Adressbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1902 — Heidelberg, 1902

Seite: 487
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rnit Ausnahme der in Gruften beizusetzenden (fiehe 8 32) nur Särge aus weichern
Holze, welche innen sorgfältig verpicht sein müssen, verwendet werden.

Bezüglich der nach auswärts zu verbringenden Leichen finden die besonderen
gesetzlichen Bestimmungen Anwendung.

Die Särge, deren innere Ausstattung und das Beschläg derselben müssen immer
aus dem städtischen Sargmagazin entnommen werden.

8 !0. Die Leichen sämtlicher hier verstorbenen Personen sind alsbald nach
Vornahme der ersten Leichenschau, spätestens aber vor Ablauf von 24 Stunden nach
Eintritt des Todes in eine der Leichenhallen zu verbringen.

Die Ueberführung der Leichen in die städtischen Leichenhallen oder in die des
akademischen Krankenhauses darf, ganz dringende Fälle ausgenommen, nur in den
frühen Morgen- und späten Abendstunden und nur auf dem kürzeften Wege unter
thunlichster Vermeidung der Hauptstraße stattfinden. Jnnerhalb des Stadtgebietes
ist nur den nächsten Angehörigen die Begleitung der Leiche gestattet.

Von auswärts hierhergebrachte Leichen sind dirckt ohne Begleitung der Leid-
tragenden in den Friedhof oder in eine der Leichenhallen zu verbringen.

8 11. Aus besonders erheblichen Gründen und nur, wo die Wohnungsverhält-
nisse eine vollständige Jsolierung der Leiche ermöglichen, kann das Bezirksamt nach
Anhören der Friedhof-Kommission gestatten, daß eine Leiche über 24 Stunden im
Sterbehaus verbleibt.

Die Erlaubnis ist jedensalls zu versagen, wenn der Tod infolge einer anstecken-
den Krankheit (s. 8 7 Abs. 2) eingetreten oder wenn die sofortige Verbringung der
Leiche in die Leichenhalle im sanitätspolizeilichen Jnteresse geboten ist.

Aus dem Krankenhaus dürfen Leichen erst dann abgeholt werden, wenn die
Direktion der pathologischen anatomischen Anstalt die Genehmigung schriftlich er-
teilt hat. ^

Jn keinem Fall soll die Bestattung vom ^terbehaus erfolgen.

Die Vorschriften der 88 6, 7 und 8 sind jedoch auch in dresen Ausnahmsfällen
genau zu beobachten.

8 12. Mit Leichen belegte Särge dürfen innerhalb der Stadt nur im städtischen
L eichenwagen in Begleitung von Leichenträgern überführt werden; ausgenommen
sind 'die durchgehenden Leichentransporte und diejenigen aus dem akadem. Kranken-
haus, die mit auswärtigem Fuhrwerk direkt nach auswärts erfolgen, bei welchen je-
doch nach 8 9 Abs. 2 der Verordnung vom 1. Februar 1888, falls die Ueberführung
nicht im Leichenwagen geschieht, der Sarg in einer Ueberkiste verwahrt sein muß.

8 13. Die Ueberführung einer Leiche in die Leichenhalle geschieht durch den
Leichenwagen der betreffenden Klasse.

Die Aufsicht und Begleitung übernehmen bei Erwachsenen 4, bei Kindern von
6—15 Jahren 2 Leichenträger. Leichen von Kindern unter 6 Jahren werden nur
von einer Leichenwärterin begleitet. Leichen von Kindern unter 1 Jahr können auch,
sofern nicht eme ansteckende Krankheit den Tod herbeigeführt hat, von der Leichen-
wärterin m die Leichenhalle getragen werden. Ausnahmsweise kann von den An-
gehörigen die Begleitung des Leichenordners gegen Entrichtung der hiefür vorge-
sehenen Gcbühr verlangt werden.

8 14. Während der Ueberführung darf der Sargdeckel nur lose aufliegen.

8 15. Die Anfnahme der Leiche in die Leichenhalle qeschieht auf Vorzeigen
und Abgabe des Erlaubnisscheines an den Leichenhalleaufseber.

Die Obsorge für die Lerche in der Leicherchalle ist für Alle ohne jegliche Aus-
nahme gleich und liegt ausschließlich dem Leichenhalleaufseher ob.

8 16. Für jede Leiche ift eine Zelle bestimmt. Jede Zelle muß mit einer aus-
reichenden Ventilationsvorrichtung versehen sein. Eine etwa erforderliche Desinfek-
tion wird der Leichenhalleaufseher nach Anweistmg dcs Großh. Bezirksarztes vor-
nehmen.

Jn jeder Zelle muß eine Leitung zu dem im Wächterzimmer befindlichen
elektrischen Läutewerk angebracht sein, deren Enden so an der Hand der Leiche Zu
befestigen sind, daß bei der gerinasten Veränderung der Lage das Läutewerk in Be-
wegung gesetzt wird.

Der Sarg bleibt bis eine Stunde vor der Beerdigung offen, vorausgesetzt, daß
nicht eine ansteckende Krankheit die Todesursache war oder starke Spuren eintre-
tender Zersetzung sich zeigeu, in welchen Fallen der Sarg sofort nach der zweiten
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