Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim sowie dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1914 — Heidelberg, 1914

Seite: 677
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Ebenso werden auch auf erfolgten Antrag während des ganzen Jahres
Abschreibungen vorgenommen, wenn die Vermögens- oder Einkommensteuerpflicht
in der Gemeinds gänzlich aufgehört hat.

Die Vermögens- und Einkommensteuerpflicht hört auf insbesondere infolge
Tod und Wegzug — in letzterem Falle jedoch nur, wenn der Betreffende nicht
wegen auf hiefiger Gemarkung gelsgenen Liegenschaften oder aus Gewerbebetrieb
hier vermögens- und einkommensteuerpflichtig blsibt — oder wenn das gewerbliche
bezw. auch Kapital-Vermögen den Betrag von 1000 Mk. und das steuerbare Ein-
kommen den von 900 Mk. nicht mehr erreicht.

WsfenMchr Bestimmungen.

Jn Bezug auf die Vermögensstener.

I. Der Vermögenssteuer unterliegen:

1. Das im Großherzogtum gelegene Liegenschaftsvermögeu;

2. die Betriebskapitalien der im Großherzogtnm betriebenen Gewerbe, fowie
die der Landwirtschaft, sofcc^ ersteres wenigstens 1000 Mk. und letzteres mindestens
25 000 Mk. beträgt;

3. das nicht schon unter Ziff. 2 enthaltene Kapitalvermögen von 1000 Mk. an.

Jn das Formular der Vermögenssteuererklärung ist der Wert des Liegen-

fch aftsvermöoiens nicht einzütragen, fondern nur das Betriebsvermögen,
das Kapitalvermögen und die Schulden.

II. Das Kapitalvermögen ist bezüglich der Wertpapiere nach dem Kurs-
bezw. Börsenwert anzugeben, das übrige nach dem Nennwert bezw. Verkaufswert.

III. Schulden, deren Abzug von dem Steuerpflichtigen nichL besonders beantragt
wlrd, werden nicht abgezogen, auch wenn fie dem Schatzungsrat bekannt sind.

An der Summe der Vermögenssteuerwerte werden die nachgewiesenen Kapital-
fchulden bei der Bildung des steuerpflichtigen Vermögenswertes durch die Ver-
anlagungsbehörde in Abzug gebracht, jedoch muß mindestens die Hälfte des
Gesamtvermögens versteuert werden.

IV. Wer schon zur Vermögenssteuer veraulagt ist, aber nach dem Stand der
Verhältnisse am 1. April wenigstens 1000 Mk. mehr BetriebSvermögen oder
Kapitalvermögen oder mindestens 1000 Mk. weniger Schulden hat, ist verpflichtet,
bei dem Ab- und Zuschreiben eine entsprechende Vermögenssteuererklärung abzugeöen.

V. Vermögenssteuerpflichtig sind:

a. Mit ihrem steuerbaren Liegenschasts- nnd Betriebsvermögen:

Alle natürlichen und juristischen Personen, welche Liegenschaften im Groß-
herzogtum besttzen oder daselbst ein Gewerbe betreiben;

b. Mit ihrem Kapitalvermögen:

Diejenigen Personen, welche ihren Wohnsitz bezw. nicht vorübergehenden Auf-
enthalt im Großherzogtum haben, sowie diejenigen juristischen Personen, wclche
daselbst ihren Sitz haben. Dabei sind jedoch vom Beizug mit ihrem Kapilal-
vermögen ausgenommen:

1. Landes- und sonstige Reichsangehörige, die keinen Wohnsitz im Groß-
herzogtum, wohl aber einen solchen in einem anderen deutschen Bundesstaat
haben, sonstige Reichsangehörige auch dann, wenn sie neben einem Wohnsitz im
Großherzogtüm einen solchenstn ihrem Heimatsstaate nachweisen können und
dort entsprechend besteuert sind;

2. Reichsausländer, welche, ohne im Großherzogtum eine auf Gewinn ge-
richtete Tätigkeit auszuüben, daselbst noch kein volles Jahr ihren Wohnsitz oder
Aufenthalt haben, sowie alle Reichsausländer, welche einen Wohnsitz und zu-
gleich eine entsprechende Besteuerung in ihrem Heimatsstaate nachzuweisen
vermögen.

VI. Von den Neuzugehenden ist das Vermögen nach seinem Stande bei
Beginn der Steuerpflicht anzu^eben, ebenso die allenfallsigen Kapital-
schulden.

VII. Zutzleich mit und unausgeschieden von seinem eigenen Vermögen hat
dsr Steuerpflrchtige auch das Vermögen seiner Kinder, soweit ihm an dercu Ver-
mögen die Nutznießung zusteht, das seiner Ehefrau und das Gesamtgut einer von
ihm eingegangenen ehelichen Gütergemeinschaft anzugeben; nur wenn die Ehe-
frau dauernd von ihrem Manne getrennt lebt, ist sie mit ihrem Vermögen
selbständig steuerpflichtig.
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