Adressbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim für das Jahr 1904 — Heidelberg, 1904

Seite: Anhang_010
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/AdressbuchHD1904/0467
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
10

8 3. SchlachtviehLransporte, welche mit der Eisenbahn hier eintreffen, dürfen,
insoweit ganze Wagenladungen in Frage kommen, im Sommerhalbjahr in der Zeit
von morgens 6 Uhr bis abends 8^/2 Uhr und im Winterhalbjahr von morgens 7 Uhr
bis abends 7 Uhr nur auf dem Gelünde des stüdtischen Schlacht- und Viehhoses, ein-
zeln per Bahn eintreffende Schlachttiere auch am Hauptbahnhof ausgeladen werden.

Wegen des Transports von Vieh durch die Straßen der Stadt vgl. 56 ff.
Städt. Straßenpolizeiordnung vom 1. Juni 1902, M 3 und 6 der Verkehrs- und
Betriebsordnung für die elektrische Straßenbahn vom 7. März 1903. Zum Straßen-
transport von Großvieh, welches aus irgend einem Grnnde nicht getrieben werden
kann oder darf, ist der im Schlachlhof auf'gestellte Transportwagen zu verwenden.

A 4. Auf Milchnahrung angewiesene Tiere, also Kälber, LÜmmer und Kitzlein,
müssen unbedingt am Tage des Einbringens in den Schlachthof auch geschlachtet
werden.

Unterbleibt dies von Seiten der Eigentümer, so wird die Schlachtung von der
Verwaltung auf Kosten der Besitzer angeordnet.

Ueber 12 Stunden eingestellte Tiere werden aufKosten der Eigentümer
gefüttert.

Die Verwaltung ist befugt, in besonderen Fällen Nachsicht in Bezug auf die
vorstehenden Bestimmungen eintreten zu laffen.

^ 5. Der Schlachthof ist geöffnet:

1. An Sonn- und gesetzlichen Feiertagen zum Abholen und Rückbringen von
Fleisch in der Zeit vom 1. April bis 1. Oktober von 5 bis 8 Uhr morgens ung
11 b'.s 1 Uhr mittags;

in der Zeit vom l. Oktober bis 1. April von 6 bis 8 Uhr morgens.

Als gesetzliche Feiertage gelten der erste und zweite Weihnachtsfeiertag, Neu-
jahr, Charfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Fronleich-
namstag.

2. Än Werktagen:

a) Zum Abholen und Rückbringen von Fleisch in der Zeit vom 1. April bis
1. Oktober von 5 Uhr morgens bis 7 Uhr abends;

in der Zeit vom 1. Oktober bis 1. April von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends.

b) zum Schlachten von Tieren in der Zeit vom 1. April bis 1. Oktober von
7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends;

in der Zeit vom 1. Oktober bis U April von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends.

Das Kühlhaus bleibt täglich von 8—11 Uhr morgens geschlossen.

Ausnahmsweise wird das Küblhaus und der Salzkeller gegen die festgesetzte
Gebühr, jedoch nur in Notfällen zum Abholen, nicht aber zum Einbringen oon
Fleisch, geöffnet.

Ieweils eine Stunde vor Schluß darf keine Schlachtnng von Großvieh und
jeweils eine halbe Stunde vor Schluß keine Schlachtung von 5kleinvieh mehr in
Angriff genommen werden.

H 6. Die nack dem Tarif betreffend die Benützung des städtischen Schlacht-
und Viehhofs uud seiner Einrichtungen zu entrichtenden Gebühren sowie die Ver-
Lrauchssteuern sind an der Kasfe zu entrichten, bevor die Tiere aus den Stallungen
entfernt oder zum Zwecke der Schlachtung in die Schlachthallen verbracht werden.

Die Stnnden, während welcher die Kasse geöffnet ist, werden vom Stadtrat fest-
gesetzt. Können die Gebühren und Verbrauchssteuern, weil die Kasse gerade geschlossen
ist, nicht vor der ^chlachtung entrichtet werden, so ist das Schlachten von Kleinvieh
auch dann zuläisig, wenn wenigstens von der beabsichtigten Schlachtnng vorher der
Verwaltung bezw. einem von derselben mit ihrer Vertretung beauftragten Bediensteten
Mitteilung gemacht wird und die für solche Fälle gegebenen besonderen Anordnungen
befolgt werden. Doch dürfen die geschlachteten Tiere erst dann vonr Schlachtorte ent-
fernt werdcn, wenn die Gebühren und Verbrauchssteuern erlegt sind.

H 7. Iedes Tier ist beim Einbringen alsbald zur Lebendbeschau anzumelden
und da unterznbringen, wo es von der Verwaltung bezw. dem dienntuenden Be-
diensteten für zweckmäßig erachtet wird. Erweist sich ein Tier als zur Zeit nicht
jchlachtfähig, weil dasselbe erhiyt, ermüdet, krank oder schlecht genäbrt ist, so ist es
in besonders hierzu bestiinmten Räumlichkeiten unterznbringen. Tiere, welche kein
bankwürdiges Fleisch liefern, werden der Freibank überwiesen.
loading ...