Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim sowie dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1911 — Heidelberg, 1911

Seite: 603
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Z6. VerkehrinWirtschaften. Jn Gast- und Schankwirt-
schaften dürfen an den in 8 1 Ziff. 1 dieser Verordnung bezeichneten Tagen
vor Schluß des vormittägigen Hauptgottesdienstes und während des Nach-
mittagsgottesdienstes keine geräuschvollen Belustigun-gen und kein lärmendes
Zechen und Spielen stattfinden. Durch ortspolizeiliche Vorschrift*) kann an diesen
Tagen der Wirtschaftsbetrieb in öffentlichen Wirtschaftsräumen vor dem Schlusse
des vormittagigen Hauptgottesdienstes untersagt werden.

tz 7. Aufzüge, Musikaufführungen, Schau- und Darstellungen
und sonstige Lustbarkeiten. Die Veranstaltung von öffentlichen Aufzügen,
Musikaufführungen, Gesangs- und deklamatorischen Vorträgen, Schaustellungen,
theatralischen Vorstellungen oder sonstigen Lustbarkeiten ist für die Dauer des
vormittägigen Gottesdienstes an den in 8 1 Abs. 1 Ziff. 1 dieser Verordnung be-
zeichneten Sonn- und Festtagen untersagt.

Am Christtage, Palmsonntage urw den übrigen Tagen der Charwoche, am
Oster- und Pfingstsonntage, ferner in Gemeinden, in welchen die katholische Kon-
fession Pfarrrechte hat, am Fronleichnamstage und in Gemeinden, in welchen die
evangelische Konfession Pfarrrechte bat, an dem Sonntage, auf welchen der Buß-
und Bettag fällt, erstreckt sich das Verbot auf den ganzen Tag.

Jedoch dürfen von drei Uhr nachmittags am Christtage, Oster-, Pfingst-
sonntage, sowie am Fronleichnahmstage Musikaufführungen, sowie Theatervor-
stellungen, an den drei letzten Tagen der Charwoche Aufführungen ernster Musik
und an den vier ersten Tagen der Charwoche, sowie am Buß- und Bettage
außer Aufführungen ernster Musik auch Theatervorstellungen ernsten Jnhalts
stattfinden, vorbehaltlich der nach 8 63 P.-St -G.-B. der Polizeibehörde zustehenden
Untersagungsbefugnis.

8 8. Bekanntmuchung der Zeit desGottesdienstes. Die
Zeit des vormittägigen> Hauptgottesdienstes beziehungsweise (86) auch des
Nachmittagsgottesdienstes, für welche obige Verbote Platz greifen, wird unter
Berücksichtigung Ler von den kirchlichen Organen getroffenen Bestimmung
durch Lie Ortspolizeibehörde bekannt gemacht.

8 9. Schlutzbestimmung. Diese Verordnung tritt am 1. Juli
1892 in Kraft, für die in 8 2 bezeichneten Betriebe jedoch erst von dem spä-
teren Zeitpunkte an, auf welchen für diefe Betriebe die Bestimmungen der
88 105 a ff. der Gewerbe-Ordnung durch Kaiserl. Verordnung (Art. 9 Ws.
1 des Gesetzes vom 1. Juni 1891, betreffend Abänderung der Gewerbe-Ord-
nung, Reichsgeseyblatt Seite 261) in Kraft geseht werden.

Von dieser Zeit treten die Berordnungen vom 28. Januar 1869 und 20.
November 1879, die weltliche Feier der Sonn- und Festtage betreffend, autzer
Wirksamkeit.

Die wettttrhe Feier der Sonn- und Festkage.

Die landesherrliche Verordnung vom 18. Juni 1892 wurde durch eine solche
vom 20. Februar 1907 (Ges. u. V.-O.-Bl. S. 139) in nachstehender Weise abgeändert:

I. Jn 8 1 wird der folgende vierte Absatz beigefüat:

Allgemeine Ausnahmen von dem im ersten Absatz Ziffer 1 bezeichneten Verbot
können hinsichtlich des Fronleichnamstages und des Karfreitages durch Entschließung
des Ministermms des Jnnern bewilligt werden.

II. Der durch Unsere Verordnung vom 31.Juli 1896 (Ges.- u. V.-O.-Bl. S. 240)
eingefügte drilte Absatz des 8 3 erhält folgende Fassung:

Durch ortspolizeiliche Vorschrift kann das öffentliche Auslegen und Aushängen
der Waren an Verkaufsstellen iAbs. IZZiff. 3) in weiterem Umfan^ gestattet werden.

Ortspolizeiliche Vorschrift vom 13. Juli 1907 auf Grund derMndeshe^rlichen Ver-
ordnung vom 20. Februar 1907, die Abänderung der Verordnung über die weltliche
Feier der Sonn- und Festtage betr., unter Aufhebung der ortspolizeilichen Vorschrift

vom 2. November 1896.

Das öffentliche Auslegen und Aushängen von Waren an Verkaufsstellen ist an
Sonn- und Festtagen auch außerhatb der für den Gewerbebetrieb freigcgebenen Zcit
statthaft.

*) Siehe Mitsch, Orts- und Bezirkspol. Vorschristen Seite 226.
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