Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1901 — Heidelberg, 1901

Seite: 367
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7. Nach dem Ausbrennen ist das Kamiu mit Kugel und Bürste zu durchziehen.
Auch ist vom Kaminfeger dafür zu sorgen, daß das Kamiu nach beendigtem Geschäfte
noch einige Zeit durch eine vom Hausbesitzer bestellte zuverläfsige Person beobachtet
wird.

8. Das zum Ausbrennen erforderliche Material hat der Kaminfeger auf eigene
Kosten zu stellen, woranf bei Festsetzung der Taxe für das Geschäft Rücksicht zn
nehmen ift.

§ 15. Ueber die Zeit der Reinigungen wird bestimmt:

1. Küchenkamine sind alle drei Monate, wenn sie aber den Nauch von drei oder
mehr Ofenröhren — gleichviel in welchen Stockwerken — aufnehmen, während der
Ofenfeuernngszeit alle zwei Monate zn reinigen.

2. Kamine, welche ausschließlich zu Oefen nnd anderen nur im Winter gebrauch-
ten Feuerungs-Anlagen gehören, sind während der Ofenfeuerungszeit alle 2 Monate
zu reinigen. Bei Kaminen von Luft-, Dampf-, Warrn- und Heißwasserheizungen hat
während der Benützungszeit die Reinigung alle Monate stattzufinden.

3. Monatlich müssen gereinigt werden:

Die Kamine der Bäcker und Wurstler, die Küchenkamine bei Gastwirten und
ähnlichen Gewerben, die Kamine der Bierbrauer während der Brauzeit, der Brenne-
reien, Trocken- oder Dörranstalten während der Gebrauchszeit. Alle zwei Monate
sind die Kamine der Schreinerwerkstätten zu reinigen. Die Kamine der Schlosser- und
Schmiedewerkstätten, sowie die Kamine sonstiger Feuerarbeiter sind einmal jähr-
lich zu reinigen (Ges.-Blatt 1889 S. 101>.

Enge, sogen. russische Kamine unterliegen hinsichtlich der Zahl der Reinigungen
den allgemeinen Bestimmungen.

5. Kamine, welche ausschließlich für Badezimmer oder welche fürWasch- und
Backöfen dienen, die nur zeitweise benützt werden, sind jährlich zweimal zu reinigen.

6. Fabrikkamine, welche umbaut sind oder in der Nähe von Gebäuden stehen,
sind zweimal, freistehende Fabrikkamine jährlich einmal zu reinigen.

Wenn die Vornahme der Reinigung eine besondere Störung des Fabrikbetriebes
verursacht und nachgewiesen wird, daß sich bei dem sehr starken Zuge des Kamins kein
Ruß, noch weniger Glanzruß ansetzt, kann das Bezirksamt die Zahl der Reinigungeu
noch weiter herabsetzen oder bei gut erhaltenen, ganz freistehenden Kaminen auch dem
Eigentümer die Besorgung der Reinigung überlassen.

Jn letzterem Falle genügt eine jährlich einmal vorznnehmende Untersnchung des
Kamins durch den Feuerschaüer unter Mitwirkung des Kaminfegers.

Die Reinigung ist in der Zeit vom 1. Oktober bis 1. April von morgens 7 bis
abends 5 Uhr, in den übrigen Monaten von 6 Uhr morgens bis 7 Uhr abends
vorzunehmen.

8. Mit Rückstcht anf den starken Gebrauch, auf die Verwendung stark rußenden
Brennmaterials und auf die bauliche Anlage der Kamine kann durch orts- oder bezirks-
polizeiliche Vorschrift die Vornahme einer größeren Zahl von Reinigungen angeordnet
nnd tönnen die in Ziffer 7 festgesetzten Tagesstunden anders bestimmt werden.

9. Der Kaminfeger ist verpflichtet, äuf ausdrückliches Verlangen des
Gebäudebesitzers oder dessen Stellvertreters die Knmine auch öfter, als vorgeschrieben,
zu reinigen.

§ 16. Bei Kaminen, welche nicht benntzt werden, ist, folange dies der Fall ist,
eine regelmäßigeNeinigung nicht geboten; dieselben sind übrigens dann, wenn sie nicht
ganz unbranchbar gemacht, oder die betreffenden Gebäude nicht ganz außer Gebrauch
gesetzt sind, jedenfalls einmal des Iahres durch den Lkmilinfeger genau zu untersuchen.

tz 17. Den Beginn der vorschriftsmäßigen Reinigung hai der Kaminfeger den
Hausbewohnern so zeitig anzukündigen, daß diese ihre häuslichen Geschäste darnach
einrichten köunen.

An dem Bollzug des Reinigungsgeschäfts darf der Kaminfeger
ohne ganz dringende Grüude von den Hausbewohnern nicht geyindert
werden.

§ 18. Bei vollständiger Neuaufführung von Kaminen, sowie bei Ansbesserung
und teilweiserErnenerung derKamine unterDach hat derKaminfeger dieselben, bevor
sie verputzt werden, auf Veranlassung der Ortspolizeibehörde nach Maßgabe der hier-
über bestehenden besonderen Jnstrnktion einer sorgfältigen Prüfnng zu nnterziehen.
lleber den Erfund hat der Kaminfeger der Ortspolizeibehörde Anzeige zu erstatten.
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