Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim für das Jahr 1908 — Heidelberg, 1908

Seite: 573
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Jahre dürfen nicht zur Nuchtzeit (8 Uhr abends bis 8 Uhr morgens) und
nicht vor dem Vormittagsunterricht und in der auf den Nachmittagsunter-
richt folgenden Stunde, nicht länger als 3 Stunden (während der Ferien 4
Stunden) beschäftigt werden; es ist eine mindestens zweistündige Mittags-
pause zu gewähren.

4. Jm Betriebe von Gast- und Schankwirtschaften dürfen Kinder unter
12 Jahren überhaupt nicht, Mädchen — also Mädchen unter 13 Jahren und
noch volksschulpflichtige Mädchen über 13 Jahren — nicht bei der Bedienung
der Gäste beschäftigt werden. Es ist also insbesondere auch das Kegelauf-
setzen durch Knaben unter 12 Jahren, auch für geschlossene Gesellschaften,
unzulässig.

Für die zulässige Kinderarbeit gelten die unter 3. ausgeführten Grenzen.

5. Dieselben Beschränkungen (Ziffer 3) gelten für die Beichäftigung
von Kindern über 12 Jahren beim Austragen von Waren und bei sonstigen
Botengängen in allen gewerblichen Betrieben (einschlietzlich der unter Ziff. 1
genannten, wo eine andere Kinderarbeit verboten ist). Beschäftigung von
Kindern unter 12 Jahren ist verboten. Für die ersten 2 Jahre nach dem
Jnkrafttreten des Gesetzes kann das Bezirksamt die Beschästigung von
Kindern über 12 Jahren beim Austragen von Waren und bei sonstigen
Botengängen bereits von 614 Uhr morgens ab und vor dem Vormittags-
unterricht gestatten. Die Beschäftigung vor dem Vormittagsunterricht darf
nicht länger als eine Stunde dauern. Von dieser Zulassung wird jedoch nur
für solche Orte und für solche Gewerbezweige Gebrauch gemacht, in denen
schon bisher die Frühbeschäftigung von Kindern mit dem Austragen von
Brot und bei sonstigen Botengängerr üblich war.

6. An Sonn- und Festtagen dürfen fremde Kinder überhaupt nicht be-
schäftigt werden. Ausnahmen sind zugelassen, wie folgt:

o) Jn ösfentlichen theatralischen Vorftellungen und sonstigen öffentlichen
Schaustellungen dürfen Kinder beschäftigt werden, wenn und soweit das Be-
zirksamt es gestattet hat. (S. Z. 2.)

Für die Beschäftigung von Kindern über 12 Jahren beim Austragen
von Waren, fowie für sonstige Botengänge gelten auch an Sonn- und Fest-
tagen die Bestimmungen wie für Werktagsarbeit (s. Z. 5), doch darf die Be-
schäftigung die Dauer von 2 Stunden nicht überschreiten und sich nicht über
1 Uhr mittags crstrecken; auch darf sie nicht in der letzten halben Stunde vor
Beginn des Hauptgottesdienstes und nicht während desselben stattfinden.
Die landesrechtlichen Vorschriften über Heiligung des Sonnrags (Verord-
nung vom 18. Iuni 1892) bleiben unberührt.

V. 1. Die Bcschäftigung eigener Kcnder ist untersagt in Betrieben, in
denen gemätz H 4 des Gesetzes (s. oben IV. Z. 1) fremde Kinder nicht be-
schäftigt werden dürfcn und in den sogen. Motorwerkstätten (Werkstätten,
in dencn durch elementare Kraft — Dampf, Wasser, Gas, Elektrizitüt usw.
— bewegte Triebwerke nicht blotz vorübergehend zur Verwendung kommen).
Die Beschäftigung fremder Kinder in diesen Werkstätten ist bereits reichs-
rechtlich verboten.

2. Bei öffentlichen theatralischen Vorstellungen und ande^en öffentlichen
Schaustellungen diirfen auch eigene Kinder nicht beschäftigt werden; doch kann
das Bezirksamt bei solchen Vorstellungen und Schaustellungen, bei denen
ein höheres Interesse der Kunst oder Wisscnschaft obwaltet, Ausnahmen zu-
lasfen (s. oben IV. Z. 2).

3. Jm Betriebe von Werkstätten, in denen die Beschäftigung eigener
Kinder nicht verboten ist (s. Z. V Z. 1), im Haudelsgewerbe und im Ver-
kehrsgewerbe dürfen eigene Kinder unter 10 Iahren überhanpt nicht, eigene
Kinder über 10 Iahren nicht zur Nachtzeit (8 Uhr abende bis 8 Uhr mor-
gens), nicht bor dem Vorinittagsunterricht und am N'achmittag erst eine
^tunde nach beendetem Unterricht lx.'schäitust werden. Um BKttag ist den
Kinderu eine mmdestens 2stiindige Pause zu gewäbren.

Eigene Kinder unter 12 Iahren dürfen in der Wohnnng oder Werkstätte
einer Person, zu der sie in einem der in 3 b!bü 1 d. tW's. t'ezeichneten Ver-
hältnis stelren, für Drntte nicht beschäftigt toerden ts. oben tli. Abs. 41.
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