Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1900 — Heidelberg, 1900

Seite: 420
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Am Sonntag Lätare darf wegen des Sommertagsfestes eine Beschäftigung der
Arbeiter bis 12 Uhr mittags stattfinden.

Jn der hiesigen Stadt wird Ueberarbeit im Betriebe von Bäckereicn nnd Kon-
ditoreien aUgemein gestattet:

Am Samstag vor dem sogenanntcn Sommertng (Lätare)
am Samstng vor Ostern, nm Snmstng vor Pfingsten,

am 24. Dezember und am Syivestertag.

Die übrigen Tage, an weichen Uebernrbeit zngelnssen werden darf, werden je-
weils auf Antrng der Bcteiligtcn durch besondere Verfügnng bcstimmt werden.

Auch an diesen Tagen mit Ausnahme des Tagcs vor dem Weihnachls-, Oster- nnd
Pfingstfeste, must zwischen denArbeitsschichten derGehilsen eine uuunterbrocheueRuhe
von mindestens 8 Stunden, deu Lehrlingen eine solche von mindestens 10 Stunden im
ersten Lehrjahre, mindestens 9 Stundeu im zweiten Lehrjnhre gewährt werden.

2. Jm Konditoreigewerbe ist die Bcschästignng von Arbeitern nn allen
Sonn- und Festtagen von 4 Uhr morgens biö 12 Uhr mittags gestaltet.

Während der denArbeitern hiernnch zn gcwnhrenden Auhezeit von 12Uhr mittags
an dnrfcn dieselben jedoch mit der Herstcllung und mit dem Austragen leicht vcrderb-
licher Waren, die unmittelbar vor dem Genuß hergestellt werden mnssen sGis, Oremes
und dergl.), beschäftigt werden, müsscn nber in diesem Falle au cinem der nächsten 6
Werktnge von mittngs 12 Uhr nb von jeder Arbcit freigelnsscn werden.

Aüßerdem ist jedem Arbeiter miudestens an jcdem dritten Sonntage die znm Bc-
suche des Gottesdienstes erforderliche Zeit frei zu geben.

Bemerkun g. Zu 1 und 2 wird Folgeudes bemerkt:

Für Betriebe, in denen sowohl Bäckerwaren, als Konditorwaren hergestclll wer-
den, ist die Beschastigung solchcr Arbciter, die nn Sonn- und Festtagen nusschliest-
lich mil der Herstellung von Konditoreiwaren beschäsiigt werden, nach den Bestim-
mungen für Konditoreien, die Beschäftigung der übrigen Arbeiter nach den Bcstim-
mungen für Bnckereien zu regeln.

Als Bnckerwnren ist dnsjenige Backwerk zu behandeln, welches herkömmlich unter
Verwendung von Hefe oder Sauerleig hcrgestcllt wird.

3. Jm Fleischergewerbe ist die Beschäsligung von Arbeitern nn allen Sonn-
und Festtagen,

und zwar in der Zeit vom 1. April bis 30. Scptember von Uhr bis 9
Uhr vormitlags, in der Zeit vom 1. Oktobcr bis 31. Mnrz von '/r6 Uhr bis
9 Uhr vormittags

gestattet.

Wenn die Sonntagsnrbeiten länger nls drei Stuudcn dauern, so sind die Arbeitcr
entweder au jedem zweilen Sonnta^von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends oder an
jedem dritten Sonntng für volle 36 Stuuden von jeder Arbeit freizulnssen.

4. Jm Bnrbier- und Friseurgewerbe ist die Beschästiguug von Arbeitern
an allen Sonn- und Festtngen bis 2 Uhr nnchmittags, dnrüber hinans nur insoweit
gestnttet, nls sie bei der Vorbereituug von östentlichen Thentervorstcttnugen und
Schaustellungen sowie während der Zeit von Weihnachten bis Ende Februnr zur Vor-
bereitung von Bällen und Gesellschaften erforderlich ist.

Wenn die Sonutngsnrbeiten länger als drei Stunden dnuern, so sind die Arbeiter
entweder au jedem dritten Sonntng für volle 36 Stunden oder an jedem zweiien
Sonntag inindestens in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr nbends oder in jeder
Woche während der zweitcn Hälfte cincs Arbeitstnges und zwar spätestens von 1 Uhr
nachmittags ab von jeder Arbeit frei^ulassen.

Außerdem ist den Arbeitern an jedem dritten Sonntnge die zum Besuche des
Gottesdienstes erforderliche Zeit zu gewähren.

5. Jn Blumenbindereien ist die Beschäftigung von Arbeitern mit dem Bin-
den von Blumen, Winden von Kränzen und dergl. während der für den Verknuf von
Blumen in offenen Verkaufsstellen freigegebenen Stunden gestattet, d.i. an den Sonn-
und Festtagen (mit Ausnahme des ersten Oster-, Vfingst- und Weihnachtsfeiertngs)
unbeschränkt mit Ausnnhme der Stunden des vorniiltägigen Hauptgottesdienstes, am
ersten Oster-, Pfingst- und Weihnachtsfeiertage von 6 bis 9 Uhr vormittags.

Am Sonntag vor Allerheiligen ist die Beschäftignna von Arbeitern auch während
der Stunden deS vormittäßigen Hauvtgottesdienstes gestattet.

Wenn die Arbeiten länger als drei Stunden dauern, so sind die Arbeiter ent-
weder an jedem dritten Sonntag für volle 36 Stunden oder an jedem zweiten Sonn-
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