Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim sowie dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1909 — Heidelberg, 1909

Seite: 596
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1. Für alle in Fabriken rc., im HandelSgewerbe, im Handwerk und in
sonstigen stehenden Gewerbebetrieben, bei Bauten, auf Werften, in Brüchen
und Gruden, fowie in solchen Betrieben beschäftigten Personen, in denen
Dampfkessel oder durch elementare Kraft bewegte Triedwerke zur An-
wendung kommen.

2. Für die Geschäftsbetriebe der Anwälte, Notare, Gerichtsvollzieher rc.

3. Für in den Betrieben der Post-, Telegraphen- und Eisenbahnverwal-
tungen rc., beim gewerbsmäßigen Fuhrwerks-, Schiffahrts-, Flötzerei- und
Fährbetrieb, dem gewerbsmäßigen Speditionsbetrieb rc., sowie:

4. Für die in der Land- und Forstwirtschaft und deren Nebenbetrieben
beschäftigten Personen (einschlietzlich der in solchen Betrieben beschäftigten
Dienstboten).

5. Für die häuslichen Dienstboten.

Eine Ausnakhme von der V e r s i ch e r u n g s p f l i,rh t greift
Platz u. a.:

Für Personen, deren Beschäftigung durch die Natur ihres Gegen-
standes oder durch Arbeitsvertrag im voraus auf einen^Zeitraum
von weniger als eine Woche beschränkt ist.

Für Betriebsbeamte und Angestellte, deren Gehalt rc. Mk. für
den Arbeitstag übersteigt.

Ferner können auf Antrag befreit werden:

Personen, welche nur teilweise oder zeitweise erwerbsfähig sind und
Personen, welchen gegen ihren Arbeitgeber für den Fall der Erkran-
kung ein Rechtsanspruch auf eine den Bestimmungen des § 6 ent-
sprechende oder gleichwertige Unterstützung zusteht.

2. Organisation der Krankenversicherung.

Die mit der Einführung Les Krankenversicherungsgesetzes vom 15. Juni
1883 ins Leben getretenen drei Ortskrankenkassen haben sich mit 1. Januar
1889 zu einer gemeinsamen Kasse vereinigt unter dem Namen:

Ortskrankenkasse Heidelberg.

Unter dieselbe fallen sämtliche unter 1—4 oben aufgeführten Personenklassen,
falls sie in hiesiger Stadt beschäftigt sind, und nicht einer Fabrikkrankenkasse,
einer Jnnungskrankenkasse oder einer den Anforderungen des ß 75 des Kranken-
versicherungsgesetzes entsprechenden eingeschriebenen oder freien HilfS-
kasse als Mitglied angehören.

Die gegen Gehalt oder Lohn (wozu auch Naturalbezüge gehören)
beschäftigten

häuslichen Dienstboten

wevden versichert durch die

Gemeindekrankenversicherung.

Die Ortskrankenkasse gewährt als Unterstützung:

1. Für die Dauer von neun Monaten: Freie ärztliche Behandlung, freie Arznei
und bei Erwerbsunfähigkeit Krankengeld, das für die ersten 6 Monate voll,
für den Rest zur Hälfte gezahlt wird,

2. Wöchnerinnenunterstntzung für die Dauer von 6 Wochen,

3. Sterbegeld,

4. Sterbegeld für die Ehefrauen und Kinder unter 14 Jahren.

Die Gemeindekrankenversicherung gewährt den Dienstböten nur An-
spruch auf freie ärztliche Behandlung, freie Arznei oder freie Verpflegung im
akademischen Krankenhause.

Das Recht zum Beitritt zur Ortskrankenkasse steht nach ß 5
des Kassenstatuts neben anderen Personenklassen, besonders den in der sogen.
Hausindustrie tätigen Personen sowie auch den Besitzern von Ge-
werbebetrieben und HandlungLgeschäften, zu, deren nicht
reduziertcr Einkommensteucranschlag 2000 Mark nicht übersteigt.

3. Pflichten der Arbeitgeber (Dienstherrschaften) und
Folgen etwaiger Vcrsäurnnis derselben.

u) Der ß 49 des Krankenversicherungsgesetzes bestimmt:

„Die Arbeitgcber haben jede von ihnen beschäftigte versicherungspflich-
tige Person, welche wcder einer Betriebs-(Fabrik)-Krankenkasse (ß 59),
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