Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim sowie dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1909 — Heidelberg, 1910

Seite: 593
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Aus Antrag von Mndestens einem Drittel der Leteiligten Geschästs-
rnhuLer hat die höhere Verwaltungsbehörde die beteiligten Geschästsinhaber
durch Lrtsübliche lBekanntmachung oder besondere Mitteilung zu einer
Aeuherung sür oder gogen die Einsührung des Ludenschlusses im Sinn-r des
vorstehenden Absatzes auszusordern. Erklüren stch zwei Drittel der Abstim-
menden sür die Einsührung, so kann die höhere Verwultungsbehörde die
entsprechende Anordnung tressen.

Der Bundesrut ist befugt, Bestimmungen Larüber zu erlassen, in
welchem Versahren die ersorderliche Zahl von 'Geschäftsinhabern sestzu-
stellen ist.

Während der Zeit, wo Verkaufsstellen aus Grund des Abs. 1 geschlossen
sein müssen, ist der Berkauf von Waren der in diesen Verkaussstellen ge-
sührten Art sowie das Feilbieten von' solchen Waren aus öfsentlichen Wegen,
Straßen, Plätzen oder an auderen ossentlichen Orten oder ohne vorherige
Westellung von Haus zu Haus im stehenden Gewerbebetriebe (P 42 I, Abf. 1
Zifser 1) sowie im Gewerbebetrieb nn Umherziehen (§55 Abs. 1 Zifser 1)
verboten. Ausnahmen tönnen von der Ortspolizeibehörde zugelassen werden.
Dm Bestimmung des § 55 a Abs. 2 Satz 2 findet Anwendung.

§ 1391. Auf das Halten von Lehrlingen in offenen Verkaufsstellen
sowie in anderen Betrieben des Handelsgewerbes sindet die Gestimmnng des
§ 128 Anwendnng.

2. Der Besuch der Gewerbeschule.

(Genehmigt durch Beschluß des Bürgerausschnffes vom 26. Januar 1899 und
durch Erlaß Großh. Ministeriums des Jnnern vom 30. März 1899 Nr. 10084,
ergänzt durch Beschluß des Bürgerausschusses vom 29. Juli 1902, bezw. vom
4. Mai 1904, vom 31. März 1905 nnd vom 26. Mai 1905.*)

§ 1. Alle männlichen Arbeiter (Gesellen, Gehilsen, Lehrlinge), welche
aus der Volksschüle entlassen und in hiesiger StaLt in 'Gewerbebetrieben der
in § 2 igedachten Art lBeschästigung gesunben haben, sind, solange sie nicht
das 18. Lebenssahr zurückgelegt haben, verpslichtet, die Gewerbeschule zu be-
snchen, bis ste die vorgeschriebenen drei Jahresklassen ovdnungsmäßig Lurch-
laufen und ein Abgangszeugnis erhalten haben. Hat ein Schüler die drei
Jahresklassen vor Znrücklegnng des 18. Lebensjahres absolviert, so hat er,
Lis dieses von ihm vollendet worden, noch den Zeichen- bezw. Modellier-
Unterricht der Anstalt zu besuchen. Letztere Verpslichtung findet indeß aus
Gesellen, die nachweislich eine dreijährige Lehrzeit zurückgelegt haben, keine
Anwendnng.

Bezüglich der sortbildnngsschulpflichtigen Arbeiter tritt die Verbind-
lichkeit zum Wesuche der Gewerbeschnle an Stelle derjenigen zum Besuche der
allgemeinen FortbilLungsschule.

Z 2. Die Vorschrift des § 1 sindet aus alle Arbeiter Anwendnng, welche
in den Betrieben folgender Gewerbennternehmer beschästiat sind :

Bäcker,
Bautechniker,
Blldhauer,
Buchbinder,
Buchdrucker,
Drechsler,
Flaschner,
Gärtner,
Glaser,

Goldarbeiter,
Graveure,
Gürtler,
Gypser,

Hasner,

Jnstallateure,

Küfer,

Kupferschmiede,

Lithographen,

Maler,
Maschinenbauer,
Maurer,
Mechaniker,
Metzger,
Osensetzer,
Schieferdecker,
Schloffer,
Schmiede,

Schneider,

Schreiner,

Schuhmachsr,

Steinhauer,

Tapezierer,

Tüncher,

Uhrmacher,

Vergolder,

Wagner nnd

Zimmerleute.

H 3. Arbeiter der in § 2 gedachten Art können vom Gewerbeschulrat
aus der Gewerbeschule ausgewiesen, bezw. Ler Fortbildungsschule über-
wiesen werden, wenn sich im Lause ihres Schulbesuches herausstellt, daß sie
Lie ersorderlichen Vorkenntniffe nicht besitzen.

*) Mit Zustimmung des Bürgsrausschuffes vom 5. Januar 1903 wurde die
Wirksamkeit obigen Ortsstatuts auf den Stadtteil Haudschuhsheim ausgedehnt.

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