Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim sowie dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1911 — Heidelberg, 1911

Seite: 611
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§ 3. Arbeiter der in Z 2 gednchten Art können vom Gewerbeschulrat
aus der Gewerbeschule clusgewiesen, bezw. der Fortbildungsschule über-
wiesen werden, wenn sich im Laufe ihres Schulbesuches herausstellt, datz sie
die erforderlichen Vorkenntnisse nicht besitzen.

§ 4. Solchen Arbeitern, welche nicht in einem Gewerbebetriebe nach
Z 2 beschäftigt, aber aus der Volksfchule entlassen sind und das 18. Lebens-
jahr noch nicht zurückgelegt haben, fowie allen fortbildungsschulpflichtigen
Schülern steht, sofern diese Arbeiter, bezw. Schüler die zum Besuche der
Gewerbeschule erforderlichen, durch eine Prüfung nachzuweisenden Vor-
kenntnisse Lesitzen, der Eintritt in die Gewerbeschule beim Beginn eines
Semesters srei. Sie haben den Stundenplan der Anstalt pünktlich zu
beachten.

Der Austritt vor Vollendung des jeweiligen Jahreskurses ist nicht
gestattet.

§ 5. Solange ein Arbeiter die Gewerbeschule befucht, ist er vom Besuche
des gesetzlichen Fortbildungsunterrichts entbunden.

Z 6. Jn autzerordentlichen Fällen kann der Gewerbeschulrat auf ein gut
begründetes schriftliches Gesuch vom Besuche der Gewerbeschule oder einzelner
Fächer derselben dispensieren.

§ 7. Alle Schüler der Gewerbeschule haben die durch den Gewerbe-
schulrat aufzustellende Schulordnung pünklich zu beobachten.

Z 8. Jeder Schüler hat für jedes Jahr des Besuches der Gewerbeschule
7 Mark Schulgeld zu bezahlen.

Das Schulgeld wird in Halbjahresraten jeweils am Anfang des Se-
mesters oder im Falle des Eintritts in die Schule während des Semesters,
sofort beim Eintritt zum Voraus erhoben.

8 9. Jst ein Schüler dürftig und würdig, so kann ihm der Gewerbe-
schulrat auf entsprechenden Nachweis das Schulgeld nachlassen. Ebenso
Werden ihm erforderlichenfalls die nötigen Schulmittel aus der Kasse der
Anstalt oder einer Stlftung angeschafft.

H 10. Die Arbeitgeber und Lehrmeister sind verpflichtet, ihren in die
Anstalt — wenn auch freiwillig — eingetretenen Arbeitern die Zeit zu ge-
währen, welche dieselbe nach dem für ihre Jahresklasse gültigen, jewerls
vom Gewerbeschulrat festgesetzt werdenden Unterrichtsplan für den Besuch
der Gewerbeschule nötig haben, sowie sie während der Dauer des Arbeits-
verhältnisses zum Schulbesuch anzuhalten. Letzterwähnte Berpflichtung liegt
auch den Eltern und Vormündern gewerbeschulpflichtiger Arbeiter dann ob,
wenn solche, trotz des Arbeitsverhältnisses, tatsächlich noch der Familien-
gewalt unterworfen, insbesondere dem Haushalt der Eltern angehör'ig sind.

§ 11. Zuwiderhandlungen gegen das Statut seitens der Arbeitgeber,
Eltern und Vormünder, sowie seitens der Gewerbeschüler werden, soweit
gegen letztere nicht auf Grund der landesherrlichen Verordnung vom 16. Juli
1868 disziplinär eingeschritten wird, nach Matzgabe der bestehenden Gesetzes-
bestimmungen (8 150 Ziff. 4 G.-O., 8 2 des Gesetzes vom 15. August 1898)
geahndet.

R. Das Reichsgesetz betr. Kinberarbeit in gewerblichen Betrieben

vom 3V. März ISOL (Auszug)

I. Mit dem 1. Januar 1904 ist das Reichsgesetz vom 30. März 1903, be-
Lreffend Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben (R. G. B. S. 113), in Kraft
getreten. Das Gesetz beabsichtigt nicht, eine Aenderung in den bisher be-
stehenden reichsrechtlichen Bestimmungen über Kinderarbeit eintreten zu
lassen (z. B. Verbot der Kinderarbeit in Fabriken, Motorwerkstätten), son-
dern will ergänzend neben diese treten. Es regelt die Beschäftigung von Kin-
dern in Betrieben, die nach der Gewerbeordnung als gewerbliche anzusehen
sind und zwar ohne Rückficht darauf, ob ein gewerblicher Arbeitsvertrag
vorliegt oder nicht, wie es auch nicht auf Seiten des Kindes die Eigenschisit
eines gewerblichen Arbeiters voraussetzt. Dem Gesetz unterliegt also anch

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