Stadtbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Handschuhsheim, Kirchheim, Wieblingen, Rohrbach un den zur Stadt gehörenden Siedlungen für das Jahr 1927 — Heidelberg, 1927

Seite: 447
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dcr Mirrcn, wclche dic frcmzösische Reoolution mit sich brachte, nicht durchgcfübn
werden. Nsch heute aber smd die chpuren jenes Werkes am Grte zu sinden.

f?96—l<99 wohnte in dem Schlosse der bjerzog Marimilia» ssosepb von <Zwci>
brüeksn, öer als nachmaliger Aänig von Bayern binreichend bekannt ist. !?on diescr
Zeit stammen die Bcziebungen Nohrbachs zum bayrischen Aönigshaus. Der spätere
Rönig Ludwig von Layern verlebte einen Teil seiner Zugendjabre im chchlosse und
wurde in der katbolijchen Rirche gesirmt. Lr und seine Familie baben den Vrt stets
in gutem Andenken bchalten und ibm so manche wobltat anacdeiben lassen.

j80ö gelangte das Schloß in den Besitz der Trbprmzessin Amalie von Baden Boch
berg, die es als Geschenk von ibrem chchwiegerjobn Maximilian erbiclt. chie bat es

giebel, der mit einem puttenverzierten 5tuck geichmückt ist und auf eine Terrasse mil
dorischcn Bäulen herabblickt. Die Lrbprinzessin lebte über ein Zahrzebnt ibrer wib
wenzeit im Schlosse und wäbrend der Befreiungskriege warcn bei chr hobe und siöchsie
lherrschaften zu Gaste. Ihr chchwiegersobn, der Zar Alerander von Rußland und

verbiindeten Armecn war, des öfteren. Nach ibrem Tode ging der Bcsih in die Liände
des läerrn George Brown Ltulz von Drtenberg über und kam s850 durch Lrbschatt
an die Zamilie Schelkly. Diese verkaufte ibn s8ft3 an den „verein für Genesungsfür
sorge" und beute dient er als Rrankeichaus des Areises bseidclberg.

Mit der Lrbauung des chchlosses war auch der Ankauf verschiedener Häuser in
der Nähe des Bauplatzes verbunden. Ao das Rathaus und der alte bjirsch, welcher
als Raoalierhaus diente. bjeute isl bjerr Bürgermeister Bitter Besitzer dieses bjauses.
Das alte Ratbaus wurde f807 abgerissen und diente als jdferdestall. An seiner chtellc
wurde von der Gemeinde l 8 ss das beutige Ratbaus erbaut.

Die Anweseicheit des berzoglichen Gofbaltes bat in vieler Beziehung auf die Mrts-
verbältnisse eingewirkt. Die Bewobner kamen etwas vorwärts und das Drtsbild bekam
durch Neubauten eine bedeutende verschönerung. Die Grtsstraße wurde auf veran-
lassung des prinzen Rarl August gepflastert und ein Meg nach dem Bicrbelder-Liof
angelegt. Um jene Zeit eiitstand auch die „Rarlslust" und öer „Füi-fienpfad', der
mit Recht heute noch beliebte Spazierweg, der zum Gossenbrunnen führt.

Neben dem Bchloß sind die beiden Rirchen des Drtes erwähnenswert. Die älteste

jetzt noch vorbandenen Grundmauern jener Tella bilden beute den Unterbau des
Tborgewölbes. In drei Bauperioden wurde die Rirche nach und nach ausgebauk.
Die crste fällt in die Mitte des sch Ialirhunderts, öie zweite in das Zahr und
die letzte wurde 1907/8 ausgefichrt. Aus kleinen Anfängen ist der Bau zu seiner ganzen
Statklichkeit, wie er heute vom Berge herabblickt, angewachsen. Die lussigen Zormen
des gosischen chtils passen sehr gut in das Allgemeinbild. Wer von Wiesloch her
kommt und das Gottesbaus am Lingang des Tales wie cinen Fjüter übcr öas Gewirr
all der Gicbel und Giebelchen hinausragen sieht, ist entzückt von dem Bild, das sich
ihm hier bietet.
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