Adressbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim für das Jahr 1904 — Heidelberg, 1904

Seite: Anhang_169
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Behufs Verhinderung des Eindringens von Wasser ist das Gewölbe mit As-
phalt abzudecken.

Der Boden der Gruft ist aus Cementbeton von 20 em Stärke herzustellen und
ebenfalls mit einer Lage Asphalt abzudecken.

Das Gewolbe, sowie die Umfassungswände des Jnnern sind mit 2em starkem
Verputz von Cement zu versehen.

Der Verschluß der Gruft hat mittelst einer 12 em starken Steinplatte, welche
in einer Umrahmung mit Falz liegt, zu geschehen. Diese Steinplatte ist mit zwei
eisernen Ringen zu versehen und nach jeder Beisetzung wieder gut in Cement zu
verleaen.

2. Gruften müssen nach jeder Beisetzung einer Leiche wieder vollständig dicht
verschlossen und dürfen nur zur Beisetzung einer weiteren Leiche wieder geöffnet
werden.

3. Bei jeder Wiedereröffnung einer Gruft ist eine Reinigung und Desinfizie-
rung der Luft nach Anleitung oes Bezirksarztes vorzunehmen, ehe sich jemand
hinein begiebt; zu diesem Zweck ist vorher stets rechtzeitige Anzeige an das Groß-
herzogliche Bezirksamt zu machen.

4. Jn Gruften dürfen Leichen nur in luftdicht verschlossenen eisernen Ueber-
särgen eingesetzt werden.

5. Dunströhren oder sonstige Ventilationsvorrichtungen dürfen an Gruften
nicht angebracht sein.

6. Jst eine Gruft zur normalen Beerdigungszeit einer Leiche noch nicht fertig-
gestellt, so darf die Leiche vorerst in dem Leichenhaus, jedoch nur in dem vorge-
schriebenen eisernen Sarg aufbewahrt werden.

Diese Aufbewahrung darf aber die Frist von vier Wochen nicht übersteiaen.

Eine Wiedereröffnung des eisernen Sarges nach Aufnahme der Leiche oarf nicht
stattfinden.

Z 33. Die Errichtung von Grabdenkmalen samt Jnschriften, sowie Grabein-
fassungen, welch letztere aus Stein oder Metall hergestellt sein müssen, bedarf der
Genehmigung der Friedhof-Kommission. Zu dem Zweck ist derselben vor dem Setzen
eines Grabsteins Zeichnung, Maß nebst Buchstaben, Nummer des Grabes und Jn-
schrift des Steines einzureichen.

Die Grabdenkmale auf Familiengräbern müssen fnndamentiert sein; sie sind auf
die Grabstätte zu setzen, und muß das Fundament derselben mindestens 1,50 m unter
und 0,30 m über der Bodenfläche in Cement hergestellt werden.

Jst das Grabdenkmal von solcher Größe, daß dasselbe auf Pfeiler gesetzt werden
nruß, so sind diese mit eisernen Schienen von genügender Stärke und mit Platren zu
überdecken: in Einzelgräbern sind stets solche Hohlpfeiler zu errichten, während in
Doppelgräbern ein Vollpfeiler zwischen die Gräber zu stellen ist.

Grabeinfassungen von kleinen unbehauenen Steinen bedürfen einer Funda-
mentierung nicht; für solche aus behauenen Steinen oder Metall sind die Fundamente
0,60 m tief aus Backsteinen mit Cementmörtel oder aus Cementbeton herzustellen; die
Steine der Einfassung dürfen, sofern nicht für diese außer der Grabfläche ein weiterer
Geländestreifen erworben wurde, die Dicke von 15 em nicht überschreiten und müssen
gut verklammert sein.

Sämtliche Fundamentarbeiten werden durch den Friedhofaufseher angeordnet.

Grabsteine sind in der Regel auf Rollwagen an ihren Bestimmungsort zu ver-
bringen; bei Steinen, welche über 500 IcZ schwer sind, ist auch die Benützung eines
bespannten Wagens gestattet.

Jn jedem Fall ist der Unternehmer für jede Veschädigung in dem Friedhof
haftbar.

8 34. Die Familiengräber sowie deren Denkmale, Einfassungen und Anpflan-
zungen müssen von den Angehörigen in gutem Stand gehalten werden.

8 35. Blumen oder Kränze dürfen auf allen Gräbern niedergelegt werden, sind
jedoch von dem Friedhof zu entfernen, sobald sie in Zersetzung übergehen und dadurch
einen unangenehmen Anblick gewähren.

Von den allgemeinen Leichenfeldern entfernt diese Reste der Friedhofaufseher,
während die Jnhaber von Familiengräbern gehalten sind, sie entfernen zu lassen;
geschieht letzteres nicht rechtzeitig, so ersolgt die Abräumung durch den Friedhofaufseher
auf Kosten der Jnhaber.
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