Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1900 — Heidelberg, 1900

Seite: 439
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§ 26. Der Stadtrat kann zn Gnnsten solcher Geschästsleute, welche regelmäßia
Meh! bezichen, auf deren Ansucheu in widerruflicher Weise die Anordmmg tresfen, datz
von der sofortigen Zahlung der Mehlverbrauchssteuer Uiugang genommeu und diese
periodisch durch ciiieu städtischen Bcdiensteteii beiin Empfäugcr erhobeu wird.

§ 27. Bei dcr Bcrechnuug der Verbrauchssteuer von Mchl wird augenommen,
daß die Säcke 2 pCt. des Bruttöqewichts ausmachcii.

tz 28. Wird vcrsteucrtes Äehl zu Brot vcrarbcitct, uiid lctztercs haiidclsmäßig
ausgeiiihrt, so erfolgt die Mckvergiitung dcr Berbrauchssteiicr mit 45 Vfenuig pro 50
Kilo Brot. ^

8 29. Die Berstcueruug des iu dem Steuerbczirk gemahleiicn uud daselbst zum
Verbrauch koliimeuden Mehls siudet uach besonderer Uebcreiukuust mit dem Mühlen-
besitzer statt. Das Gcbiet der Mühle ist als außerhalb des städtischcu Berbrauchsstcuer-
bczirks liegcud auzusehcn.

Schlachtvieh.

8 30. Die Berbrauchsstciier vou Schlachtvieh ist im Augeublick der Schlachtung
fällig. Sie wird auf Grnud dcö vor dcr Schlachtuiig an der Schlachthauskasse zu
tösenden Schlachterlaubinsscheiucs gleichzeitig mit deu sonstigen staatlichcu uud städti-
schen Gefällen erhoben.

8 31. Bon der Verbrauchssteiler befreit sind:

1. Schlachtvich, das wegeu ciner äußerlich erkeuubareu Beschädiguug oder wegeu
Erkraiikilug gcschlachtet werdeu muß, soferu der Eigcntüiner keiu Metzger ist.

, 2. Schlachtvich, das auf Auordimng der Polizeibehörde geschlachtet, odcr dessen
Fleisch bci odcr alsbald uach dcr Schlachtuug vou dcr Polizcibehörde sür uugenießbar
crkanut wird

Die bcrcits bezahlte Berbrauchsstcuer vou solchem Schlachtvieh wird zurück-
crstattet.

8 32. Als Rindvieh erster Schwere gilt jedes Stück im Schlachtgewicht vou
250Kg uiid mchr, ausschließlich dcr Kühe und Farrcu; nls Niudvieh zweiter Schwere
jedes Stück vou 200 bis 250kg eiuschließlich der schwcrereu Kühe uud Farren; als
Rindvieh dritter Schwere jedes Stück von wenigcr als 200 kg mit Ausnahme der
Kälber.

Dcn Küheu wcrden die Kalbimien, d. h. die ziim crsteu Male trächtigen Niuder
gleich gercchnet. Als F-erkel gilt jedes Schwciu uuter 8 Kilo.

5topf, Füße, Eiugeweidc, Iluschlitt und Haut bleiben bci der Bestimmuug des
Schlachtgewichts außcr Bctracht; hiusichtlich der übrigen Tiergattuugcn findet cin
solcher Abzug nicht statt.

8 33. Weilu iilfolgc vou Meiuiliigsverschicdeiiheiteu zwischeu dcm Steuerpflichtigen
uud dem Aiissichtspersöiial übcr das Gcwicht eines Tieres dessen Abwäguug crforderlich
wird uud zu Uiigunsten des Steiierpflichtigeu ausfällt, so hat dicser ciue Waggebühr
zn bezahlen, wclche der Stadtrat im voraus festsetzt. Dicse Waggebühr darf nicht
über 40 Pfennig bctrageu.

e- Fleisch.

8 34. Die bei handelsmäßiger Ausfuhr von Fleischwaren aller Art zu leisteude
Nückveraütung der Berbrauchssteucr beträgt 1 Pfg. pro Kiloaramm, gleichgilüg, ob die
Steuer vei der Einfuhr vou lebendem Biep oder vou Fleisch bezahlt worden ist.

e. Strafen.

8 35. Wer die Eutrichtung von Berbrauchssteuern uuterläßt, verfällt — abge-
scheu vou der Pflicht der lllachzahluug der Abgabe — iu eine Gcldstrase, welche dem
vierfachen und im Wiedcrholiingsfallc dcm achtfacheu Betrage der geschuldeten Abgabe
gleichkommt.

Weist der Angezeigte nach, daß die Entrichtiiug der Abgabe ruir aus Versehen
unterblieb, so kann auf eine geringere Ordnungsstrafe bis zu höchstens zehn Mark
erkannt oder je nach Umständen die Ordiiiingsstrafe gäuzlich erlassen werden.

Wer dcu zur Ueberwachung und Sicheruug der Abgabe-Eiltrichtung erlassenen
Vorschriften zuwiderhaiidelt, wird von einer Geldstrafe bls zn 10 Mark getroffen.

Äuch der Versuch, die Beihilfe und die Begünstiguna stnd strafbar.

Die absichtliche oder fahrläsfige Voreiithaltung der auf Wein und hier gebrautem
Bier beruhenden Verbrauchssteuern wird auf gleiche Werse, wie die Vorenthaltung
der betreffenden Staatssteuern verfolgt und abgewandelt.
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