Adressbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1902 — Heidelberg, 1902

Seite: 441
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/AdressbuchHD1902/0474
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
443

§ 19. Wenn ein Droschkenkutscher eine etwa erfolgte Bestellung seines Fahr-
zeugs nicht durch den Bestellschild (§ L7 Absatz II dieser Vorschrift) erkenntlich ge-
macht bat und infolge dessen in der Zwischenzeit eine andere Fahrt annehmen muß,
deren Dauer ihn an Erfüllung der früheren Verpflichtung verhindert, p hat er,
abgesehen von der Straffolge, dem ersten Besteller gegenüber für entsprechenden
Ersatz zu sorgen.

Droschken, welche zum Bahndienst befoylen sind, dürfen Vorausbestellungen
nur nach vorheriger Anzeige an den dienstthuenden Schutzmann und nur von bezw.
für solche Reisende annehmen, welche längstens innerhalb einer Viertelstunde nach
Aufsteckung des Bestellschildes mit einem Zuge ankommen werden.

Fahrweise. Zeil- und Nachtfahrten.

§ 20. Während der Fahrt sind die Pferde besetzter Droschken stets in kurzem
Trabe zu halten, ausgenommen wenn der Fahrgast das Schrittfahren ausdrücklich
verlangt, bei besonders langen Touren und an Stellen, wo aus straßenpolizeilichen
Gründen das Schrittfahren erforderlich oder angeordnet ist.

Der Droschkenführer ist verpflichtet, bei allen Fahrten den kürzesten Weg ein--
zuschlagen, wenn nicht bei Zeitfahrten (Ziffer VI des Tarifs) der Fahrgast einen
anderen, für die Droschke fahrbaren Weg selbst bestimmt.

Dem Verlangen des Fahrgastes, langsam gefahren zu werden, ist der Kutscher
nur bei Zeitfahrten zu entsprechen verbunden.

Die Zeitberechnung des Kutfchers bei Zeitfahrten ist der Fahrgast dann anzuer-
kennen verpflichtet, wenn der Kutscher ihm vorBeginn derFahrt dieUhr vorgezeigt hat.
Jm Unterlaffungsfalle hat der Kutscher die Zeitangabe des Fahrgastes anzuerkennen.

§ 2l. Die Zeitberechnung für die Zeitfahrten beginnt mit dem Augenblick
des Abfahrens vom Halteplatz, bezw. wenn die Bestellung nicht auf einem Halte-
platz erfolgt ist, mit dem Augenblick des Vorfahrens am Einsteigeort.

Bei anderen alS Zeitfahrten ist der Kutscher verpflichtet, am Einsteigeort fünf
Minuten unentgeltlich zu warten; für jede weiteren angefangenen fünf Minuten
kann er ein Wartegeld von 20 Pfg. beanspruchen.

H 22. Tritt der Fahrgast ohne Verschulden deS Kutschers eine bestellte Fahrt
nicht an, so hat der Kutscher 50 Pfg., oder wenn er länger als 20 Minuten warten
mußte, Bezahlung nach der Zeit zu fordern.

Tritt der Fahrgast die Fahrt an, setzt sie aber nicht fort, so hat er die volle
tarifmäßige Taxe bis zum Aufhören der vereinbarten Fahrt zu bezahlen.

Hält der Kutscher bei solchen Fahrten, für welche im Tarif eine besondere
Taxe nicht festgesetzt ist, ausnahmsweise die Vergütung nach der Zeit nicht für
angemessen, so ist es seine Sache, sofort bei Annahme des Auftrags dafür zu sorgen,
daß eine ausdrückliche Ueberetnkunft geschlossen wird, andernfalls kann er nie mehr,
als die in Ziffer VI dcs Tarifs festgesetzte Zeittaxe verlangen.

§ 23. Nachtfahrten beginuen während des ganzen Jahres abends 10 Uhr und
endigen morgens 6 Uhr.

Für dieselben ist die doppelte Personentaxe zu entrichten, vorbehaltlich der Be-
stimmungen in Ziffer II und V des Tarifs.

Wird die Fahrt vor 10 Uhr abends begonnen, so ist nur für denjenigen Teil der
Fahrt die doppelte Taxe zu entrichten, welcher nach 11 Uhr ausgeführt wird. Für
Fcchrten, welche vor 6 Uhr morgens begonnen werden, aber über diese Zeit hinaus
dauern, findet für die Zeit nach 6 Uhr nur die Berechnung der einfachen Taxe statt.

Beaufsichtigung.

§ 24. Jn der ersten Hälfte des Monats Mai wird alljährlich durch einen von
dem Bezirksamt beauftragten Polizeibeamten unter Anwesenheit des Großh. Bezirks-
tierarztes eine Besichtigung der Fahrzeuge, der Pferde und der Vekleidung der
Droschkenkutscher vorgenommen. Zu der von dem Bczirksamt anberanmten Besich-
tigung haben sich die Droschkenführer in Dienstkleidung unter Mitführung der Mantel,
sowie sämtliche Droschkenbesitzer cinzufinden. Da§ Ausbleiben oder verspätete Er-
scheinen wird nach § 27 dieser Vorschrift bestraft.

§ 25. Fahrzenge, welche den bei der Zulassung zum öffentlichcn Dienst zu
stellenden Anforderungen nicht mehr entsprcchen und deren Ausbesserung uicht lnehr
möglich ist, werden durch Abnahme der Zulassungsurkunde aicher Betrieb gesetzt.
loading ...