Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1900 — Heidelberg, 1900

Seite: 372
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/AdressbuchHD1900/0412
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
facsimile
S72

§ 15. Vorstehende Verordnung tritt mn 1. Januar 1896 in Kraft. Am gleichen
Tage verlieren die im gleichen Betreff erlassenen bezirks- oder ortSpolizeilichen Vor-
schristen ihre Gültigkeit, soweit sie sich nicht als Ausführungsbestimmungen zu 8 5
dieser Verordnung darstellen.

S. Der Vrlrirb -er Pferdrbalin.

Ortspolizeiliche Vorschrift vom 27. April 1885.

§ 1. Die für den Betrieb der Pferdebahn zu benützenden Wagen dürsen keine
größere Breite als zwei Meter haben, alle Vorsprünge eingerechnet.

Sie müssen versehen sein:

a. mit einer kräftig uud schnellwirkendeu Bremsvorrichtuug',

b. mit einer Zugleine oder ähnlicheu Vorrichtuug, welche eiucn Sigualverkehr
mit dem Kutscher von der Nückseite deö Wagcns auS cnnöglicht, und

c. mit zwei Laternen (je einer an der Vorder- und Rückseite), welche gleich-
zeitig den iuueren Wageuraum zur Nachtzeit ausreichend erhelleu.

tz 2. Jeder Wageu muß mit einer Nummer versehen sein, welche sowohl iiiuei-
halb als auch außerhalb des Wagens leserlich auzubringen ist. Au jedem Wagcu iiiuß
ferner die Zahl der Persouen, welche er sowohl im Jnnern als auch auf der Plalt-
form aufnehmen kauu, angeschrieben sein. Ueber diese Zahl hinaus dürfen keine
Personen zur Fahrt aufgenommen weiden.

8 3. Die zum Dieuste bei der Pserdebahn vcrwendeten Pferde müssen kräflig,
vollkommen diensttauglich und von schadlicheu Fehlern frei, die Geschirre solide, von
gutem Aussehen und in gutem Slandc sein.

8 4. DasDienstpersonal besteht für jedenWaaen aus eincmSchaffner und cinem
Kutscher. Die Bediensteten haben wührend dcr Dienststuuden die von dem Unler-
nehmer eingeführte Dieustkleidung, sowie vorn an der Kopfbedeckung eine Nnuiuier
zu tragen. Das Tabakranchen während des Fahrens und während des Verkehrs
mit dem Publikum ist ihnen nicht gestatlet. Jhr Bctragen mus; ein hoflichcS und
bescheidenes sein.

Den auf den Bahnbetrieb bezüglichen Weisnngen der Polizeibeamten haben sie
Folge zu leisten.

Bedienstete, welche zu begründcten Beschwerden Veranlassung geben, sind aus
dem Dienste zu entlassen.

8 5. Der Betrieb richtet sich nach dem Fahrplane; die Fahrpreise lverden dnrch
den Tarif festgesetzt. Fahrplan und Tarif unterliegen der Zustimmung des Stadt-
ratS und der Genehmiguna der Polizeibehörde.

8 6. Aus denjenigen Bahnstrecken in der Hauptstraße, auf welchen zwei Geleise
liegen, ist bis 12Uhr mittagS nur das nördliche, nach 12Uhr mittagS nur daS siidliche
Geleise von der Pferdebahn zu befahren. Abwcichnngen hiervon konnen von der Po-
lizeibehörde, und in dringenden Fällen von dem Kondukteilr des betreffenden WagenS
angeordnet werden.

Unbespanute Pferdebahnwagcn dürfen auf dem Bahnkörper nicht stehen bleibeu.

87. Die Signale erfolgen durch dieZugglocke und Pfeife.

Die Signale zwischen Kondnkteur und Kutscher erfolgen mit der Wagenglocke,
während die Ausiveiche- und Warnungssiguale mit dcr Signalpfeise gegeben werdeu.

8 8. Für jeden Schaden, der durch den Betricb der Pferdebahn augerichtet wird,
haftet der Unternehmer.

8 9. Der Schaffner hat dafür zu sorgen, daß sein Wagen die plaiimäßigeil Ab-
fahrts- und Ankunftszeiten einhält, die Answeichestellen rechtzeiiig berührt, während
der Dunkelheit vollständig erleuchtet ist und sich stets in reinlichem Zustande befindet.

8 10. Das Weiterfahren ist erst gestattet, wenn der Einsteigende Platz genom-
men, bezw. der Aussteigende den Erdboden crreicht hat.

Der Schaffner hat auf die Aussührung der 88 10 bis 19 zu halten, zu diesem
Zwecke auch nötigenfalls die dort bezeichneten unzulässigen Fahrgäste, insbesondere
auch solche, welcye die Mitsahrenden durch Rohheiten oder Unanständigkeiten be-
lästrgen, aus dem Wagen zu entfernen, und wenn erforderlich, die Mitwirkuug der
Polizei in Anspruch zu nehmen.

Wenn in dem Wagen sich soviele Personen befinden, als derselbe vorschrifts-
mLßig aufnehmen darf, so hat der Schaffner an demselben eine für das Publikum
erkennbare Tafel mit der Aufschrtft „Besetzt" anzubrtngen.
loading ...