Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1900 — Heidelberg, 1900

Seite: 443
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mit Ausrrahme der irr Grrrfteir beizusetzeilden (siche K 32) nur Särge aus weichem
Holze, welche inneu sorgfältig verpicht sciir uiüssen, verwcndet werden.

Bezüglich dcr nach auswärts zu verbringeiiden Leichen sindcn die besonderen.
gesetzlichen Bestilnuiungen Aniveilduiig.

Die Särge, deren innerc Ausstattiing und das Beschläg dcrsclbeu müssen imnrer
aus dciu städtischcn Sarginagazin eninoiuiucn wcrden.

§ 10. Die Leicheu sänttlichcr bier vcrstorbcucn Persouen siud alsbald nach
Bornahme dcr crsten Leicheuschau, spälcstens abcr vor Ablauf vou 24 Stunden nach
Eiritritt dcs Todes in ciue der Lcichcuhalleu zu vcrbringen.

Tie Uebersührung der Leicheu in dic städrischcu tteichcnhallcu odcr in die dcs
akadcmischcn Krankcnhauses dars, gauz driugcude Fälle ausgenommen, nur in den
frühcii Morgcn- und spären Abeudstiiiideii und uur auf dem kürzesten Wege unter
thunlichstcr Beriiicidung der .vauptstraße staitfiudcu. Inuerhalb des Stadtgebictcs
ist nur dcu nächstcu Aiigchörigcn die Bcglcitung dcr Lciche gestattet.

Bon auswärtö hierhcrgebrachtc Bcichcn sind direkt ohne Bcglcitung der Leid-
tragciideu in den F-ricdhof oder iu einc dcr Leicheuhalleu zu vcrbriiigeu.

8 11. Auö besouders erhcblichcn (siründen und uur, wo dic Wohiiungsverhält-
nissc ciue vollstäudigc Isolicruug dcr tleiche eriiiöglichcn, kann das Bezirksamt nach
Anhörcn dcr Fricdhof-ttoiuiuissiou gestatten, dast eine Bcichc über 24 Stundcn im
Sterbehaus verblcibt.

Die Erlaubniö ist jcden'alis zu versageu, weun der Tod infolge einer anstecken-
deu Kraukheit (s. 8 7 Abs. 2> eiugetrcleu odcr wenn dic sofortige Berbringung der
Lcichc in die Lcichcnhalle iui sanitätspolizeilichcu Interesse geboicn ist.

Alis dem Krankcuhaus dürscn vcichen crst dauii abgeholt werden, weun die
Dircktion der pathologischeu anatouiischen Austalt die Geuehiuigung schriftlich er-
tcilthat.

In keiiiem Fall soll die Bestatlung vom Sterbehaus erfolgen.

Die Borschriften dcr 6, 7 und 8 sind jedoch auch iu diesen Ausuahinsfällen
genau zu beobachten.

. 8 l2. Mit Leichen bclegte Särge dürfen innerhalb der Stadt uur im städtischen
r-cichcnwagcu iu Begleitnng vou Itticheiiträgeru übcrführt voerdcn; auögenoinmcn
stnd die durchgehcndeu Lcichcuiransportc nnü diejeuigen auö dem akadem. Kranken-
haus, dic mit auöwärtigem Fuhrwcrk direkt uach auöwürtS erfolgen, bei wclcheu jc-
doch nach § 0 Abs. 2 dcr Berordnung vom I. Fcdruar 1888, falls dic Ileberführung
uicht im Leichcuwagcn gcschieht, dcr Sarg iu ciner Ilcberkiste verwahrt sein muß.

. 8 13. Die Ilcbersührnng eiuer Leiche iu die Lcichenhallc geschieht durch den
Leichenwagen der betreffenden Klasse.

Die Aufsicht und Begleituug überuehiueu bei Erwachseuen 4, bei Kiudcrn von
0—15 Jahreu 2 Leichentrüger. Lcicheu von Kindcru uuter 6 Jahreu wcrden nur
bon einer Lelchciiwärtcrin begleitet. Leichcn vou Kinderu unter 1 Jahr köuuen auch,
sofern nicht eine ansteckende Kraukhei't dcn Tvd herbcigeführt hat, vou der Lcichcn-
wartcrin in die Leichenhallc gctragen wcrden. Ausnahmsweise kanu von den An-
gehörigen die Begleitung des Leichcuordners gegen C'iitrichtung der hiefiir vorge-
sehenen Gebühr verlaugt werdcu.

14. Währeud der ileberführuug dars der Sargdeckel nur losc aufliegen.

8 16. Die Aufnahmc dcr Lciche iu die Leichcnhalle geschieht auf Lorzeigen
und Abgnbe deö Erlaiibiilsscheiiies au den Leichknhallcanfseher.

Die Obsorge für die Leiche in dcr Leichcnhalle ist fiir Allc ohne jegliche Aus-
nahnre gleich und liegt ausschlieszlich dcm Leichenhalleaufseher ob.

. 8 16. Für jcde Leiche ist cine Zclle bestimmt. Jede Zelle must mit einer aus-
reichcnden Veiitilalionsvorrichtung verseheu seiu. Eine etwa erforderliche Desinfek-
tion wird der Lelchenhallcaufseher nach Anlveisnng des Großh. Bezirksarztes vor-
nehmen.

Jn jedcr Zelle mus; cine Leitung zu dem im Wächterzimmcr befindlichen
elektrischen Läutewerk angebracht scin, deren Endcn so an der Hand der Leiche zu
befestigen sind, daß bei der geringsten Veränderung der Lage das Läutewerk in Be-
weguug gesetzt wird.

Der Sarg bleibt bis eine Stunde vor der Beerdigung osfeu, vorausgesetzt, daß
nicht eine ansteckende Krankheit die Todcsursache war oder starke Spuren eintre-
tender Zersetzung sich zcigen, in welchen Fällen der Sarg sofort nach der zweiten
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