Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim sowie dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1914 — Heidelberg, 1914

Seite: 655
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Erfullung Les Vertrages und aus weiteren Schndenersutz ausgeschlossen. Das-
selbe Recht steht öem Gesellen oder Gehilfen gegen den Ardeitgeber zu, wenn
er von Liesem bor rechtmätziger Beendigung des Arbeitsverhältnisses ent-
lassen worden ist.

Z 125. Ein Arbeitgeber, welcher einen Gesellen oder Gehilsen verleitet,
vor rechtmätziger Beendigung des Arbeitsverhältnisses die Arbeit Zu verlassen,
ist dein srüheren Ar^itgeber sür den entstandenen ^Schaden oder den nach
^ 124 d an die Stelle des Schadenersatzes tretenden Wetrag als Selbftschuld-
ner mitverhaftet. Jn gleicher Weise hastet ein Arbeitgeber, welcher einen Ge-
sellen oder einen Gehilsen annimmt, von Lem er weitz, datz ^Lerselbe einem
andeten Arbeitgeber zur Arbeit noch verpflichtet worden ist.

Jn dem im vorstehenden Absatze bezeichneten Umsang ist auch derjenige
Arbeitgeber mitverhaftet, welcher einen Gesellen oder Gehilsen, von dem er
weitz, daß derselbe einem anderen Arbeitgeber zur Arbeit noch verpflichtet
ist, während der Dauer dieser Verpslichtung in der Beschäftigung behält,
sofern nicht seit der unrechtmätztgen Lösung des Arbeitsverhältnisses bereits
vierzehn Tage verslossen sind.

III. Lehrlingsverhältmsse.
u) Allgemeine Best rm mungen.

§ 126. Voraussetzung Ler Besugnis zum Halten von Lehrlingen ist
Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte.

§ 126a. Die Befugnis kann entzogen werden wegen grober Pflichtver-
letzungen gegen die anvertrauten Lehrlinge sowie wegen geistiger oder körper-
licher Gebrechen.

§ 126b. Der Lehrvertrag ist binnen vier Wochen nach Beginn der Lehre
schristlich abzuschlietzen. Er m u tz enthalten:

1. Die Bezeichnung des Gewerbes oder des Zweiges der gewerblichen
Tätigkeit, in welchem die Ausbildung ersolgen soll;

2. die Angabe der Dauer der Lehrzeit;

3. die Angabe der gegenseitigen Leistungen;

4. die gesetzlichen und sonstigen Voraussetzungen, unter welchen die ein»
seitige Auslösung des Vertrags zulässig ist.

Der Lehrvertrag ist von dem Gewerbetreibenden oder seinem Stellver-
rreter, dem Lehrling, sowie dem gesetzlichen Vertreter des Lehrlings zu
unterschreiben.

Z 127. Verpslichtung des Lehrhcrrn zur Ausbildung des Lehrlings, zur
Anhaltung zum Besuch der Fortbildungs- oder Fachschule, zur Ueberwachung
des Schulbesuchs; Schutz des Lehrlings gegen Mißhandlungen seitens der
Arbeits- und Huusgenossen, sowie gegen unangemessene Ausnützung seiner
Arbeitskräsw Gelegenheit zum Besucb des Gottesdienstes an Sonu- uud
Festtagen. Verbot der Verwendung von Lehrlingen, welche im Hause des
Lehrherrn weder Kost noch Wohnung erhalten, zu häuslichen Dienftleistungen.

§ 127a. Züchtigungsrecht Les Lehrherrn; ausgeschlossen sind übermäßige
und unanständige Züchtigungen. Verpslichtung des Lehrlings zu FolgsamLeit
und Treue, zu Fleitz und anständigem Betragen.

§ 127b. Beiderseitiges Rücktrittsrecht während dcr Probezeit.
Probezeit mindestens 4 Wochen, höchftens 3 Nionate.

Nach der Probezeit Entlassung des Lehrlings wegen Pslichtver-
letzung, wegen Vernachlüssigung des Besuchs der Fortbilüungs- oder Fach-
schule, und bei Worliegen der in § 123 G.-O. vorgesehenen Entlasiungs-
gründe. — Kündigungsrecht des Lehrlings wcgen Pflichtverletzung des Lehr-
herrn und bei Vorliegen eines der im Z 124 1, 3 bis 5 vorgesehenen Fälle.

§ 12"c. Nach Beendigung des Lehrverhältnisses hat der Lehrherr dem
Lehrling ein Zeugnis auszustellen.

§ 1276. Wei unbesugtem Berlassen der Lehre durch üeu Lehrling ist
polizeilicher Zwang zur Rückkehr aus Antrag des Lehrherrn zulüssig.

§ 127e. Bei beabsichtigtem llebertritt zu ciuem andern Gewerbe odcr
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