Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim sowie dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1911 — Heidelberg, 1911

Seite: 610
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schäftsAweige angeordnet werden, datz die ofsenen Verkcrufsstellen während
Lestimmter Zeiträume oder während des ganzen Jahres auch in der Zeit
zwischen acht und neun Uhr adends und zwischen fünf und sieben Uhr morgens
sür den geschästlichen Verkehr geschlossen sein müssen. Die Bestimmungen
der §§ 139 e und 139 ä werden hierdurch nicht berührt.

Auf Antrag von mindestens einem Drittel der beteiligten Geschäfts-
inhaber hat die höhere Verwaltungsbehörde die beteiligten Geschäftsinhaber
durch ortsübliche Bekanntmachung oder besondere Mitteilung zu einer
Aeußerung für oder gegen die Einführung des Ladenschlusses im Sinne des
vorstehenden Absahes aufzufordern. Erklären sich zwei Drittel Ler Abstim-
menden für die Einführung, so kann die höhere Verwaltungs.behürde die
entsprechende Anordnung treffen.

Der Bundesrat ist befugt, Besti'mmungen darüber zu erlassen, in
welchem Verfahren die erforderliche Zahl von Geschäftsinhabern festzu-
stellen ist.

Während der Zeit, wo Verkaufsstellen auf Grund des Abs. 1 geschlossen
sein müssen, ist der Verkauf von Waren der in diesen Verkaufsstellen ge-
führten Art sowie das Feilbieten von solchen Waren auf öftentlichen Wegen,
Stratzen, Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten oder ohne vorherige
Bestellung von Haus zu Haus im stehenden Gewerbebetriebe (8 42 d Abs. 1
Ziffer 1) sowie im Gewerbebetrieb im Umherziehen (8 55 Abs. 1 Ziffer 1)
verboten. Ausnahmen können von der Ortspolizeibehörde zugelassen werden.
Dre Bestimmung des 8 55 a Aüs. 2 Satz 2 findet Anwendung.

8 1391. Auf das Halten von Lehrlingen in offenen Verkaufsstellen
sowie in anderen Betrieben des Handelsgewerbes findet die Bestimmung des
8 128 Anwendung.

2. Der Besuch der Gewerbeschule.

(Genehmigt durch Beschluß des Bürgerausschusses vow 25. Januar 1899 und
durch Erlaß Großh. Ministeriums des Jnnern vom 30. März 1899 Nr. 10084,
ergänzt durch Beschluß des Bürgerausschusses vom 29. Juli 1902, bezw. vom
4. Mai 1904, vom 31. März 1905 und vom 26. Mai 1905.*)

8 1. Alle männlichen Arbeiter (Geseüen, Gehilfen, Lehrlinge), welche
aus der Volksschule entlassen und in hiesiger Stadt in Gewerbebetrieben der
in 8 2 gedachten Art Beschäftigung gefunden haben, sind, solange sie nicht
das 18. Lebensjahr zurückgelegt haben, verpflichtet, die Gewerbeschule zu be-
suchen, bis sie die vorgeschriebenen drei Jahresklassen or'Lnungsmätzig durch-
laufen und ein Abgangszeugnis erhalten haben. Hat ein Schüler die drei
Jahresklassen vor Zurücklegung des 18. Lebensjahres absolviert, so hat er,
bis dieses von ihm vollendet worden, noch den Zeichen- bezw. Modellier-
Unterricht der Anstalt zu besuchen. Letztere Verpflichtung findet indeß auf
Gesellen, die nachweislich eine dreijährige Lehrzeit zurückgelegt haben, keine

Anwenldung.

Bezüglich der fortbildungsschulpflichtigen Arbeiter tritt die Verbind-
lichkeit zum Besuche der Gewerbeschule an Stelle derjenigen zum Besuche der
allgemeinen Fortbildungsschule.

8 2. Die Vorschrift des 8 1 findet auf alle Arbeiter Anwendung, welche
in den Betrieben folgender Gewerbeunternehmer beschäftigt sind:

Bäcker,

Bautechniker,

Bildhauer,

Buchbinder,

Buchdrucker,

Drechsler,

Flaschner,

Gärtner,

Glaser,

Goldarbeiter,
Graveure,
Gürtler,
Gypser,

Hafner,

Jnsiallateure,

Küfer,

Kupferschmicde,
Lithographen,

Zimmerleute.

Maler,
Maschinenbauer,
Maurer,
Mechaniker,
Metzger,
Ofensetzer,
Schieferdecker,
Schlosser,
Schmiede,

Schneider,

Schreiner,

Schuhmacher,

Steinhauer,

Tapezierer,

Tüncher,

Uhrrnacher,

Vergolder,

Wagner und

*) Mit Zustimrnung des Bürgerausschusses vom 5. Januar 1903 wnrde die
Wirksamkeit obigen Ortsstatuts auf den Stadtteil Handschuhsheim ausgedehnt.
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