Stadtbuch der Stadt Heidelberg nebst dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1919 — Heidelberg, 1919

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Stück), 1918 in einer neusn Lolge (10,Ü00 Stück) erschien, in Lrnst und Scherz
i^eimatliches darbietend.

Die meisten Gegenstandsarten, für welche kriegsamtlich ein Sammel- und tzel-
ferdrenst 1917 angsordnet wurde, namentlich das sog. Mtmaterial, sind schon
seit 1915 vom Roten Kreuz hier gesammelt worden: „Gold für Eisen"*), sodann
Metall, Kltpapier, Zlaschen, allerhand Kbfälle gaben guten Lrtrag- auch die
Haarsammlung lebte sich ein. Zerner wurde die Aräuterverwertung mit k)er-
stellung des keidelberger Tees, der weithin verkausft piird, planmäßig ausgs,
baut, aber auch Gbstkerne fzur Gelgewinnung), allerhand Früchte und Medizinal-
stoffe, endlich Brennesseln und Laubheu gesammelt. Die Linglied,.cung des Sam-
melwesens in den kriegsamtlichen Dienst ist erfolgt, mit ständigen hiesigen Sami-
melstellen (zu Gast bei Gastwirtin Gilbert, Dr. k)of, Zabrikant Mall und der Rhein.
Lreditbank), und auch für die 38 Landorte wurde ein lückenloses Netz eingerichtet.
von jeher haben Lehrer- und Schülerschaften vielseitig mitgewirkt.

Kn Räumen hat die Universität dem Sammellager zuerst die Zechtschule,
gemeinsam mit der Stadt, später das Buhl'sche Uebenhaus eingeräumt. Kuch
wurden im palais Weimar Lagerräume zur verfügung gestellt.

VI. Oie Fürsorge für in Zeindesland kriegsgefangene Deutsche, sowohl mili-
tärischer als bürgerlicher Krt, hat sich, anfänglich ohne feste Uegel nach Gelegen-
heit geübt, bald zu einem in Land und Ueich geordneten Bau gegliedert, mit
Ünlehnung an verschiedene Zentralen im In- und Äusland. Uachforschung zu-
nächst nach den verwahrungsorten der Gefangenen, Knbahnung des verkehrs
zu ihnen, Lrhebung über vermißte, endlich vermittlung der Sterbeurkunden
in Bezug auf nicht mehr Lebende bilden die Tätigkeitsanlässe für alle, den
Stadt und Landorten unseres Bezirks, sowie einzelnen Nachbarorten zugehörige,
von folchen Losen betroffene personen; die Vermißtennachforschung ift hierher
übertragen für die sämtlichen badischen Vezirksämter östlich cheidelbergs, ferner
für die Kemter Weinheim und Wiesloch. Die weitere Fürsorgetütiglreit selbst,
welche namentlich unter dem Gefichtspunkte des Kufwands die chauptaufgabe
bildet, dehnte sich auf Frankreich, Uußland, Lngland und Uolonicn aus; nrcht
nur von der Ubteilung ausgehende Spenden, sondern vermittlungsweise auch
massenhafte Sendungen Kngehöriger wurden besorgt. In der erften Zeit machte
man mehr Sammelfendungen in die Gefangenenlager. Später wog die Krbeit
an Einzelanfchriften vor. §ür Naturalien und sonstige Sachen haben sich, ;zum
Teil über neutrale Länder, Ulusterpakete ausgebildet, doch traten in der späte-
ren Rriegszeit die Geldsendungen in den vordergrund. Diese erreichten in
den vier geschlossenen Uricgsjahren die Zahl 5048 mit 1UK. 88,342.86, wäh-
rend der Gesamtwert der Entsendungen sonst (einschließlich aus dem Sammellager
erhaltener Liebesgaben) rund Ulk. 140,000.— betrug. Naturgemäß wuchs mit
der Oauer dss Nrieges die Zahl der auswärts Gefangenen und 'damit die Krbeit
immer höher an; die Gefangenenaustausche gingen nicht bald und schnell genug
vor sich, um die Lrhähung der Gefangenenzahl auszugleichen. ver Lmpfang heim-
kehrender Gefangener wurde nicht als örtliche Sache, sondern reichsseitig mit dem
Deutschen Noten Nreuz geordnet, das jedoch den Kufryand auf die Landes- und
provinzialverbände verteilte; hierfür ist auch von hier ein Beitrag geleistet
worden.

Die Kbteilung war zuerft fünfviertel Iahre im Lorpshaus Saxoborufsia, dann
seitdem in den Näumen der verbindung Theruskia am INarkt zu Gast.

VII. Die Geldbeschafsung für so viele, z. T. umfangreiche Kufgaben ist dsr
Gpferwilligkeit von Stadt und Land zu danken, die fich teils dem Noten Nreuz
im Ganzen, teils einzelnen Linrichtungen zuwandte. Siechestand in Geld- und Na-
mralspenden, auch Nechnungsnachlässen. Dazu ist vor allem die Unentgeltlichkeit
fast aller Oienstleistungen hervorzuheben, selbst die ärztlichen hatten während des
ersten Nriegsjahres diese Ligenschaft. Die erschienenen Nechenschaftsberichte nach
jedem abgeschlossenen Uriegsjahr aaben über Linnahmen und Kusgaben die nähere

*) chierfür bestand längere Zeit eine von der Firma 3. Uesselbach, kiofgold-
schmied, opferwillig besorgte Kote Ureuzsammelstelle.
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