Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim sowie dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1914 — Heidelberg, 1914

Seite: 574
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1) Der Leichenordner.

2) Die Leichenwärter und -wärterinnen.

3) Die Leichenträger.

4) Der Leichenhalleaufseher.

5) Der Friedhofaufseher.

6) Der Totengräber.

Die Leichenschauer sind vom Bezirkseunt angestellt uird auf die Dienst.
weisung sür Leichenschauer verpflichtet.

Z 3. Das gesamte Lcichenpersonal hat den in der betreffenden Dienst-
weisung gegebenen Vorschriften genau nachzukommen; in Fällen, welche in
der Dienstweisung nicht vorgesehen sind, hat dasselbe die Anordnung der
Friedhof-Kommission einzuholen.

Dasselbe hat >bei allen Dienstleistungen ein anständiges, ruhiges, ernstes
Benehmen einzuhalten. Unordnungen, Nachlässigkeit oder Widersetzlichkeit
werden strenge bestraft; Trunkenheit im Dienst zieht sofortige Entlassung
nach sich. Es ist dem Leichenpersonal bei Strafe der Dienstentlassung ver-
boten, Anforderungen an Geld oder anderen Dingen an die Hinterbliebenen
zu machen; ebensowenig Larf dasselbe weder vor oder nach der Beerdigung
Essen oder Trinken beanspruchen, noch darf demselben solches verabreicht
werden.

Annahme von Gewinnanteilen bei Lieserungen in irgend einer Form
wird außer der etwaigen strafrechtlichen Verfolgung mit sofortiger Entlassung
geahndet.

Beschwerden gegen das Personal sinü bei der Friedhof-Kommission anzu.
bringen.

§ 4. Bezüglich der Kosten für sämtliche Bestattungen ist die vom Stadt-
rat aufgestellte, dieser Vorschrift als Anlage beigefügte Taxordnung maß.
gebend.

Nach derselben werden für die Art Ler Bestattung 6 Klassen bestimmt.

Die Wahl der Klasse und Ler etwa weiter gewünschten außergewöhnlichen
Leistungen ist von den Hinterbliebenen zu treffen, zu welchem Zweck Ler
Leichenordner Lenselben einen Bestellbogen, auf welchem die Taxen verzeichnet
sind, zur Ausfüllung vorlegt.

Bei Leichen, die nach auswärts verbracht werden, kommen die für den
einzelnen Fall von der Friedhof-Kommission festgesetzten Gebühren in An-
wendung.

Nach der Bcstattung erheüt der Leichenordner unter Vorlage der Nechnung
die sämtlichen Gebühren und Taxen und bescheinigt üeren Empfang.

II. Leichen- uud Leichenhaus-Ovdnung.

§ 6. Jeder Todesfall muß unverzüglich nach dem Eintritt des Todcs
dem Leichenschauer") und dem Leichenordner* **)^) angezeigt werden. Zu dicscr
Anzeige verpflichtet ist das Familrenhaupt und, wenn ein solches nicht vor-
handen oder an der Anzeige verhindert ist, Lerjenige, in dessen Wohnung oder
Behausung sich der Sterbefall ereignet hat.

Die Pflicht zur Anzeige erstreckt sich auch auf Totgeburten. Vor Ankunft
des Leichcnschauers darf mit der Leiche keine Veränderung vorgenommcn
werden.

§ 7. Die nach den Bestimmungen des § 6 zur Anzeige verpflichteteii
Personen müsfen den vom Leichenschauer ausgcftellten Sterbeschein spätestcns
20 Stunden nach eingetretenem Tod dem bürgerlichen Standesbeamten mit
der Anzeige Les Todesfalls vorlegen, welcher nach Vollendung des Eintrags
in das Sterberegifter den -vorschriftsmäßig ausgestellten Erlaubnisschein zur
Bestattung den Erschienenen übergibt; auf demselben soll gleichzeitig bemerkt
werden, ob der Tod infolge ansteckender Krankheit eingetreten ist.

Als ansteckende Krankheiten im Sinne dieser ortspolizeilichen Vorschrift

*) Sishe im Adreßbuch unter „Berussgsschäften": Leichenschausr.

**) Städt. Leichsnordner, z. Zt. Martin Becksr, Grabengasse 5. Fsrnspr. 47.
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