Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim sowie dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1912 — Heidelberg, 1912

Seite: 609
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Die übrigen Tage, an wclchcn Ueüeraübeit zugelajsen werden darr,
werdcn jeweils auf Antrag der Bctciligten durch besondcre Verfügung be-
stimmt werden.

Auch an diesen Tagen, mit Ausnahme des Tages bor dem Wcihnachts-,
Ostcr- und Pfingstfcste, mus; zlvischcn dcn Arbeitsschichten der Gchilfen
eine ununterbrochene Nuhe von mindcstcns 8 Stunden, den Lehrliugen eine
solche don mindcstcns 10 Stunden im ersten Lehrjahre, mindestens 9 Stunden
im zweiten Lehrjahre gewährt werden.

Auf Gruud des 8 105 o der Gew.-Ordg. wird zugelassen, daß in hiesiger
Stadt an Sonu- und Festtagen in der Zeit vom 1. Oktober bis 81. März im
Bäckereigewerbe Arbeiter bis 9 Uhr morgens mit dem Austragen von Backwaren
beschäftigt werdon dürfen.

2. Jm K o n d i t o r e i g e w e r b c ist die Bcschäftigung von Arbeitern
an allcn Sonn- und Festtagen von 4 Uhr morgens 'bis 12 Uhr mittags
gestattct.

Währcnd dcr den Arbeitern hiernach zu gewährenden Nuhezeit von
12 Uhr mittags an dürfen dicsclbcu jcdoch mit der Herstellung und mit dem
Austragcn lcicht verderblicher Waren, die unmittclbar vor dcm Genuß
hergestellt werdcn müsscn (Eis, Cremes und dergl.), beschäftigt werden,
müssen aber in dicscm Falle an eineni der nächsten 6 Werttage von mittags
12 Uhr ab von jcder Arbeit freigelasscn werden.

Außerdem ist jcdcm Arbeiter mindestens an jcdcm dritten Sonntage die
zum Bcsuche des Gottcsdicnstes erforderliche Zeit srci zu geben.

Bemerk u n g. Zu 1 und 2 wird Folgcndcs bemerkt:

Für Betriebe, in dcuen sowohl Bäckcrlvarcn, als Konditorwaren hcrgc-
stetlt werden, ist die Bcschästigung solchcr Arbeitcr, die an Sonn- und Fest-
tageu a u s s ch l i e st I i ch mit dcr Herstcllung von Konditorciwarcn beschäf-
tigt werden, nach den Bcstimmungen für Konditorcien, dic Beschäftigung der
übri'gen Nrbciter nach dcn Bestimmungcu für Bäckereien zu rcgeln.

Als Bäckerwaren ist dasjenigc Vackwcrk zu behandeln, welches hcrlömm-
lich untcr Verwendung von Hcfe oder Saucrtcig hergestcllt wird.

3. Jm F l e i s ch c r g c w e r b e ist dic Bcschäftigung von Arbeitern an
allen Sonn- und Festtagen,

und zwar in der Zeit vom 1. April bis 30. September von Uhr
bis 9 Uhr vormittags, in dcr Zeit vom 1. Oktober bis 31. März von
A>6 Uhr bis 9 Uhr vormittags

geftattet.

Wenu die Sonntagsarbciten län-ger als drei Stundcn dauern, so sind
die Arbeiter entwedcr au jcdem zweiten Sonntag von 6 Uhr morgens bis
6 Uhr abends oder an jcdcm dritten Sonntag sür volle 36 Stundcn von jedcr
Arbeit freizulassen.

4. Jm Barbier - und F r i s e u r h a n d w e r k ist die Beschästigung
von Arbcitern an allen Sonn- und Festtagen, mit Ausnahme des ersteu
Weihuachts-, Oster- und Pfingstfeiertages, bis 2 Uhr nachmittags ge-
stattet. Jm übrigen — das ist an den gewöhnlichen Sonntagen von 2 Uhr
ab und an den genannten drei Feiertagen — ist sie nur insoweit gestattet,
als sie zur Bedienung von Damen im Hause und zur Vorbereitung thcatra-
lischer Aufführungen erforderlich ist.

Auf Grund des Z 41 b der Gew.-Ordg. uud des Artikel l Ziffer 4 der Vollzugs-
Verordnuug dazu vom 29. September 1900 wird für die Stadt Heidelberg, ein-
schließlich Haudschuhsheim und Schlierbach, bestimmt: Am ersten Weihnachts-,
Oster- und Pfingstfeiertag dars ein Betrieb im Barbier- und Friseurhandwerk
nicht stattfinden; ausgenommen ist die Bedienung von Damen im Hause und
solche Verrichtuugeu, welche zur Vorbcreitung theatralischer Aufführuugen erforder-
lich sind. Die völlige Betriebsruhe wnd auch auf den Charsreitag und den
Fronleichna m stag ausgedehnt.

Wenn die Sonntagsarbeiten länger als drci Stnndcn dauern, so sind
bie Arbeiter entweder an jedem dritten Sonntag für vollc 36 Stundcn oder

39

Entschv
d. Bez.-,
Ratsv.
13. 8. 98

Abdg.v.
19. V. 4

Zus. v.
3V.VII. 8
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