Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim sowie dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1911 — Heidelberg, 1911

Seite: 516
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8 2.

Der Ein- und Auszug jedes Schlafgängers ist nach Vorschrift der Melde-
ordnung (Ortspolizeiliche Vorschrift vom 7? Oktober 1904) binnen 3 Tagen
cmzumcldcn.

Auszerdem hat der Vermieter ein Verzeichnis über die von ihm beher-
bergten Schläfer zu führen, in welches die Vor- und Zunamen und die Hei-
mat der Schläfer, sowie der Tag des Eiuzugs und Auszugs einzutragen ist.

8 3.

Der Vermieter hat für die Eohaltung der Remlichkeit, Sitte und Ord-
nung in seinem Hause zu sorgen.

Die Schlafräume sind ausreichend zu lüften und täglich zu reinigen.

Die darin befindlichen Betten und anderen Ausstattungsgegenstände
sind stets reinlich zu erhalten und bei Bedarf zu erneuern.

8 4-

Bei Aufnahme von Schlafgängern muß denr Vermieter für sich und seine
Familien- und Haushaltungsangehörigen eine genügend grosze Wohnung, so-
wie die Möglichkeit der Trennung der für diese bestimmten Schlafräume nach
Geschlechtern und für jedes der Angehörigen über 12 Jahren, bezw. für zwei
solcher Angehürigen unter 12 Jahren je ein Bett zur Verfügung bleiben.

5tüchen, Arbeitsräume, Werkstätten und dergl. dürfen nicht als Schlaf-
räume vcrmietet werden.

...85.

Der Vermieter oder Angehörige desselben durfen nicht mit Schlafgän-
gern im gleichen Zinnner schlafen. Ausnahmen sind mit besonderer Geneh-
migung der OrtspoliZeibehörde Hinsichtlich crlvachsener Personen zulässig.

8 6.

Näume, zu welchen man durch Wohn-, Schlaf-, Arbeitsräume oder Kü-
chen des Vermieters oder seiner Angehörigen gelangen kann, dürfen nicht an
Schlafgänger vermietet werden.

8

Das Vermieten von Schlafstellen an Personen beiderlei Geschlechts,
außer an Eheleuten oder Eltern und Kindern unter 10 Jahren, ist nicht ge-
stattet.

8 8.

Die als Schlafstellen vermieteten Näuine müpen gedielt und heizbar sein
und unmittelbar ins Freie führende, zum Oeffnen eingerichtete, stehende Fen-
ster, mit einer lichtgebenden Gesamtfläche vou (mindestens) von 1/10 der Bo-
densläche besihen.

Auf den Kopf der in einem Naum übernachtenden Personen muß eine
Vodenfläche von 4 -Quadratmeter und ein Luftraum von mindestens 10 Kubik-
meler entfallen.

8 9.

Die Schlafräume müssen von innen verschlieszbar und die an Schlafgän-
gerinnen verinieteten Näume auszerdem innen mit Türriegeln versehen sein.

8 io.

Fedem Schlafgänger ist ein besonderes Bett, eine Sitzgelegenheit, ein be-
sonderes Wasch- und Trinkgefäsz und ein eigenes Handtuch zur Verfügung zu
stellen.

Jn jcdem Schlafraum muß ein mit Wasscr gefülltcr Spucknapf stehen,
dcr jcdcn Morgcn zu cntleeren, zu reinigcn und frisch mit Wafser zu füllen ist.

8

L en Schlafgängern ist — sofern ihnen nicht cin besonderer Abort zur
Versüguug steht — die Benühuug der Aborträume des Vernneters zu ge-
statten.

8 12.

^ Den Schiafgangern ift zn gestatten, sich anch nach der Arbeitsstunde in dem
Schlasraum aufzuhalten.
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