Adressbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim für das Jahr 1905 — Heidelberg, 1905

Seite: Anhang_167
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Die Gemeindekrankenversicherung gewährt den Dienstboten und Volon-
tären nur Anspruch auf freie ärztliche Behandlung, freie Arznei oder freie Ver-
pflegung im akademischen Krankenhause.

Das Recht zum Beitritt zur Ortskrankenkasse steht nach 8 5 des
Kassenstatms neben anderen Personenklassen, besonders den in der sogen. Haus-
industrie thätigen Personen sowie auch den Befitzern von Gewerbebetrieben
und Handlungsgeschäften, zu, deren nicht reduzierter Einkommensteueranschlag
2000 Mark nicht übersteigt.

3) Pflichten der Arbeitgeber (Dienstherrschaften) und Folgen
etwaiger Versäumnis derselben.

a. Der 8 49 des Krankenversicherungsgesetzes bestimmt:

„Die Arbeitgeber haben jede von ihnen beschäftigte versicherungspflichtige Per-
son, welche weder einer Betriebs-(Fabrik)-Krankenkasse (tz 59), Bau-Krankenkasse
(8 69), Jnnungs-Krankenkasse (8 73), Knappschaftskasse (8 ?4) angehört, noch ge-
mäß 8 75 von der Verpflichtung, der Gemeinde-Krankenversicherung oder einer Orts-
Krankenkasse anzugehören, befreit ist, spätestens am dritten Tage nach Beginn der
Beschäftigung anzumelden und spätestens am dritten Tage nach Beendigung der-
selben wieder abzumelden.

Veränderungen, durch welche während der Dauer der Beschäftigung die Ver-
sicherungspflicht für solche Personen begründet wird, die der Versicherungspflicht auf
Grund ihrer Beschäftigung bisher nicht unterlagen, sind spätestens am dritten Tage
nach ihrem Eintritt gleichfatts anznmelden."

Bei vorsätzlicher oder fahrlässiger Bersäumung dcr Llnmeldung ist der
Ardeitgeber nach 8 50 des Gesetzes verpflichlet, der Ortskrankenkasse oder der Ge-
meindekrankenversicherung alle Anfwendnngen zu erstatten, welche dieselben auf
Grund gesetzlicher oder statutarischer Vorschrift in einem vor der Anmeldung durch die
nicht angemeldete Person veranlaßten Unterstützungsfalle gemacht haben. Außerdem
trifft den Säumigen nach 8 81 des Gesetzes eine Geldstrafe bis zu 20Mark.

Die Meldestelle besindet sich für die Ortskrankenkasse sowie für die
Gemeindekrankenversicherung in der Bienenstraße 8.

d. Die 88 51—53, 53 a, 55 und 56 des Gesetzes bestimmen:

8 51. Die Beiträge zur Krankenversicherung entfallen bei versicherungspflich-
tigen Personen zu zwei Dritteln auf diese, zu einem Drittel auf ihre Arbeitgeber.
Eintrittsgelder belasten nur die Verficherten.

8 52. Die Arbeitgeber sind verpflichtet, die Beiträge und Eintrittsgelder, welche
für die von ihnen beschäftigten Personen zur Gemeinde-Krankenversichernng oder zu
einer Orts-Krankenkasse zu entrichten sind, einzuzahlen. Dte Beiträge sind an die
Gemeinde-Krankenversicherung, sofern nicht durch Gemeindebeschluß andere Zahlungs-
termine festgesetzt sind, wöchentlich im voraus, an die Orts-Krankenkaffe zu den
durch Statut festgesetzten Zahlungsterminen einzllzahlen. Das Eintrittsgeld ist mit
dem ersten fälligen Beitrag einzuzahlen. Die Beiträge sind so lange fort-
zuzahlen, bis die vorschriftsmäßige Abmeldung (8 49) erfolgt ist,
und für den betreffenden Zeitteil zurückzuerstatten, wenn die rechtzeitig abgemeldete
Person innerhalb der Zahlungsperiode aus der bisherigen Beschäftigung ausscheidet.

Wenli der Versicherte gleichzeitig in mehreren die Versicherungspflicht begrün-
denden Arbeitsverhältnissen steht, so haften die sämtlichen Arbeitgeber als Gesamt-
schuldner für die vollen Beiträge und Eintrittsgelder.

8 53. Die Versicherten sind verpflichtet, die Eintrittsgelder und Beitrüge,
letztere nach Abzug des auf den Arbeitgeber entfallenden Drittels (8 51), bei den
Lohnzahlungen sich einbebalten zu lassen. Die Arbeitgeber dürfen nur auf diesem
Wege den auf die Versicherten entfallenden Betrag wieder einziehen, Die Abzüge
für Beiträge sind auf die Lohnzahlungsperioden, auf welche sie entfallen, gleich-
mäßig zu verteilen. Diese Teilbeträge dürfen, ohne daß dadurch Meyrbelastungen
der Versicherten herbeigeführt werden, auf volle zehn Pfennig abgerundet werden.
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