Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim sowie dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1909 — Heidelberg, 1909

Seite: 588
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derbeschäftigung bezieht in Betrieben, die als gewerbliche im Sinne der Ge-
werbeordnung (^ 6 daselbst) anzusehen sind, sindet es insbesondere keine An-
wendung auf die Beschäftigung von Kindern in der Landwirtschaft und in
der Hauswirtschaft (Gesindedienst).

II. Kinder im Sinne des Gesetzes sind Knaben und Mädchen unter 13
Jahren, sowie solche Knaben und Mädchen über 13 Jahren, welche noch zum
Besuche der Volksschule verpflichtet sind. (^ 2.)

III. Das Geseh unterscheidet die Kinder in eigene uud in fremde Kinder

(Z 3) und behandelt in den 4—-11 die Beschäftigung fremder, in §§ 12

bis 16 diesenige eigener Kinder.

Eigene Kinder sind (^ 3):

1. Kinder, die mit demjenigen, der sie beschäftigt oder mit dessen Ehe-
gatten bis zum dritten Gliede verwandt sind.

2. Kinder, die von deinjenigen, welcher sie beschäftigt, oder dessen Ehe-
gatten an Kindesstatt angenommen oder bevormundet sind.

3. Kinder, die demjenigen, welcher sic zugleich mit Kindern der unter
1. und 3. bezeichr'.eLen Art bcschäftigt, zur gesehlichen Zwaugserziehung (Für-
sorgeerziehung) überwiesen sind,

soferne in allen diesen Fällen die Kinder zu dem Hansstand desjenigen
gehören, welcher sie beschäftigt.

Kinder, welche hiernach nicht als eigene Kinder anzusehen sind, gelten
als fremde Kinder. Fremde Kinder sind daher insbesondere auch die in den
Hausstand aufgenommenen, nicht zur gesetzlichen Zwangserziehung überwie-
senen Waisen-, Zieh- und Pflegekinder, soweit sie nicht mit demjenigen, wel-
cher sie beschäftigt, und zu dessen Hausstand sie gehören, oder mit dessen Ehe-
gatten bis zum dritten Grade verwandt oder von diesen Personen an Kindes-
statt angenommen oder bevormundet sind.

Es kommen nun Fälle vor, wo das Kind zwar in der Wohnung der
Eltern, des Vormundes usw. oder in deren Werlstätte arbeitet, aber nicht
den Vater, Vormund usw. in seiner gewerblichen Berufsarbeit unterstützt,
nicht von ihm beschäftigt wird, sondern für einen dritten tätig ist.

Werden Kinder in der Wohnung oder Werkstätte einer Person, zu der
sie in einem der oben unter 1—3 genannten Verhältnisse stehen und zu deren
Hausstand sie gehören, für Dritte beschäftigt, so gelten für sie die Vorschrif-
ten über die Beschäftigung eigeuer Kinder (^ 3 Nbs. 3 des Ges.). Eine er-
hebliche Ausnahme macht jedoch 13 Nbs. 2 des Ges., indem es als Alters-
grenze das vollendete 12. Lebensjahr festsetzt — die gleiche Altersgrenze, wie
bei Beschäftigung fremder Kinder (s. unter V. Ziff. 3).

Nicht unter Abs. 3 H 3 des Ges. fällt der Fall, wenn eigene Kinder sür
Dritte bei einem von den Eltern usw. übernommenen und von dieseu mit--
verrichteten Austragen von Zeitungen, Milch oder Backwaren für Dritte be-
schäftigt werden. Auf diese Kinder werden hinsichtlich der Zulässigkeit und
der Dauer der Beschäftigung — nicht aber auch bezüglich Anzeigepflicht und
Arbeitskarten (s. unter VII. a. E.) — die gleichen Vorschriften, wie auf die
Beschäfugung fremder Kinder beim Austragen von Waren und bei sonstigen
Botengängen angewandt. (Lj^ 17, 8, 9 Abs. 3 des Ges.)

IV. Die Beschästigung fremder Kinder ist verboten: 1. Bei Bauteu aller
Art. im Betriebe derjenigen Ziegeleien und über Tag betriebenen Brüche
und Grubeu, welclie blost vorübcrgehend oder in gcringem Umfange betrieben
werden, in den in dem Gesetz als Anlage beigegebenen Verzeichnis aufgeführ-
ten Werkstätien, beim Steinklopfen, im Schornsteinfegergewerbe, in dem mit
dem Speditionsgesckäft verbundenen Fuhrwerksbetrieb, beim Mischcn und
Mablen von Farben, beim Arbeiten in Kellereien (P 4 des Ges.).

^ 2. Bei ofsentlichen theatraliscben Vorstellungen und andcreu öffentlichen

Schaustcllungen dürfen Kinder nicht beschäftigt werden: Ausnahmen können
durch das Bezirksamt bei Vorstellungcn und Schaustellungen, l>ci dencn ein
höheres Fnteresse der Kunst oder Wissenschast obwaltet, zugelassen werden.

Die Gesnckie um Zulassung von Ausnahinen sind unter Bczeichnung der
Vorstellung odcr Sclxiustellung, bei der die Kinder beschäftigt werden sollen,
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