Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim für das Jahr 1907 — Heidelberg, 1907

Seite: 444
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8 2.

Der Ein- unt> Auszug jedes Schlafyängers ift nach Vorfchrift !der Melde-
ordnung (Ortspolizeiliche Vorschrift bom 28. Dezember 1901) binnen 3 Tagen
anzumelden.

Autzerdem hat der Vermieter ein Verzeichnis über die von ihw beher-
bergten Schläfer zu führen, in welches die Vor- und Zunamen und die Hei-
mat der Schläfer, fowie der Tag des Einzugs und Auszugs einzutragen ift.

Der Vermieter hat für die Ev^rltung der Remlichkeit, Sitte und Ord-
nung in seinem Hause zu sorgen.

Die Schlafräume sind ausreichend zu lüften und täglich zu reinigen.

Die darin befindlichen Betten und anderen AuAstattungsgegenstände
find stets reinlich zu erhalten und bei Bedarf zu erneuern.

§ 4.

Bei Aufnahme von Schlafgängern muß dem Vermieter für sich und seine
Familien- und Haus'haltungsangehörigen eine genügend grotze Wohnung, so-
wie die Möglichteit der Trennung -er für diefe beftimmten Schlafräume nach
Geschlechtern und für jedes der Angehörigen über 12 Jahren, bezw. für zwei
folcher Angehörigen unter 12 Jahren je ein Bett zur Verfügung bleiben.

Küchen, Arbeitsräume, Werkstätten und dergl. dürfen nicht als Schlaf-
räume bermietet werden.

8 5.

Der Vermieter oder Angehörige desselben dürfen nicht mit Schlafgän-
gern im gleichen Zimmer fchlafen, Ausnahmen sind mit besonderer Geneh-
migung der Ortspolizeibehörde hinsichtlich evwachsener Personen zulässig.

8 6.

Räume, zu welchen man durch Woihn-, Schlaf-, Arbeitsräume oder Kü-
chen des Vermieters oder seiner Angehörigen gelangen kann, dürfen nicht an
Schlafgänger vermietet werden.

8

Das Vermieten von Schlafstellen an Personen beiderlei Geschlechts,
außer an Eheleuten oder Eltern und Kindern unter 10 Jähren, ist nicht ge-
stattet.

8 8-

Die als Schlafstellen vermietetcn Räume müssen gedielt und heizbar sem
und unmittelbar ins Freie führende, zum Oeffnen eingerichtete, stehende Fen-
ster, mit einer lichtgebenden Gesamtfläche von (mindestens) von 1/10 der Bv-
denfläche besitzen.

Auf den Kopf der in einem Raum übernachtenden Personen inutz eine
Bodenfläche von 4 Quadratmeter und ein Luftraum von mindestens 10 Kubit-
meter entfallen.

8 9.

Die Schlafräume müssen von innen verfchließbar und die an Schlafgän-
gerinnen vermieteten Räume autzerdem innen mit Türriegeln versehen fein.

§ 10.

Jedem Schlafgänger ist cin besonderes Bett, eine Sitzgelcgenheit, ein be-
sondercs Wasch- und Trinkgefätz und ein eigenes Handtuch zur Bersügung zu
stellen.

Jn jedem Schlafraum muß ein mit Wasser gefüllter Spucknapf stehen,
der jeden Morgen zu entleeren, zu reinigen und frisch mit Wafser zu füllen ist.

8

Den Schlafgängern ist — sofern ihncn nicht ein bcsonderer Abort zur
Verfügung stchi — dic Bcnützung der Aborträumc des Vermieters zu ge-
ftatten.

8 12.

^ 'Dcn Schlafgängern ist zu gestaitcn, sich aucb nach dcr Arbeitsstundc in dcm
Schlafraum aufzuhalten.
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