Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim für das Jahr 1907 — Heidelberg, 1907

Seite: 518
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§ 2. Arbeiten in Bergwerken, Fabriken, Werkstät-
ten, bei Bauten und bergleichen. Oeffentliche Arbeiten irn Be-
triebe von Bergwerken, Salinen, Ausbereitungsanftalten, Brüchen und Gru-
ben, von Hüttenwerken, Fabriken und Werkstätten, von Zimmerplätzen und
anderen Vauhöfen, von Werften und Ziegeleien, fowie bei Bauten aller Art
sind ausnahmsweise auch an Sonntagen und gebotenen Festtagen in folgen-
den FÜllen zulässig:

1. Soweit die Befchäftigung von Arbeitern an Sonn- und Festtagen nach
§ 105 d Abs. 1 der Gewerbe-Ordnung gestattet ist;

2. wenn die Arbeiten den in § 105 e Abs. 1 Ziff. 3 bis 5 der Gewerbe-
Ordnung bezeichneten Zwecken dienen, oder

3. wenn sie zu densenigen Arbeiten gehören, bei welchen gemätz § 105 ck
bis 105 t der Gewerbeordnung durch Beschlust des Bundesrats oder durch
Verfügung der höheren oder unteren Verwaltungsbehörde die Beschäftigung
von Arbeitern an Sonn- und Feiertagen zugelassen ist.

Jedoch darf durch die Vornahme solcher Arbeiten eine Störung des
Gottesdienstes oder anderer religiöser Feierlichkeiten einer christlichen Kon-
fefsion nicht herbeigeführt werden.

§3. ArbeitenimHandelsgewerbe. Unter das Verbot der
öffentlichen Arbeiten im Handelsgewerbe (8 1 Ziff. 1 dieser Verordnung)
fällt außer dem nach § 41 a der Gewerbe-Ordnung untersagten Gewerbebe-
tviebe in offenen Verkaufsstellen und dem nach 8 55 a der Gewerbe-Ordnung
verbotenen Wandergewerbebetriebe (8 55 Abs. 1 Ziff. 1 bis 3 der Gewerbe-
Ordnung) und dem am Wohn- und Niederlassungsorte auf öffentlichen We-
gen, Stratzen, Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten oder von Haus zu
Haus stattfindenden Gewerbebetriebe (§ 42 5 der Gewerbe-Ordnung, ambu-
lantes Gewerbe):

1. Die Abhaltung von Messen und Märkten; jedoch kann das Bezirks-
amt für Sonntage und gebotene Festtage die Abhaltung einer Messe, eines
Jahr- oder Spezialmarktes vom Schlusse des vormittägigen Hauptgottes-
dienstes an gestatten;

2. die Vornahme von öffentlichen Versteigerungen und Verpachtungen.

3. Das öffentliche Auslegen und Aushängen von Waren an Verkaufsstellen,
so lange der Gewerbebetrieb in denselben nach 8 41a der Gew.-Ordg. untersagt
ist und außerdem auch während des vormittägigen Hauptgottesdienstes.

Ausnahmsweise sind an Sonntagen und gebotenen Festtagen nachstehende
öffentliche Arbeiten und Verrichtungen im Handelsgewerbe gestattet:

a) während des ganzen Tages der Verkauf von Arzneimitteln in Apo-
theken;

d) frühestens vom Schlusse des vormittägigen Hauptgottesdienstes an
das nach 8 55 a der Gewerbe-Ordnung durch die untere Verwaltungsbehörde
zugelasfene Feilbieten und Ankaufen von Gegenständen, insbesondere von
Obst und anderen Eszwaren, auf offentlichen Wegen, Stratzen und Plätzen
oder an anderen öfsentlichen Orten und von Haus zu Haus;

c) bei der Durchfahrt von Zügen das Feilbieten frischer Lebensmittel
auf den Eisenbahnstationen;

ä) das öffentliche Arbeiten in denjenigen Handelsgewerben, deren voll-
ständige oder teilweise Ausübung an Sonn- und Festtagen zur Befriedigung
täglicher oder an diesen Tagen besonders be^vortretender Bedürfnisse der
Bevölkerung ersorderlich ist (8 105 e Abs. 1 der Gewerbe-Ordnung), insbe-
sondere das Herumtragen der betreffenden Lebensbedürfnisse iii die Häuser
der Kunden, währeud derjenigen Stunden der Sonntage rmd gebotenen Fest-
tage für welche nach 8 105 e Abs. 1 der Gewerbe-Ordnung Ausnahmen voin
Verbote der Beschäftigung von Gehilfen, Lebrlingen und Arbcitern zuge-
lassen sind.
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