesiger Gc-
mein'de Verstorbcncn.

Dcn Isracliten ist gestattet, Lcichen von Angehörigen ihres Bekenntnisses auf
dcm israelitischcn Friedhof zn beerdigcn.

Bczüglich dcs letztcrcn und dcr Becrdigung auf demselben sinden die Bestim-
mungen dlcscr Leichcn- und Fricdhof-Ordiiung, für die auf dem israelitischen Fried-
hof crrichtclc Leichenhalle insbcsondere die Bcstimmungcn der W 11, 12, l3,14,15
und 16 gleichmästig Anwendung.

Zur Beerdigulig auswärts Gestorbener auf dem hiesigen Fricdhof ist die Erlaub-
nis der Fricdhofs-Konimission und, wciin der Tote nichl hiesiger Einwohner bczw.
das Kind cincs solchen war, die Entrichtung der hierfür vorgesehencn bcsonderen
Taxen ersordcrlich.

24. Die iinmiltclbare Aufsicht über dcn Fricdhof fiihrt der Friedhofausseher,
dessen Ailordnungen auf dem Fricdhof das übrige Leichenpersonal unbcdingt Folge
zu leisten hat.

tz 25. Der Friedhof ist in allgemeinc Lcichenfelder für Erwachsene und solche
für Kinder nach fortlaufendcn römischen Zahlcn eingetcilt; die Gräbcr werden in
Reihcn, welche mit fortlaufendcn arabischcn Zahlen zu bezeichnen sind, angclegt.

Austerdem sind bestiinmte Plätze des Fricdhofs für Familiengräber, bisher soge-
nanntc Kaufgräber, vorgcschen; die Plätze sind nach Buchstaben und die einzelnen
Gräbcr nach fortlaufendeu Zahlen geordnet. Ausknnst über sämtliche Gräber ertcilt
der Friedhofaufseher.

ß 26. Ueber dic allgemeinen Lcichenfelder, sowie übcr die Familiengräber führt
der Fricdhosaufseher gctrcnnte Bücher, in deren ersterem die Nummer des Lcichen-
feldes, dic Zahl der Gräberreihe, die Nummer dcs Grabes, Namen, Geschlecht und
Alter der Gcstorbenen, sowie Tag, Monat und Jahr der Beerdigung angcgebcn ist;
in dem Buch übcr die Familiengräber werden außer den obcngenannlen Aufzeich-
murgen der Buchstabe der Plätze iind die Nummer des Grabes eingelragcn.

Dicsc Büchcr werdcn doppclt geführt uud je ein Exemplar aus dem Bureau der
Friedhofskoinmission, das anderc bei dem Fiiedhofaufseher ausbewahrt.

Einsicht in dtcse Bücher ist jedermann gcstaltet.

8 27. Jedcs Grab sür Erwachsene muß 2,10m lang, 0,75m breit und 1,50m
tief, für Kindcr unter 10 Jahrcn I,50m lang, 0,60m breit und 1,00m tief sein.

Zwischen alleu Gräbern muß ein Zwischenraum von mindestenS 0,30 m bleiben.

8 28. Unmiltelbar nach der Bccrdigimg müssen die Gräber von dem Toten-
gräber ausgefüllt wcrden.

Die Hinterbliebenen müssen, sofern sie das Grab einfassen, bcpflanzen oder mit
cincm Grabstein versehen lassen wollen, die Ausführung diescr Arbeiten binnen vier
Wochen anordnen.

8 29. Es bleibt dcn Hintcrbliebcnen anheimgestellt, die Bepflanzung der Gräber
selbst zu besorgen oder durch einen Gärtner besorgen zu lassen.

Für die Handlungen der Beauftragten, soweit sie mcht zu strafrechtlicher Ber-
solgung Veranlassung geben, bleiben die Hinterbliebenen mitverantwortlich.
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