Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1900 — Heidelberg, 1900

Seite: 446
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BehufS Verhinderung deS EindringenS von Wasser ist das Gewölbe mit As-
phalt abzudecken.

Der Boden der Gruft ist auS Cementbeton vou 20 em Stärke hcrzustellen und
ebenfalls mit einer Lage Asphalt abzndecken.

Das Gcwölbe, sowie die Umfasstmgswände des Znncrn siild mit 2em stnrkem
Verputz von Cement zu versehm.

Der Verschlust der Gruft hat mittelst einer 12 cm starken Steinplatte, welche
in einer Umrahmung mit Falz liegt, zu geschchen. Dicse Steinplatle ist mit zwci
eisernen Ningen zu versehen und nach jeder Beisetzung wieder gnt in Cement zn
verleaen.

2. Gruften miissen nach jeder Beisetzung einer Leiche wieder vollständig dicht
verschlossen und dürfcn nnr zur Beisetznng einer weitercn Leiche wieder geöffnet
werden.

3. Bei jedcr Wicdereröffuuna eincr Gruft ist eine Neinigung nnd Desinfizie-
rung der Luft nach Auleitnng des Bczirksarztes vorzunchmen, ehe sich jemand
hinein begiebt: zu diesem Zweek ist vorhcr stets rcchtzcitige Anzeige an das Groff-
herzogliche Bezirksamt zu machen.

4. Jn Gruften dürfen Leichen nur in luftdicht verschlossencn eiscrncii llcber-
särgen eingesetzt werden.

5. Dunströhren oder sonstige Pentilatioiisvorrichtinigcn dnrfen an Grufteii
nicht angebracht sein.

6. Jst eine Gruft zur norinalen Beerdigimgszeit einer Leiche noch nicht fertig-
gestellt, so darf die Leiche vorcrst in dem Lelcheilhans, jedoch nur in dcm vorge-
schriebenen eiserncn Sarg aufbcwahrt werdcn.

Diese Aufbewahrimg darf aber die Frist von vier Wochen nicht übersteigeu.

Eine Wiedercröffmmg des eisernen Sarges nach Aufiiahme der Leiche darf nicht
stattfinden.

Z 33. Die Errichtimg von Grabdenkmalen samt Inschriftcn, sowie Grabcin-
fassimgen, welch letztere auS Stein odcr Metall hcrgesteltt sein inüssen, bedars dcr
Genehmigung der Friedhof-Koiuuiission. Zu dcm Zweck ist derselben vor deni Sctzen
eines Grabsteins Zeichnung, Maß »cbst Buchstaben, Nuumicr dcs Grabcs imd Fn-
schrift des Steines eiiizureichcn.

Die Grabdenkmale auf Familiengrabern müsscn fiindameiitiert sein; sie sind auf
die Grabstätte zu setzen, imd nmb das Fuiidanikiit derselben niindcsteilS 1,50 m unter
und 0,30 m über der Bodcnfläche in Cemeiit hergestellt werden.

Jst das Grabdenkmal von solchcr Größe, daß dasselbc aus Pfeilcr gesetzt wcrden
muß, so sind diese mit eiscrnen Schienen von genügcnder Stärkc und init Platten zu
überdecken: in Einzelgräbern sind stets solchc Hohlpfcilcr zu errichtcn, während in
Doppelgräbern ein Lollpfeilcr zwischcn die Gräbcr zu stellcn ist.

Grabeinfasstmgen von kleinen uiibchaueneil ^>teinen bedürfen einer Funda-
mentiernng nicht; für solchc ans bchaucnen Steinen odcr Mctall sind die Filiidameiite
0,M m tief aus Backstemen mit Cenieiitiiiörtel odcr ans Cemcntbeton herzustelleu.; die
Steine der Einfassung dürsen, sofern nicht für diese außer der Grabfläche ein wcitercr
Gcländestreifen erworben wurde, die Dickc von 15 cm nicht übcrschreiten imd müssen
gut verklammert sein.

Sämtliche Fundainentarbcjten wcrden durch dcn Friedhofaufsehcr anaeordnet.

Grabsteine sind in der Regel auf Rollwagen an ihren BestinlniungSort zu ver-
bringen; bei Steiiien, welche über 500 llg schwer sind, ist auch die Benützung eines
befpanntcn Wagens gestattct.

Jn jedem Fall ist der Untcrnehmer für jede Beschädigung in dem Friedhof
haftbar.

tz 34. Die Familiengräber sowie deren Denkmale, Einfassungcn und Anpflan-
zungen müssen von den Angehörigen in gutem Stand gchalten werdcn.

8 35. Blumen oder Kränze dürfen auf allen Gräbcrn niedcrgelegt werdcn, si»d
jedoch von dem Friedhof zu entfernen, sobald sie in Zersetzung übergehen und dadurch
einen unangenehmen Anblick gewähren.

Von den allgemeinen Leichenfeldern entfernt diese Ncste der Friedhofaufseher,
während die Jnhaber von Familiengräbern gehalten sind, sie cntfernen zu lassen;
geschieht letzteres nicht rechtzeitig, fo erfolgt die Abräumung durch den Friedhofaufseher
auf Kosten der Jnhaber.
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