Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim für das Jahr 1908 — Heidelberg, 1908

Seite: 563
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Ausgenommen von dem Verbote des H 1 Ziff. 1 dieser Verordnung sind
-ie infolge der Witterungsverhältnisse unverschieblichen Arbeiten der Ernte
und der Weinlese. Auch kann die Ortspolizeibehörde für sonstige unver-
schiebliche Arbeiten in der Land- und ForstMirtschaft Nachsicht erteilen, wenn
die Notwendigkeit der Sonntagsarbeit nicht von dem Unternehmer absichtlich
herbeigeführt oder durch Fahrlässigkeit verschuldet ist.

Unter das Verbot des tz 1 Ziff. 1 dieser Verordnung fällt stets das Ab-
halten von Treib- und ähnlichen Jagden.

Für unverschirbliche Arbeitcn im Fischcreibetriebe können Ausnahmen von
dem Verbote des § 131 dieser Vcrordnnng durch das Ministerium des Jnnern
gestattet werden.

§6. VerkehrinWirtschaften. Jn Gast- und Schankwirt-
schaften dürfen an den in 8 1 Ziff. 1 dieser Verordnung bezeichneten Tagen
vor Schlutz des vormittägigen Hauptgottesdienstes und während des Nach-
mittagsgottesdienstes keine geräuschvollen Belustigungen und kein lärmendes
Zechen und Spielen stattsinden. Durch ortspolizeiliche Vorschrist*) kann an diesen
Tagen der Wirtschaftsbetrieb in öffentlichen Wirtschaftsräumen vor dem Schlusse
des vormittägigen Hauptgottesdienstes untersagt werden.

H 7. Aufzüge, Musikaufführungcn, Schau- und Darstellungen
und sonstige Lustbarkeiten. Tie Veranstaltung von öffentlichen Aufzügen,
Musikaufsührstngen, Gesangs- und deklamatorischen Vortragen, Schaustellungen,
theatralischen Vorstellungen oder sonstigen Lustvarkeitcn ist für die Dauer deS
vormittägigeu Gottcsdienstcs an den in H 1 Abs. 1 Ziff. 1 dieser Verordnung be-
zeichneten Sonn- und Festtagen untersagt.

Am Ehristtage, Palmsonntage nnd den übrigen Tagen der Charwoche, am
Oster- und Pfingstsonntage, ferner in Gemcinden, in welchen die katholische Kon-
fession Pfarrrechtc hat, am Fronleichnamstage nnd in Gemeinden, in welchen die
evangelische Konsession Pfarrrechte bat, an dcm Sonntage, auf welchen der Buß-
und Bettag fällt, erstreckt sich das Verbot auf den ganzen Tag.

Jedoch dürfcn von drei Uhr nachmittags am Christtage, Oster-, Pfingst-
sonntage, sowie am Fronleichnabmstage Musikaufführungen, sowie Theatervor-
stellungen, an den drei letzten Tagcn der Charwoche Auffuhrungen ernster Musik
und an den vier crsten Tagen der Charwoche, sowie am Buß- und Bettage
außer Aufführungen ernster Musik aucb Thcatervorstellungen crnsten JnhaltS
stattfinden, vorbehaltlich der nach § 63 P.-St -G.-B. der Polizeibehörde zustehenden
Untersagungsbefugnis.

§ 8. Bekanntmachung der Zeit desGottesdienstcs. Die
Zeit des vormittägigen Hauptgottesdieustes beziehungstveise (8 6) auch des
Nach-mittagsgottesdienftes, für Ivelch-e obige Verbote Platz greifen, wird uuter
Berücksichtiguug der vou den kirchlick^en Organen getroffenen Bestimmung
durch die Ortspolizeibehörde bekannt gemacht.

8 9. Schlutzbestim m u n g. Diese Verordnung tritt am 1. Juli
1892 in Krast, für die in 8 2 bezeichneten Betriebe jedoch erst von dem spä-
teren Zeitpunkte an, anf welchen für diese Betriebe die Bestiinmungen der
88 105a ff. der Gewerbe-Ordnung durch Kaiserl. Verordnung (Art. 9 Abs.
1 des Gesetzes vom 1. Jnni 1891, betreffend Abänderung der Gewerbe-Ord-
nung, Neichsgescyblatt Seite 261) in Kraft gesetzt werden.

Von dieser Zeit treten die Verordnnngen voin 28. Januar 1869 und 20.
Nobeinlx.'r 1879, die weltliche Feier der Sonn- nnd Festtage betreffend, antzer
Wirksamkeit.

) Siehe Mitsch, Orts und Bezirkspol Vorscinisnn Seiie 226.
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