Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim sowie dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1911 — Heidelberg, 1911

Seite: 550
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/AdressbuchHD1911/0618
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
550

An Straßenkreuzungen oder -Abzweigungen haben Reiter, Radfahrer,
Fuhrwerke und sonstige Fahrzeuge die Gangart zu verkürzen und gegebenen-
falls so rechtzeitig zu halten, daß die Wagen der Straßenbahn in ihrer Fahrt
nicht gehindert werden.

Lenker von Fuhrwerken und sonstigen Fahrzeugen sind insbesondere ver-
pflichtet, vor dem Herausfahren aus Seitenstraßen, Toreinfahrten und der-
gleichen ihre Aufmerksamkeit daraus zu richten, ob nicht im Falle des Heraus-
fahrens ein Zusammenstoß mit einem Wagen der elektrischen Stratzenbahn
erfolgen kann.

§ 5. An denjenigen Stellen, wo neben den Gleisen nur für ei n Fuhr-
werk Raum ist, darf beim Herannahen des Straßenbahnwagens kein Fuhr-
werk, Handkarren oder Neiter ausbrechen, die vorn befindlichen zu über-
holen, oder sich in die Reihe derselben einzudrängen versuchen. Das An-
halten neben einem dort stehenden Fuhrwerke ist untersagt.

§ 6. Fuhrwerke aller Art, Pferde oder Vieh, dürfen auf den im Be-
trieb befindlichen Gleisen der Straßenöahn oder in einer Entfernung von
weniger als einem Meter von der nächsten Schiene derselben nicht stehen
Lleiben. Neben den Gleisen stehende Pferde müssen unter Aufsicht gehalten
werden. Fuhrwerke oder sonstige Gegenstände, welche die Gleise versperren,
sind die Bahnbediensteten zu entfernen befugt, unbeschadet der Strafbar-
keit der Verantwortlichen.

§ 7. Feuerwehrabteilungen und deren Fahrzeugen, welche zur Brand-
stelle eilen, muß die Straßenbahn vollständig, nötigenfalls durch Einstellen
der Fahrt, Platz machen.

Beim Begegnen von Truppen und Straßenbahnwagen gelten folgende
Vorschriften:

Adda.v. 1. Wenn eine geschlossene Trupjie die Straßenbahn kreuzt, dürfen die Sttaßen-
i2.vm.8 hahnwaaen jeweils nur am Ende eines Bataillons durchfahren.

2. Wenn die Straßenbahnwagen einer marschierenden Truppenabteilung ent-
gegenkommen oder sie einholen, so müssen die Wagen so lange halten oder so
langsam fahren, bis die Truppe die Gleise für die ungehinderte Weiterfahrt frei
gemacht hat.

Zus.v. 3. Rückt die Feuerwehr zu einer Uebung aus, so gelten die Borschriften
s.m.4. unter Abs. 2 Ziff. 1—3.

§ 8. Während der Betriebsstunden der Straßenbahn ist das Abladen,
Lagern und Aufstellen von Gütern, Holz, Kohlen, Steinen und dergl., sowie
die Vornahme irgend einer Arbeit auf den im Betrieb befindlichen Gleisen
oder näher als 1 Meter von der nächsten Schiene derselben entfernt ver-
boten.

§ 9. Ebenso ist verboten, Kinder zwischen den Gleisen oder in deren
Nähe spielen zu lassen.

§ 10. Zu jeder Einstellung des Betriebs während der vorgeschriebenen
Betriebszeiten ist, wenn nicht Gefahr im Verzuge obwaltet, oder die Ver-
kehrs- und Betriebsordnung etwas anderes vorschreibt, die vorherige Ge-
nehmigung des Stadtrats erforderlich.

Dies gilt auch für Üffentliche Umzüge durch oder über die Straßen der
elektrischen Bahn, Umfahrten und sonstige Veranstaltungen, welche den
Bahnbetrieb unterbrechen, stören oder sonst den Bestimmungen der Straßen-
polizeiordnung für die Stadt Heidelberg oder dieser Verkehrs- und Be-
triebsordnung zuwiderlaufen.

2. Bestimmungen für die Fahrgäste.

ß 11. Die den Straßenbahnwagen Lenützenden Personen haben den
Anordnungen des mit Dienstkleidung, Dienstabzeichen oder Legitimation
versehenen Dienstpersonals Folge zu leisten.

§ 12. Beschwerden über Anordnungen oder Verhalten des Dienstper-
sonals sind bei der Direktion der Straßenbahn anzubringen. Hierbei ist
tunlichst die Dienstnummer des Angestellten, die Wagennummer, die Zeit
des Vorfalls, sowie die genaue Adresse des Beschwerdesührers anzugeben.
loading ...