Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim sowie dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1912 — Heidelberg, 1912

Seite: 533
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8 13.

Den Polizei- und MediginallieamtLn, Bau- und Wolhnungskontrolleuren,
den von ben Polizeibehörden beauftragten Peosonen, sowie den Beaustragten
'Ler städtischen A'rmenpflege, ist jederzeit der Zutritt in die Schlafräuine zu
gestatten und auf Verlangen das Schlafgängerverzeichnis vorzulegen.

8 11-

Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift werden an Geld bis zu 150
Mar? oder mit Haft bestraft.

8 15-

Diese ortspolizeiliche Vorschrift tritt am 1. Januar 1907 in Kraft.

Auf die an diesem Tage bereits bcstehenden Schlafstellen findet diese
Vorschrift ebenfalls Anwendung.

Die vorgeschriebene Anzeige hat in ldiesem Falle bis längstens 15. Jan.
1907 zu erfolgen.

Dre Veaufstchtrgung der Pflegekrnder in der Skadi Heidelberg.

Ortspolizeiliche Vorschrist vom 4. Januar 1908 aus Grund des Z98a P.-St.-G -V.,
in Kraft getreten am 1. April 1908.

§ 1. Wer ein Kind unter fieben Iahren gegen Entgelt zur Verpflegung über-
nehmen will, mus; hierzu die Genehmigung der Ortspolizeibehörde erwirken.

Als Entgelt wird nicht nur die Vereinbarung einer Barvergütung, eines Kost-
geldes oder mner Abfindung, sondern auch die Abgabe von Kleidung usw., ivie
uberhaupt jede Leistung angesehen, die als Gegenleistung für die Verpfleguug auf-
zufassen ist.

2. Behufs Erwirkung der Genehmiguug hat die Pflegemutter das Kind
vor der Amiahme beim 'sekretariat des Armenrats persönlich anzumeldeu.

War die Anmeldung vor der Aunahme nicht aussührbar, so hat sie sobald
als möglich, fpätestens aber am dritten Tage nach der Uebernahme des Pflege-
kindes zu erfolgen.

Z 3. Bei der Anmeldung ist anzugeben:

o) der Name des iu Pflege zu nehmenden Kindes, Ort und Tag feiner
Geburt, sowie seine Religion;

b) Name, Staud und Aufenthaltsort der Eltern des Kindes, bei unchelichen
Kindern Name, Stand und Wohnung der Mutter, sowie Name, Stand
und Aufeuthaltsort des außerehelichen Vaters;

e) Name, Stand, Alter, Religion und Wohnung der Pflegemutter;

ä) die Höhe des Pflegegeldes bezw. der Absindung oder sonstigen Leistungen.

Gleichzeitig sind die itandesamtliche Geburtsurkunde des Kindes, sowie etwaige
soustige Nachweise über seine Person vorzulegeu.

8 1. Die Erteilung der Genehmigung zur Ueberuahme des Pflegekindes ge-
schicht dnrch den Armenrat uamens und im Auftrag des Gr. Bezirksamtes als
der Ortspolizeibehörde in der Weise, daß der Pflegemutter ein Erlaubnisschein
behändigt wiid.

Besteheu gegen die Genehmigung zunächst keine Bedeuken, so ersolgt die Aus-
händigung sofort auf die Anmeldung. Wird sie oon bcstimmten Nachweisen, ins-
besondere einer vorherigeu ärztlichen Untersuchung des Pflegekindes oder der Pflege-
mutter, abhängig gemacht, so hat die Pflegemulter für Beibringung derselben
innerhalb dcr zu setzenden Frist Sor.,e zu tragen.

8 5. Die Genehmigung wird nur ans Widerruf und uur solchen Personen
weiblichen Geschlechtcs erteilt, welche uach ihren persönlichen Verhältuissen und
nach der Beschaffeuheit ihrer Wohnung zur Uebernahme eines Kindes ohne Ge-
lährdung des leiblichen, geistigen nnd sittlichcu Wohls desselben geeignet erscheinen.
Sie wird hiernach insbesondere Personen, die cinen schlechten Leumund besitzen
oder in ungeordneten häuslichen Verhältnissen lebcn, nicht erteilt, kann aber auch
aus nndereu Grüuden und uamenllich solchen versagt werden, die geistig oder
körperlich krank sind, eine ungenügende Wohnung haben, öffentliche Armenunter-
stütznng beziehen oder bereits zwei Ziehliuder in Pflege haben.
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