Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim sowie dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1914 — Heidelberg, 1914

Seite: 566
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/AdressbuchHD1914/0631
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
facsimile
566

aus andereu Gründen und namentlich solchen versagt werden, die geistig oder
körperlich krank sind, eine ungenügende Wohnuug haben, öffentliche Armenuuter-
stüMng beziehen oder bereits zwei Ziehkinder in Pflege haben.

Z 6. Die erteilte Erlaubnis erlischt beim Wohnungswechsel der Pflegemuttcr.
Por einem solchen ist daher die Genehmignng zur etwaigen Fortsetzung des Pflege-
verhältnisses beim Armenrat unter Vorlage des Erlaubnisscheines nachzusuchen.

8 7. Die erteilte Erlaubnis kann zurückgezogen werden, wenn nachträglich
Umst'ände eintreten oder bekannt werden, aufgrund deren die Genehmigung hätte
versagt werden können, abcr auch dann, wenn die Pflegemutter sich weigert, deu
zur Beaufstchtigung Bestellten die verlangte Auskunft zn eneilen, oder wenn sie
deren Anordnungen nicht Folge leistct.

ß 8. Wenn der Armenrat die Erlaubnis versagt, an Bedingungen knnpft
oder zurückzieht, steht es den Beteiligten srei, hierüber die endgültige Entscheidung
des Großh. Bezirksamtes Herbeizuführen.

Z 9. Vom Armenrat wird jeder Pflegemutter eine Anweisung behändigt, in
der außer den Bestimmungen diescr Vorschrift Verhaltungsmaßrcgeln bezüglich
der Verpflegung und Erziehung der Kinder enthalten sind. Die Pflegemutter ift
verpflichtet, diese Anordnungen genau zu bcsolgen.

Z 10. Die Pflegemütter sind verpflichtet, ein nen aufgenommenes Kind inner-
halb 8 Tagen nach Empfang des Erlaubnisscheines, auf Verlangen des Armenrates
auch vor Erteilung desselben, dem vom Llrmenrat bczeichneten Arzte zur Unrer-
suchung vorzustellen. Sie haben sodann diese Vorstellung regelmäßig nnd zwar
von Kindern unter einem Jahr jeden Monat,
von Kindern von 1—2 Jahren jeden zweiten Monat,
von Kindern über 2 Jahre alle 6 Monate
zu wiederholen und bei dem vom Armenrate bezw. im Erlaubnisschein bezeichncten
Arzte zu bewirken.

Die Vorftellung hat an trockenen, nicht stürmischen oder rauhen Tagen zu
geschehen. Kann das Kind aus irgend einem Grunde nicht zur Vorstellung gebracht
werden, so hat dies die Pflearmutter unter Angabe des Hinderungsgrundes inner-
halb der oben bestimmten Zeit dem Arzte mit dem Ersnchen um Vornahme eines
Bcsuches in ihrer Wohnung mitzuteilen.

Kränkelt das Kind, so ist ohne Verzug die Hilfe des Arztes anzurufen.

Der Arzt ist bercchtigt, auch ohue Aufforderung das Kind in der Wohnung
zu besuchen und stch über seinen Zustand und seine Unterbringung zu verlässigcn.

Die Anordnungen dcs Arztes sind sorgfültig zu beobachten.

K 11. Der Armenrat hat durch die von ihm angestellten Kindsrpflegerinnen
und die von ihm beauftragten Mitglieder des Frauenvereins dis Pflegesteller fori-
gesetzt besuchen und die Befolgung dieser Vorschrift und der Anweisung für Pflege-
mütter wie dcr ärztlichen Anördrinngen überwachen zu lassen. Die Pflegemütter
haben diesen Personen stets den Zutritt zur Wohnung nnd die Besichtigung des
Kindes zu gestatten, sowie die erforderlichen Auskünfte zu geben.

8 12. Wird das Pflegeverhältnis aufgegeben oder ftirbt das Kind, so liat
die Pflegeniutter binnen 3 Tagen beim Armenrat die Abmeldung unter Rückgabe
des Erlaubnisscheines zu bewirken. Geht das Kind in andere Pflege über, so ift
der Name und Wohnort der neuen Pflegemutter anzugeben.

8 13. Uebertretungen dieser Bestimmungen werden aufgrund des Z 98aP.-St.-
G.-B. an Geld bis zu 50 Mark oder mit Haft bis zu 8 Tagcn bestraft.

Dre HundstaxL.

Gesetz oom 4. Niai 1896.

Auszug (s. Mitsch, Orts- und Bezirkspolizeiliche Vorschriften S. 6, Verlag

von I. Hörning).

Die Hundstaxe beträgt in der Stadt Heidelberg 20 Mark und isl jewciis
in dcr Zeit vom 1.—15. Juni zu entrichten?
loading ...