Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim für das Jahr 1906 — Heidelberg, 1906

Seite: A47
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III. Friedyof-Ordnung.

§ 23. Der Friedhof isl die regeimäßige Begräbnisftätte aller in hiesiger
Gemeinde Verstorbenen.

Den Jsraeliten ist gestattet, Leichen von Angehörigen ihres Bekenntnisses
auf dem israelitischen 'Friedhof zu beerdigen.

Bezüglich des letzteren und der Beerdigung auf demselben finden die Be-
stimmungen dieser Leichen- und Fiäedhof-Ordnung, für die auf dem israeli-
tischen Friedhof errichtete Leichenhalle insibesondere die Bestimmungen der
§§ 11, 12, 13, 14, 15 und 16gleichmätzig Anwendung.

Zur Beerdigung auswärts Gestorbener auf dem hiesigen Friedhof ist die
Erlaubnis der Friedhof-Kommission und, tvenn der Tote nicht hiesiger Ein-
wohner beAv. das Kind eines solchen war, die Entrichtung der hierfür vor-
gefehenen besonderen Taxen erforderlich.

§ 24. Die unmittelbare AuMcht über den Friedhof führt der Friedhof-
aufseher, dessen Anordnungen auf dem Friedhof das übrige Leichenpersonal
unlbedingt Folge zu leisten hat.

§ 25. Der Friedhof ist inallgemeine Leichenfelder für Erwachsene,
die mit rümischen Zahlen, und solche für Kinder, die mit arabischen Zahlen be-
zeichnet sind, eingeteilt; die Gräber werden in Reihen, von denen jeweils die
fünfte mit der entsprechenden arqbischen Zahl zu bezeichnen ist, angelegt.

Autzerdem sind bestimmte Plätze des Friedhofs für Familienyrabstätten
vorgesehen; die Plätze sind nach römischen Buchstaben und die einzelnen
Gräber nach fortlaufenden Zahlen geordnet.

Auskunft über sümttiche Gräber sowie über alles, was den Friedhof be-
trifft, hat nur der Friedhofaufseher zu erteilen.

§ 26. Ueber die allgemeinen Leichenfelder, sowie über die Familien-
gräber führt der Friedhofaufseher getrennte Bücher, in deren ersterem die
Nummer des Leichenfeldes, die Zahl der Gräberreihe, die Nummer des
Grabes, Namen, Geschlecht und Alter des Gestorbenen, sowie Tag, Monat
und Jahr der Beerdigung angegeben ist; in dem Buch über die Familien-
gräber werden autzer den obengenannten Aufzeichnungen der Buchstabe der
Plätze und die Nummer des Grabes eingetragen.

Diese Bücher werden doppelt geführt und je ein, Exemplar auf dem
Bureau der Friedhof-Kommission, Las andere bei dem Friedhofaufseher auf-
bewahrt.

Einsicht in diese Bücher ist jederniann gestattet.

§ 27. Jedes Grab für Erwachfene mutz 2,10 Meter lang, 0,75 Meter
breit und 1,50 Meter tief, für Kinder unter 10 Jahren 1,50 Meter lang,
0,60 Meter breit und 1,00 Meter tief fein.

Zwifchen allen Gräbern mutz ein Zwischenraum von mindestens 0,30
Meter bleiben.

8 28. Unmittelbar nach der Beerdigung müssen die Gräber von dem
Totengräber ausgefüllt werden.

Die Hinterbliebenen dürfen ein Grab erst dann, wenn die Reihe, in
ivelcher das Grab liegt, und die folgende belegt sind, einfassen, bepflanzen
und mit einem Grabstein versehen; die Zeit der Vornahme diefer Aobeiten
ist dem Friedhofauffeher vorher schriftlich anzuzeigen.

8 29. Es bleibt den Hinterbliebenen anheirugestellt, die Bepflanzung
der Gräber selbft zu besorgen oder durch einen Gärtner besorgen zu lassen.

Für die Handtungen der Beauftragten, soweit sie ntcht zu strafrechtlicher
Berfolgung Veranlassung geben, bleiben die Hinterbliebenen mitverantwortlich.

Die Gräber auf den allgemeinen Leict)enfeldern dürfen nur mit niedrigen
Blumen und Gesträuäxm, welche die Höhe von 1 Meter nicht überschreiten
und die Grundfläche des Grabes nicht überhängen, bepflanzt werden; dasselöe
gilt sür die Familiengräber iu den vorderen Neihen, in den hinteren Neihen
und wo nur cine Neihe vorhanden ist, dürfen mit Genehmigung der
oriedhof-Kommission auch höhere Pflanzen eingcsetzt werden.

Die Aupflanzung von Bäunwn oder Gesträuchen, welätc genietzbare
Früchte trageig ist untersagt, und es ist ferner untersagt, ohne schriftlich
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