Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim sowie dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1909 — Heidelberg, 1909

Seite: 581
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Rechksverhältnisse der gewerblichen Nrveiter und der Dienfibvten.

L. Gewerbliche Arbeiter.

1. Auszug aus der Gewerbeordnung.

I. Allgemeine Bestimmnngen.

(Bestimmungcn über die Sonntagsruhe vgl. oben S. 551.)

§ 107. Minderjährige Personen dürfen, soweit reichsgesetzlich nicht ein
Anderes zugelelssen ist, als Arbeiter nur beschaftigt werden, wenn sie mit
einem Arbeitsbuche versehen sind. Bei der Annahme solcher Arbeiter
hat der Arbeitgeber das Arbeitsbuch einzufordern. Er ist verpflichtet, das-
selbe zu verwahren, auf amtliches Verlangen vorzulegen und nach recht-
mäßiger Lösung des Arbeitsverhältnisses wieder auszuhändigen. Die Aus-
händigung erfolgt an den Vater oder Vorinund, sofern diese es verlangen,
oder der Arbeiter das sechszehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat, andern-
falls an den Arbeiter selbst. Mit Genehmigung der Gemeindebehörde des im
§ 108 bezeichneten Ortes kann die Aushändigung des Arbeitsbuches auch an
die Mutter oder an einerr sonstigen Angehörigen oder unmittelbar an den
Arbeiter erfolgen.

Auf Kinder, wclche zum Besuche der Volksschule verpflichtet sind, finden
vorstehende Bestimmungen keine Anwendung.

ß 108. Das Arbeitsbuch wird dem Arbeiter durch die Polizeibehörde
desjenigen Ortes, an welchem er zuletzt seinen dauernden Aufenthalt gehabt
hat, wenn aber ein solcher im Gebiete des deutschen Reichs nicht stattgefundeu
hat, von der Polizeibehörde des von ihm zuerst erwählten deutschen Arbeits-
ortes kosten- und steinpelfrei ausgestellt. Die Ausstellung erfolgt aus Antrag
oder mit Zustimmung des Baters oder Vormundes; ist die Erklärung des
Vaters nicht zu beschaffen, oder verweigert der Vater die Zustimmung ohne
genügenden Grund und zum Nachteile deS Arbeiters, so känn die Gemeinde-
behörde die Zustimmung desselben ergänzen. Vor der Ausstellung ist nach-
zuweisen, datz der Arbeiter zum Besuche der Volksschule nicht mehr verpflich-
tet ist, und glaubhaft zu machen, dast bishcr ein Arbeitsbuch für ihn noch nicht
ausgestellt war.

ß 111. Bei dem Eintritte des Arbeiters in das Arbeitsverhältnis hat
der Ärbeitgeber an der dafür liestimmten Stelle des Arbeitsbuches die Zeit
des Eintrittes und die Art der Beschäftigung, am Ende des Arbeitsverhält-
nisses die Zeit des Austrittes und, wenn die Beschüftigung Aenderungen er-
fahren hat, die Art der letzten Beschäftigung des Arbeiters einzutragen.

Die Eintragungen sind mit Tinte zu bewirken und von dem Arbeitgeber
zu unterzeichnen. Sie dürfen nicht mit einem Merkmale versehen sein, wel-
ches den Jnhaber des Arveitsbuäx's günstig oder nachteilig zu kennzeichnen
bezweckt.

Die Eintraguug eines Urteils über die Führung oder die Leistungen des
Arbeiters und sonstige durch dieses Gesetz nicht vorgesehene Eintragungen
oder Vermerke in oder an dem Arbeitsbuche sind unzulässig.

§ 113. Beim Abgange können die Avbeiter ein Zeugnis über die Art
und Dauer ihrer Beschäftignng fordern. Dieses Zeuguis ist auf Verlangen
der Arbeiter auch auf ihre Führung auszudebnen.

^ 114. Auf Antrag des Arbeiters hat die Ortspolizeibehörde die Ein-
tragung in das Arbeitsbuch und das dem Arbeiter etwa ausgestellte Zeugnis
kosten- und stempelfrei zu begiaubigen.

§ 115. Die Gewerbetreibenden siud verpflichtet, die Löhne ihrer Arbei-
ter bar in Reichswährung auszugihien.

Sie dürfen denselben ieine Wareu kreditieren. Die Verabfolgung von
Lebensmitteln an die Arbeiter fäüt, sofern sie zu einem die Anschaffungs-
kosten nicht übersteigeuden Preiie eriolgt, unter die vorstehende Bestimmung
nicht; auch können deu Arbeüern A'obnuiag Fenerung, Landnutznng, regel-
mästige Beköstignng, Arzneien nnd ärztliche OAfe, sowie Werkzeuge und
Sloffe zu den ibnen übertrageneu Arbeiten umer Anrechnung bei der Lohn-
zablung verab'oigi inerden.
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