Adressbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim für das Jahr 1905 — Heidelberg, 1905

Seite: Anhang_134
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aber ein solcher iin Gebiete des deutschen Reichs nicht stattgefunden hat, von der
Polizeibehörde des von ihnr zuerst erwählten deutschen Arbeitsortes kosten- und
stempelfrei ausgestellt. Die Ausstellung erfolgt auf Antrag oder mit Zustimmung
des Vaters oder Vormnndes; ist die Erklärung des Vaters nicht zu beschaffen, oder
verweigert der Vater die Zustimmung ohne genügenden Grund und zum Nachteile
des Arbeiters, so kann die Gemeindebehörde die Zustimmung desselben ergänzen.
Vor der Ausstellung ist nachzuweisen, daß der Arbeiter zum Besuche der'Volks-
schule nicht mehr verpflichtet ist, und glaubhaft zu machen, daß bisher ein Arbeits-
buch fttr ihn noch nicht ausgestellt war.

Z 111. Bei dem Emtritte des Arbeiters in das Arbeitsverhaltnis hat der Ar-
beitgeber an der dafür bestimmten Stelle des Arbeitsbuches die Zeit des Eintrittes
und die Art der Beschäftigung, am Ende des Arbeitsverhältnisses die Zeit des Aus-
trittes und, wenn die Beschäftigung Aenderungen erfahren hat, die Art der letzten Be-
schäftigung des Arbeiters einzutragen.

Die Eintragungen sind mit Tinte zn bewirken und von dem Arbeitgeber zu
unterzeichnen. Sie 'dttrfen nicht mit einem Merkmale versehen sein, welches den Jn-
haber des Arbeitsbuches günstig oder nachteilig zu kennzeichnen bezweckt.

Die Eintragung eines Urteils über die Führung oder die Leistungen des Arbeiters
und sonstige durch dieses Gesetz nicht vorgesehene Eintragungen oder Vermerke in oder
an dem Arbeitsbuche sind unzulässig.

Z 113. Beim Abgange können die Arbeiter ein Zeugnis über die Art und Dauer
ihrer Beschäftigung fordern. Dieses Zeugnis ist auf Verlangen der Arbeiter auch auf
ihre Führung auszudehnen.

8 114. Auf Antrag des Arbeiters hat die Ortspolizeibehörde die Eintragung in
das Arbeitsbuch und das dem Arbeiter etwa ausgestellte Zeugnis kosten- und stempel-
frei zu beglaubigen.

§ 115. Die Gewerbetreibenden sind verpflichtet, die Löhne ihrer Arbeiter bar in
Reichswährung auszuzahlen.

Sie dürfen denselben keine Waren kreditieren. Die Verabfolgung von Lebens-
mitteln an die Arbeiter fällt, sofern sie zu einem die Anschaffungskosten nicht über-
steigenden Preise erfolgt, unter die vorstehende Bestimmung nicht; auch können den
Arbeitern Wohuung, Feuerung, Landnutzung, regelmäßige Beköstigung, Arzneien und
ärztliche Hilfe, sowie Werkzeuge und Stoffe zu den ihnen übertragenen Arbeiten unter
Anrechnung bei der Lohnzahlung verabfolgt werden.

8 115 a. Lohn- und Abschlagszahlungen dürfen in Gast- und Schankwirt-
schaften oder Verkaufsstellen nicht ohne Genehmigung der unteren Verwaltungs-
behörde erfolgen; sie dürfen an Dritte nicht erfolgen auf Grund von Rechts-
geschäften oder Urkunden über Nechtsgeschäfte, welche nach 8 2 des Gesetzes, be-
treffend die Beschlagnahme des Arbeits- oder Dienstlohnes, vom 21. Juni 1869
(Bundes-Gesetzbl. S. 242) rechtlich unwirksam sind.

II. Berchältnisse der Gesellen nnd Gehilfen.

Z 121. Gesellen und Gehilfen sind verpflichtet, den Anordnungen der Arbeit-
geber in Beziehung auf die ihnen übertragenen Arbeiten und auf die häuslichen
Einrichtungen Folge zu leisten; zu häuslichen Arbeiten sind sie nicht verbunden.

8 122. Das Arbeitsverhältnis zwischen den Gesellen oder Gehilfen und ihren
Arbeitgebern kann, wenrr nicht ein anderes verabredet ist, durch eine jedem Teile
freistehende, vierzehn Tage vorher erklärte Aufkündigung gelöst werden.

Werden andere Aufkiindigungsfristen vereinbart, so müssen sie für beide Teile
gleich sein. Vereinbarungen, welche dieser Bestimmung zuwiderlaufen, sind nichtig.

8 123. Vor Ablauf der vertragsmäßigen Zeit und ohne Aufkündignng können
Gesellen und Gehilfen entlassen werden:

1. Wenn sie bei Abschluß des Arbeitsvertrages den Arbeitgeber durch Vorzeigung
falscher oder verfälschter Arbeitsbücher oder Zeugnisse hintergangen oder ihn
über das Bestehen eines anderen, sie gleichzeitig verpflichtenden Arbeitsver-
hältnisses in einen Jrrtum versetzt haben;
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