Stadtbuch der Stadt Heidelberg nebst dem angrenzenden Teile der Gemeinde Rohrbach für das Jahr 1919 — Heidelberg, 1919

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Kuskunft' ein im Venehmen mit der Stadtverwaltung eingesetzter Prüfungsaus-
schuß hat sämtliche Rechnungen jeweils visrteljährlich geprüft.

Die Geldsammlung war eine ständig fortlaufende. Rus kesonderen Knliissen
fanden ferner allgemeine Gpfertage mit chaus- oder Ltraßensammlungen unter
günstigem Exfolg statt. Rriegsandachten, vorträge, ltonzerte, Darstellungen, ver-
lcaufseinrichtungsn, traten als Guellen hinzu, die hervorragenden wissenschaft-
lichen, musikalischen und. theatralifchen lträfte hier wirkten unermüdlich^ auch
von manchen vereinsanlässen (z. v. Zchwimmfesten) wurde beigesteuert. Das
Ureuz in Tisen, eine Ltiftung des Staatsanwaltschaftsrats Dr. v. Vraunbshrens
(lange Zeit hindurch 2. vorsitzender des Roten Vreuzss), war im städt. Samm-
lungsgebäude, zeitweise auch im Zchloßhof zur öffentlichen Venagelung aufge-
gestellt, die 28,498 Mark 40 pfennig Reinertrag ergab. Line Rriegsbeuteaus-
stellung auf dem Schloß und ein aus der Iägertruppe hergestcllter Schützen-
graben nächst dem Gefangenenlager zogen viele zahlende Besucher an.

INehrmals sammelte das Rote Vreuz übrigens nicht oder nicht allein
für sich- oftmals hatte es vielmehr als örtliche Lterw für Reichs- oder
Landessammlungen verschiedener Krt tätig zu sein. Umsomehr als die Laft
einer Reihe von Kufgaben, z. B. darunter die allen Grten zu gut kommende
Kusrüstung der Zanitätsmannschaften auf dem Landesverein ruht,' doch wurdcn
auch umgekehrt Zuschüsse aus dem prinz Max-Fonds für die hiesige Gefangenen-
fürsorge geleistet.

VIII. Kußerhalb dieser §inanzierung vollzog sich vom l. Uovember 1914
ab, durch IlO Unteilszeichnungen innerhalb Deutschlands (zu 500 oder 1000
Mark, bezw. seitens des Landesversins Zu 5000 Mark) die Lrrichtung der
cheidelberger Rriegsstatisnen „Großherzogin Luise von Baden"; darauf be-.
ruhte auch >der Betrieb, soweit nicht militärisch gedeckt. Die erste bestand in
Tournai (Doornik) in Flandern, von wo sie dann im Frühjahr 1945 nach
volocz in den lkarpathen verlegt wurdez sie war ilängere Zeit dort die eirr-
zige, tätig in vorübergehender Beherbergung verwundeter, Lrfrischung durch-
ziehender Truppen, Zuteilung von Liebesgaben und als eine Ztätte heimischen
Geistes (in der §remde. von da wurde dem vorrücken dcs cheeres im Iuni ge-
folgt nach den galizifchen Vrten Strpj, Rohatpn und Brzezanv und zwar fo,
daß es drei Ztationen von oft lebhafter Tätigkeit zu gleicher Zeit waren, zeiten--
weise noch mit einer vbzweigung für den 4 ten Grt. Zborow' sodann wurde eine
Ztation nach Zambor verlegt. vielfach kamen Rrieger aus dsr badischen chei-
mat, doch setzte sich der Durchstrom aus allen damals verbündeten zusammen.
Der klrmeeoberkommandani Graf Bothmer dankte, als die Stationen zum
Iahresschluß weiter beordert wurden, in einem klrmeebefehl zum vbschied mit
der kservorhebung, die Beidelbsrger hätteu im Schnce der Varpathen, oft kautn
mit dem nötigsten Wetterschutz, unter schwierigsten Transportverhältnissen Lag
und Nacht des Liebeswerkes gewaltet, viele Tausende erfrischt und mit gü-
tiger Frauenhand seelisch aufgerichtet und so auch ihren Vnteil am Ruhm ge?-
wonnen.

Ourch Siebenbürgen zogen die lfeidelberger dann zum Rumänischen Rampf-
gebiet und wurden teils der Vrankensamnielstelie Bukarest cingegliedcrt, teils
als selbständige Ztation in Vuzau verwendet' an letzterem Grte ist auch die
Ztiftung eincs Zchwesternheims gefördert warden, das eine cheidelberger Zchwester
einrichten durftc und beim Bustausch der deurschen Invalidengefaugenen gegcn
rumänische erfolgte der Beizug zur Mithilfe der verpflegung und Licbes-
gabenverteilung. Bis 1. Iuli 1917 hatte die fortgeschriebene Zabl der ver-
pflegten sich auf §57,053, der Leistungen auf 344,516 gestcllt' von Xa ab ist
wegen der Lingliederung in Bukarest die statistische Grundlage z. T. entzogen.

Ilach eingetretenem ^rieden rrn der Gstfront wurde ein verminderter Ve-
stand nochmals Lnde Mäi 1918 an die Weftfront entsandt und bcfand sich da,
bis zur Beimkehr in der Zeit der Rückzüge, an verschiedencn Grten. Vesonders
an dcm stark gefährdeten platz Lourlandon war die Tätigkeit cine bedeutsame,
bei der Rrankensammelstelle, in Leitung von Vüchen und für die verwundetenbe-
helfszüge.
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