Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim für das Jahr 1906 — Heidelberg, 1906

Seite: A21
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4. Wrege-Or-nung.

Ortspolizeiliche Vorschrift vom 14. September1903 aufGrund des §95 P.-St.-G.-B.

§ 1. Alle nach Schlachtgewicht erfolgenden Verwiegungen im städ-
tischen Schlachthofe werden durch vereidigte Wieger vorgenommen. Zur Ver-
wiegung dürfen nur die der Stadt gehörigen Wagen benützt werden. Bor
dem Verwiegen sind Wiegekarten zu lösen.

§ 2. Die Wiegekarten, welche die Bezeichnung Schlachtgewicht tragen,
werden doppelt ausgefertigt. Ein Exemplar erhält der Auftraggeber, das
andere wird vom Wiegemeister aufbewahrt. Jn der Wiegekarte ist anzuge-
ben, ob die Feststellung des Schlachtgewichts in warmem oder kaltem Zustand
des Fleisches erfolgte. Der Prozentsatz des Warmgewichtsabzugs (§ 4)
wird vom Wiegemeister auf der Wiegekarte vermerkt.

§ 3. Alles sogenannte Schneiden an den zu verwiegenden Teilen ist
verboten. Findet der Wiegemeister, datz an einem zu verwiegenden Tiere
mehr, als nach § 4 zulässig, abgeschnitten ist, so hat er die Verwiegung ab-
zulehnen und der Direktion des Schlacht- und Viehhofs den Sachverhalt zu
melden.

§ 4. Zum Zwecke der Ermittelung des Schlachtgewichts sind vorher
bei dem Ausschlachten vom Tiere zu trennen:

I. Bei den Rindern:

a) die Haut, jodoch so, datz kein Fleisch oder Fett an ihr verbleibt; der
Schwanz ist zwischen dem zweiten und dritten Schwanzwirbel-
knochen abzuschneiden; das sogen. Schwanzfett darf nicht entfernr
werden;

d) der Kopf zwifchen dem Hinterhauptbein und ersten Halswirbel
(im Genick) senkrecht zur Wirbelsäule fedoch ohne sedes Hals-
fleisch;

c) die Fütze im ersten (untern) Gelenk dcr Futzwurzel über dem so-
genannten Schienbein;

cl) die Organe der Brust-, Bauch- und Beckenhöhle mit den anhaften-
den Fettpolstern (Herz- und Mittelfett), die Fleisch- und Talg-
nieren, das Beckenfett und das Schlutzfett;

e) die an der Wirbelsäule und an dem vorderen Teile der Brusthöhle
gelegenen Blutgefätze mit den anhaftenden Geweben, sowie der
Luftröhre und des sehnigen Teiles des Zwerchfelles;

l) das Rückenmark;

^) der Penis (Ziemer) und die Hoden, jedoch ohne das sogen. Sack-
fett bei den männlichen Rindern; das Euter und Voreuter bei
Kühen und über die Hälfte der Zeit trächtigen Kalbinnen.

Erfolgt die Feststellung des Schlachtgewichts innerhalb drei Stunden
nach dem Schlachten, so ist 2 Prozent „Warmgewicht" in Abzug zu bringen.

II. Bei den Kälüern:

a) das Fell nebst den Fützen im erstsn (untern) Gelenk der Futz-
wurzel über dem sogenannten Schienbein;

d) der Kopf zwischen dem Hinterhauptbein und ersten Halswirbel,
^edoch ohne jedes Halsfleisch;

e) die Eingeweide dcr Brust-, Bauch- und Beckenhöhle mit Ausnahme
der Nieren;

cl) der Nabel und bei dcn männlichen Kälbern die äuheren Ge-
schlechtsorgane.

Erfolgt die Feststellung des Schlachtgewichts unmittelbar nach dem
Schlachten, längftens aber eiue Stunde nach Lemselben, so ist 2 Prozent.
mindestens aber ein Kilo für „Warmgewicht" in Abzug zu bringen.

Wird die Verwiegung im Felle, jedoch ohne Kopfteil des Felles, vor-
genommen, so tommen für Fcll- und „Warmgewicht" 12 Prozent, beim
Wiegen mit fogenanntem Kopfteil 14 Prozent in Abzuz.
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