Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1900 — Heidelberg, 1900

Seite: 429
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Das Gleiche M in den Fällen des Z 12.

Z14. Wenn ein Dienstbote vertragswidrig deil Dienst nicht antritt, niibefngt aus-
tritt, oder ßemäß ß 10. und zivar in Folge eigencn Verschnldens entlassen wird, so
kann der Diensthcrr, ohnc daß eine gerichtliche Auflösnng des Vertrags, cine Verzugs-
setzung oder der Leweis des Eintriils nnd Betrags dcö Schadens nöiig fällt, statt der
Erfüllung des Vertrags eine Entschädigimg verlangen oder in Anfrechnnng bringen,
Ivelche sich auf die Hälfte des Vierteljahreslohnes belänfl. Wcnn Dienslboten für
landwirtschaftlichc Geschäfte in der ,'stit vom Znni bis cinschließlich Oklober vertrags-
brüchig oder entlassen werden, so erhöhl sich die Enlschädigniig anf den vicrten Teil
des Jahreslohnes.

8 15. Dein Dienslhcrrn stcht znr Sichcrnng seiner Gntschädlgnngsfürdcriing gegen
den Dielistbotcn an der in sciner Wohnnng erngcbrachten Habe desselbcn, niit Aus-
nahrne der zum täglichen Gebranch nnenibchrlichcn Uleidnngsstückc, ein Aiickbehaltnngs-
recht zu. Wenn der Dienstherr niäN innerhalb scchs Tagen seine Gntschädigungsklage
gcgen den Dienstbotcn bei dci» znständigcn Richter anhängig inacht, oder nichl iiiner-
halb acht Tagcn nach Erwirkiing eineS rcchiskräftigen obsiegenden Urteils den Zngriff
auf die rückbehaltene Habe beantragt, so erlischt das Riickbehaltnngsrecht.

8 16. Wird ein Dienstbotc von der vcrtragsschließenden Herrschaft nnbefngter
Wcise nicht angeiioininen oder vertragswidrig entlassen, oder iiiinint er ans Verschnlden
dcs Tiensthcrrn nach 8 11 seinen Anstrilt, so kann er, anßer dem 8tohne fnr die abvcr-
diente Zeit, ohnc daß eine gerichtliche Anflösnng des Veriragcs, cine Verzngssctzuiig
odcr der Beweis des Eintritts nnd des BetragS des Schadens nötig fällt, statt der Ver-
tragscrfüllnng eine Gntschüdigiing verlangen, welche die Hälfte des Vierteljahreslohns
beträgt. Wenn Dienstbolcn für landivirlschastlichc Geschäfle in der Zeit voin Oktober
bis einschließlich Fcbruar nicht angcnoinincn, entlassen werden oder anstreten, so erhöht
sich die Eillschädignng auf dcn vierien Tcil des Zahreslohns,

8 17. Bei moiiatweise verinietetem Gcsinde belänft sich die Entschädigung anf dcn
Bctrag deS Lohnes für eincn halben Monat.

§ 18. Sowohl dcn Dlenstherren als den Dienstboten bleibt in den Fällcn der vor-
hergehcnden 88 vorbchalte», einen höheren Schadcn gerichtüch gcltend zn inachen.

8 10. Wer einen Dlcnstboten znm ividerrechtiichen Verlassen des Dienstes ver-
leitet odcr in tgeniitnis eines noch bestehenden Olesindeverhältnisscs in Dienst nimmt,
ist als Gesamtschnldner mil dem vertragsbrüchigcn Ticnstboten nach den Vorschriftcn
der 88 14,17,18 dem Dicnstherrn znni Schadcnersatz vcrpflichtet.

8 20. Minderjührige Pcrsoncn dürfcn nnr, wenn sie mit einein behördlich ausgc-
stelllcn Dienstbuch verschen sind, als Dienstboten beschäsiigt werden.

Der Dicnsthcrr ist verpflichtct, das Dienstbnch bci der Annahme cines solchen
Dienstbotcn einzufordern, dasselbe zu verwahren, atts aintlichcs Verlangcn vorznlegen
nnd nach rcchtmäßigcr Itösung des Dicnstverhältnisses dcm Dienstboten wieder anszn-
händigen.

Äcr Dienslhcrr ist scrner verpflichiet, die Zcil des Ein- nnd Anstritts, sowic die
Art der Beschästignng eineö solchen Dienslboien im Diciistbnch einzutragen nnd zn
unterzeichncn. Die Einträge diiifen nicht mit eincm Merkmal vcrsehen sein, welches
den Znhaber dcs Dienslbnchs günstig oder nachtcilig zn kennzeichnen bczweckt. Der
Eintrag eines Urtcils iiber dieFiihrnng odcr die Leistnngen desDicnstbotcn nnd son-
stige durch diesesGcseb nicht vorgcschencEintragnngcn oderVermerke in odcr an dem
Dienstbuch sind nnznlässig.

8 21. Der Dienstherr ist verpflichtet, jcdem Dienstboten beim Nbgang anf Ver-
langcn ein Zengnis übcr Art und Dancr der Beschäftigung, sowie iiber Führnng und
Leistnngen ausznstellcn.

Dem Dienstherrn ist nntcrsagt, das Zengnis mit Mcrkmalcn zu vcrsehen, welche
den Zweck haben, den Dienstboten in einer anS dem Wortlaut dcs Zeugnisses nicht
ersichilichen Weisc zu kennzcichnen.

8 22. Die nähercn Bestiiiimiingen iiber die Einrichtiing, Ansstellnng nnd Ans-
händigung der Dienstbücher nnd Dienstzeugnisse nnd iiber die Bcglanbignng der Ein-
träge im Dtcnstbuch, sowie der Dienstzeugnisse werdcn dnrch Verordnnng Z. S. 458)
getroffen.

Die Ausstellung der Tienstbiicher nnd dieBeglanbigung der Einträge im Dienst-
buch, sowie der Dienstzeugnisse erfolgt gebiihrenfrei; jedoch kann von demjenigen,
durck dessen Verschulden die Ausstellung eines neuen Dienstbuchs notwendig gewor-
den ist, eine durch dte Verordnnng zu bestinimende Taxe erhoben werden.
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