Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim für das Jahr 1908 — Heidelberg, 1908

Seite: 552
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6. Die den Arbeitern zu gewährende Nuhe soll mindestens dauern:

sür einzelne Sonn- und Festtage 24 Stunden,

für zwei aufeinander folgende Sonn- und Festtage 36 Stunden,

für das Weihnachts-, Ofter- und Pfingstfest 48 Stunden.

Diese Ruhezeiten müssen auch in solchen Betrieden, die an Werktagen
ununterbrochen mit regelmäßiger Tag- und Nachtschicht arbeiten, gewährt
werden, soweit nicht etwa für diese Betriebe gemätz § 105 e bis e Ausnahmen
von dem Verbot der Sonntagsarbeit Platz greifen. Während aber in Be-
trieben, die nur bei Tage oder in unregelmätzigen Schichten zu arbeiten
pflegen, die Ruhezeit stets von 12 Uhr nachts an gerechnet werden soll, kanu
in Betrieben mit regelmäßiger Tag- und Nachtschicht die Ruhezeit schon
frühestens um 6 Uhr abends des vorhergehenden Werktags und spätestens erst
um 6 Uhr morgens des Sonn- und Festtags lbeginnen, Wenn für die auf den
Beginn der Ruhezeit folgenden 24 Stunden der Betrieb ruht.

Für alle Fälle gilt die Vorschrift, daß die Nuhezeit an zwei aufeinander
folgenden Sonn- und Festtagen stets bis 6 Uhr abends des zweiten Tages
dauern mutz. Demnach beträgt die Ruhezeit in Betrieben, die keine regel-
mäßigen Tag- und Nachtschichten haben, nicht nur 36, sondern mindestens
42 Stunden (von der Mitternachtsstunde vor dem ersten Tag bis 6 Uhr
abends des zweiten Tags).

7. Jugendliche Arbeiter dürfen in Fabriken und den in §8 154 Abs. 2
und 154 u bezeichneten gewevblichen Anlagen an Sonn- und Festtagen über-
haupt nicht beschäftigt werden. (8 136 Absatz 3 der Gewerbeordnung, vergl.
auch unten zu 6 4.)

8. Während im Handelsgewerbe, soweit es in offenen Verkaufsstellen
betrieben wird, auch die Sonntagsarbeit der Arbeitgeber Beschränkungen
unterliegt (8 41 a), ist in den hier in Rede stehenden Gewerben den Arbeit-
gebern und selbständigen Gewevbetreibenden die Sonntagsarbeit durch die
Vorschriften der Gewerbeordnung nicht verwehrt.

Jndessen haben die Arbeitgeber und selbständigen Gewerbetreibenden die
Vorschriften des 8 4 der Landesherrlichen Verordnung vom 18. Juni 1892,
die weltliche Feier der >^onn- uud Festtage betr. (Ges.- u. V.-O.-Bl. S. 287),
zu beobachten.

Auch insoweit an Sonn- und Festtagen eine Beschäftigung von Arbeiteru
zulässig ist, darf durch die Vornahme solck)er Arbeiten eine Störung deS
Gottesdienstes oder anderer religiöser Feierlichkeiten einer christlichen Kon-
fession nicht herbeigeführt werden (82 Absatz 2 der angesührten Verord-
nung).

Ausnahmen von den gesetzlichen B e st i m m u n g e n.

1. Ausnahinen von dem Verbot der Sonntagsarbeit treten ein:

n) kraft gesetzlicher Vorschrift (8 105 c),

d) kraft der vom Bundesrat auf Grund des 8 105 ck erlassenen Vor-
schriften,

c) kraft der von der höheren Verwaltungsbehörde auf Grund des 8 105 e
getroffenen Bestinnnungen,

ck) kraft der von der unteren Verwaltungsbehörde auf Grund des 8 105 t
erteilten besonderen Erlaubnis.

2. Swveit in Fabrikeu und deu in 88 154 Absatz 2 und 154 a der Ge-
werbeordnuug bezeichueteu gewerblichen Änlagen Ausnahmen von dein V'r-
bot der Sountagsarbeit Platz greifen, sind in diesen 'Betrieben bei der Be-
schäftigung vou Arlieiteriuueu autzer deu allgeineinen Bedingungen, an
welche die Zulassuug der Souutagsarbeit geknüpft ist, auch uoch die Vor-
schrifteu des 8 137 uud die auf Gruud der 88 139 uud 139 u erlasseneu Be-
stüumungeu zu lxachten.

3. Da iu deu uuter 2 bezeichueteu Betriebeu die Beschäftigung jugend-
licher Arbeiter au Souu- uud Festtageu im Allgemeiueu verboteu ilt, uud
Aui'uuluu.eu vou diesem Verbot uur auf Gruud der 88 139 uud 139 a zu-
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