Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim sowie dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1914 — Heidelberg, 1914

Seite: 649
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gen, Straßen, Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten oder von Haus zu
Haus stattfindenden Gewerbebetriebe (§ 42 b der Gewerbe-Ordnung, anrbu-
lantes Gewerbe):

1. Die Abhaltung von Messen und Märkten; jedoch kann das Bezirks-
amt für Sonntage und gebotene Festtage die Abhaltung einer Messe, eines
Jahr- oder Spezialmarktes vom Schlusse des vormittägigen Hauptgottes-
dienstes an gestatten;

2. die Vornahme von öffentltchen Versteigerungen und Verpachtungen.

3. Das öffentliche Auslegen und Aushängen von Waren an Verkaufsstellen
so lange der Gewerbebetrieb in denfelben iiach Z 41n der Gew.-Ordg. untersagt
ist und außerdem auch während des vormittägigen Hauptgottesdienstes.

Ausnahmsweise sind an Sonntagen und gebotenen Festtagen nachstehende
öffentliche Arbeiten und Verrichtungen im Handelsgewerbe gestattet:

a) während des ganzen Tages der Verkauf von Arzneimitteln in Apo-
theken;

b) frühestens vom Schlusse des vormittägigen Hauptgottesdienstes an
das nach § 56 a der Gewerbe-Ordnung durch die untere Verwaltungsbehörde
zugelassene Feilbieten und Ankaufen von Gegenständen, insbesondere von
Obst und anderen Eßwaren, auf öffentlichen Wegen, Stratzen und Plätzen
oder an anderen öffentlichen Orten und von Haus zu Haus;

c) bei der Durchfahrt von Zügen das Feilbieten frischer Lebensmittel
auf den Eisenbahnstationen;

ä) das öffentliche Arbeiten in denjenigen Handelsgewerben, deren voll-
ständige oder teilweise Ausübung an Sonn- und Festtagen zur Befriedigung
täglicher oder an diesen Tagen besonders hervortretender Bedürfnisse der
Bevölkerung erforderlich ist (§ 106 e Abs. 1 der Gewerbe-Ordnung), insbe-
sondere das Herumtragen der betreffenden Lebensbedürfnisse in die Häuser
der Kunden, wäbrend derjenigen Stunden der Sonntage und gebotenen Fest-
tage, für welche na-ch 105 e AVs. 1 der Gewerbe-Ordnung Ausnahmen vom
Verbote der Beschäftigung Von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern zuge-
lassen sind.

Durch ortspolizeiliche Vorschrift*) kann das öffentliche Auslegen und Aus-
hängen der Waren an Verkaufsstellen (Absatz 1 Ziff. 8) in weiterem Umsang
gestattet werden.

ß 4. Arbeitendes öffentlichen Verkehrs. Unter das Ver-
bot der öffentlichen Arbeiten und Handlungen im öffentlichen Verkehr (§ 1
Ziff. 1 dieser Verordnung) fällt auch die anf öffentlichen Stratzen stattfin-
dende gewerbsmätzige Beförderung von Gütern mittelst Fuhrwerken und von
Vieh, sowie das Beladen und Entladen von Schiffen, Kähnen und Flötzen.
Jedoch sind von dem Berbote solche Arbeiten ausgenommen, welche ihrer
Natur nach überhaupt nicht öhne sehr erhebliche wirtschaftliche Nachteile
unterbrochen oder aufgeschoben werden können. Auch kann die Ortspokizei-
behörde für sonstige unverschiebliche Arbeiten und Handlungen des öffent-
lichen Verkehrs Nachsicht erteilen, wenn die Notwendigkeit -der Sonntags-
arbeit nicht von dem Unternehmer absichtlich herbeigesührt oder durch Fahr-
läsftgkeit verschuldet ist.

Das Berbot des § 1 Ziff. 1 erstreckt sich nicht auf:

1. den Betrieb der E'stnbahnen, der Post, der Schifsahrt und Flötzerei;

2. das Anbieten nnd Verrichten von Diensten auf öffentlichen Wegen,
Stratzen und Plätzen;

3. die gewerbsnrätzige Beförderung von Pcosonen mittelst Fuhrwerken
und sonstigen Fahrzeugen.

Jedoch bleibt es hinsichtlich des Eistnbahnverkehrs der Verfiigung des
zuständigen Ministeriums, hinftchtlich der in Zifs. 2 und 3 bczeichneten Ge-
werbe der vrtspolizeilichen Vorschrift vorbehalten, dic Vornahme von Arbei-
ten und Handlungen im öffentlichen Verkebr an bestimmten Zeiten der
Sonntage und der gebotenen Festtage einzuschränken odcr zu untersagcn.

*) Siehe ortspol. Vorschrist vom 13. Juli 1907 (Seite 66i).
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