Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim sowie dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1909 — Heidelberg, 1909

Seite: 528
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V. Vorschriften znr Erhaltung der Reinlichkeit anf den öffentlichen Straßen.

§ 63. Verunreinigung der Straßen.

Jede Verunreinigung üer Straßen und Plätze, sowie jede Beschädigung
und Verunreinigung der an denselben gelegenen Baulichkeiten, Denkmäler
und anderer öffentlicher Vorrichtungen ist verboten.

Als Verunreinigung lvird insbesondere auch die Verrichtung der Not-
durft auf öffentlichen Stratzen und Plätzen angesehen.

Das Füttern der Pferde und sonstigen Zugtiere ist nur unter Anwen-
dung von Futtersäcken und Futterkästen gestattet.

§ 66. Transport von Schutt u. s. w.

Beim Transport, sowie beim Auf- und Abladen von Staub gebenden
Materialien ist so zu verfahren, datz die Staubentwickelung eine möglichst ge-
ringe ist.

Zur Abfuhr von Dünger und anderen Abfallstoffen, Kohlen, Asche, Sand,
Kalk, Bauschutt, Bausteinen usw. sind nur dichte Wagen und Behälter zu ver-
wenden; die Ladung darf in ihrer ganzen Ausdehnung nicht über den oberen
Rand der Wagen hervorragen, damit nicht die Stratze durch herabfallende
Teile derfelben verunreinigt wird.

Die Abfuhr von Pfuhl und flüssigem Dunggrubeninhalt darf nur in
Fässern oder in gedeckten und wasserdichten Kastenwagen erfolgen.

Zur Abfuhr von Abtrittinhalt dürfen nur wasserdichte Fässer verwendet
werden, welche durch Trichteröffnungen, die in der Mitte ihrer Tiefe mit wohl
eingefügten Trichterdeckeln 'verschlietzbar sind, zu füllen und durch gut in die
Fatzböden und die Gurgeln eingepatzte, durch Schlietzen befestigte Türchen
zu entleeren sind.

Weder Abtritt- noch Dunggrubeninhalt darf auf die Stratze geleert wer-
den; auch ist untersagt, die zur Abfuhr diencnden Wagen, seien dieselben ge-
füllt oder geleert, auf öfscntlichen Stratzen oder Plätzen der Stadt und deren
nächsten Umgebung längere Zcit stehen zu lassen, als dies zum Zwecke der
Grubenentleerung unbedingt erforderlich ist.

Die zur Dungabfuhr dienendcn Fässer und Wagen sind in deutlicher und
haltbarer Weise mit dem Namen des Eigentümers zu versehen.

Abdg.u. 8 67. Abfuhr de s Gr uben i nha lt s*).

Zul-v. i. Der Verkehr mit Kloaken- und Grubeninhalt innerhalb der Stadt,
die Reinigung von Kloaken und Abtritten und die sogleich vorzunehmende
Abfuhr ihres Jnhaltes darf, soweit dicselbe nicht von der städtischen Abfuhr-
anstalt zu besorgen ist, nicht vor nachts tl Uhr und in den Monaten April
bis Oktober nicht nach 5 Uhr, in den iibrigen Monatcn nicht nach 6 Uhr mor-
gens bewirkt werden.

2. Für den Verkehr mit trockenem Stalldünger und Pfuhlwasser inner-
halb der Stadt sind, falls die Ladung aus Mangel an Hofraum auf der
Stratze erfolgen mutz, die in Ziff. 1 festgesetzten Zeitbcstimmungen gleichsalls
matzgebend.

3. Dcnjcnigen Grundbcsitzern, welche einen geschlossenen Hofraum be-
sitzen, in dcm die Ladung geschehen kann, ist jedoch gestattet:

u. Währcud der Monate September bis 1. Juni trockenen Stalldünger
bis 12 Uhr mittags und Pfuhlwasser zu jeder Stunde des Tages,

d. Währeud dcr Mouatc Juni, Juli und August trockenen Stalldünger
und Pfuhlwasser bis morgens 8 Uhr zu laden und umherzuführen.

Bei lx'soudercn Wlttcrungsverhältnissen, z. B. bei Glatteis, kann das
Bezirksamt auf Antrag dcs Stadtrats den hicsigen Landwirten den Verkehr
mit trockcucm Stalldünger und Pfuhlwasser innerhalb der Stadt an einzelnen
Tagen auch zu andcrn als den uutcr Ziff. 2u bestimmtcn Zeiten gestatten.

Eudlich dürfen dicsclben, wcun die Dungstättcn infolge cincs Platzre-
gens überschvcmmt sein solltcn, Pfuhlwasscr zu jeder Tageszeit ohne beson-
dere Erlaubnis ausführcn.

Gilt nur sür den Teil der früheren Gemeinde Handschuhsheim südlich des Kapellenwegs.
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