Stadtbuch der Stadt Heidelberg nebst dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1919 — Heidelberg, 1919

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Mr die Gesamthert der Lazarette*) jeder Ärt hier werden unentgettlkch vom
Koten ttreuz geleiftet: Ver Transport der militärischen verwundeten in die
und in der Ltadt und aus derselben (bis l. November 1918 rund 80,000 Fälle)
und die Lrfrischung und Unterhaltung für die nach Belieben kommenden La-
zarettinsassen im ttrieger.llachmittagsheim ffortgeschriebene Vesuchszahl über
460,000) im früheren ttaffee Imperial, das der gastlichen Linräumung der khein.
Lreditbank und ihres pächters N). Schneider verdankt wurde, ferner die 6us-
stattung von Lazarettbüchereien, verteilung von Büchern, Zeitschriften und 3ei-
tungen, Lonntagszigarren, die Gewährung der IMlch- und Vrunnenkuren im
Stadtgarten (fortgeschriebene Vesuchszahl über 16,000) Zuschüsse zu den
Weihnachtsbescherungen in den Lazaretten hier, soweit gewünscht- ttranzspen-
den für hier verstorbene Lazarettinsassen. Es kommt hinzu Lrwerbsfürsorge
durch Förderung von gewerblichem Unterricht (mit ^ilfe ftädtischer Lehrkräfte)
und orthopädischen Uebungswerkstätten sowie in den ersten Uriegsjahren durch
Ltellenoermittlung und Unterstützung für Uriegsbeschädigte allgemein (1631
Fürsorgen), auch später noch für Blinde und für vom kseimatdank überlassene
Einzelfälle, sodann längere 3eit hindurch, je bis zil Lintritt derUIilitarisierung,
vermittlung von Briefverkehr' dazu die ständige Führung der Uartotheken
über sämtlichen personalbestand (bis 1. November 1918 über 200,000 Lin-
träge) durch die im städt. verkehrsamt tagende Uachrichtenabteilung. §er-
ner verteilung von Naturalgaben bezw. vom>Z. Uriegsjahr ab Nlitwirkung und
Finanzisrung zur landwirtschaftlichen Lelbstversorgung der Lazarette,' Förde-
rund von vorträgen, Uonzerten und bildlichen'Darstellungen zu Belehrung und
Unterhaltung.

Die Nachrichtenabteilung besorgte auch dis Uontrolle und Ndressenfürsorge
für die ein- und ausgehende post (pakete und Vriefe) bezüglich der Ge-
sangenenlager hier, bis im dritten Uriegsjahr dieser Diensttzweig militärisch -in
eigene Vesorgung übernommen wurde.

Zwar nicht für alle Lazarette, aber für deren 12 die ganze Uriegszeit hindurch
wurde die lväschestopferei und -Flickerei betrieben seitens der ZnauenarbeitK
stätte des Noten Ureuzes, welche zuerst lüngere Zeit unentgeltlich im Guter-
mann'schen ksause untergebracht war. Das Unterstützungswesen ist nicht eigent-
lich Nufgabe des Roten Ureuzes. Nber die üetztgenannte Stätte hat, neben der
unentgeltlichen klrbeit opferwilliger llräfte, auch zur Lohnarbeit Gelegen-
heit gegeben. Letzterer allein ist die für llriegsdausr vom Frauenverein über-
nommene Unterstützungsabteilung des Noten Ureuzes gewidmet. 5ie ist im
Verbindungshaus Leonensia zu Gast und legte den Lchwerpunkt auf die Ltrickerei,
die vom Landesverein in Narlsruhe aus zentralisiert und verteilt wurde.

III. Das Kote llreuz war schon für den lNobilmachungsplan des hiesigen
Lazarettwesens überhaupt mittätig, beschränkte aber beim reichlichen Vestehen
akademischer llliniken und privatsanatorien seinen eigenen pflsgebetrieb auf 4 La-
lazarette fzusammen Z62 Betten), von welchen dabei 3 in den seitens der! Eigen-
tümer unentgeltlich zur verfügung gestellten ksäusern Nlemannia, Vuhl und
Landfried — im Filialverhältnis zum ksauptlazarett in der Ztadthalle standen,
die ohne lNietzins, aber unter sonstigen Nuflagen von der Ltadt überwiesen
wurde; der Nufwand für die ersts Einrichtung seitens des N. llr. und für die
Ergänzungen war naturgemäß ein hoher, während die Vetriebskosten größeren
Teils durch die militärischen verpflegungsgelder gedeckt wurden. Nuck in privat-
pflegestätteu uud Genesungsheime sind kürzere 3eit manche llranke durck
das Note llreuz eingewiesen worden.

Das Stadthallelazarett (nun 300 Vetten) wurde am 4. Oktober 1916 aus
eiuem vereins- in ein Reservelazareti (und zwar in ein orthopädisches) umge-
wandelt, in welchem jedoch das lvirtschafts-, verpflegungs- und Fürsorgewefen
dem Koten llreuz verblieb- der Umsang des Betriebes ist aus dem Gesamtumsatz
(im 4. llriegsjahr 1,200,000 lNK.) zu erkennen. von den anderen vereins-
lazaretten, soweit sie nicht aufgehoben, wurden mehrere auch militarisiert und

*1 Nur betr. des Offizierlazaretts fällt mehreres weg.
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