Stadtbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Handschuhsheim, Kirchheim, Wieblingen, Rohrbach und den zur Stadt gehörenden Siedlungen für das Jahr 1928 — Heidelberg, 1928

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I. ph. K. «intz:

ser ^ährgerechtigkeit Mannheimer Geschichts.
blätter 1921 §. 186) eingekapselt und hat
dcn weg in die Literotur nicht gefunden.
Nach Non. Oerm. Ki8t. script. verri. II 8. 301
wird von ihm bewiesen, daß es sich hier nicht
um eine. feste Vrücke handeln kann und daß
auch von keiner prozession üie Kede ist. vie
genaue Darstellung ist nämlich die folgende.
6n die hundert Vürger, die zu kseidelberg
überfuhren, um der Primiz eines priesters
in einer jenseits ües Neckars gelegenen
Uirche anzuwohnen, ertranken bei ihrer
Kücksahrt wegen überladung der Zahre.
Ls handelt sich also nicht, wie u. a. Nlaps
(Festschrist zur Einweihung der neuen Brücke
5. 5) annimmt um eme lleckarbrücke, sondern
unt eine Fähre.

5ils e r ste feste Vrücke über den Ileckar im
Heidelberger Stadtgebiet ist nach der Römer-
brückc die in den Pfälzer Kegesten Nr. 1109
erwähnte kfolzbrücke aus dem Iahre 1280
anzusprechcn. Sie wurde durch Eisgang zcr-
stört.

Nn ihre Stelle trat die unter Ruprecht III.
0398—1410), dem Lrbauer der heutigen lfei-
liggeistkirche, erstellte und „anstelle der durch
den Eisgang zerstörten" erboutc Holzbrücke.
Sie ist die zwcite feste Vrücke im tfeidcl-
berger Stadtgebiet. 5lus welchen Nlitteln sie
gebaut wurde, konnte ich nicht feststellen.
vagegen findet sich eine Vrückengeldverord-
nung, von Nuprecht III. „für die Unterhal-
tung" dieser Vrückc erlassen. Oiesc neuher-
gestellte Vrücke ist (nach Gechelhäuser, Uunst-
denkmäler Vd. VIII S. 97) übcreinstimmcnd
auf dem kfolzschnitt dcs (Vilenciarium Ilobrui-
uum vsm Iahrc 1526, serner auf der grvßen
Nlünsterschcn Stadtansicht vom Üahre 1550
und der Stuttgartcr Zcichnung (um 1570)
als gedecktc kfolzbrückc mit dem grotzen
Vrückenturm und eincm an der Neuenhcimer
Seire den Öugang schützenden zweitcn hohen
Tormrm, sowie mit Zugbrücken vor bciden
Türmen dargestellt. Sic isl dem Text des
INerianschen panoramas zusolge „im Iahre
1565 dcn 2. ^ebruarii durch ein Tisschwel-
lung und daherrührende gewaltige wasscr-
flut zerrissen und hinweggeführt wardcn".

Nun solgte, als drittc fcstc Brücke, jene
gedecktc Vrückc mit steinernen Widerlagern,

deren Tinzelheiten im Panorama von 1620,
auf dem Klbild von Houquiere und auf dem
zweiten Nlerianstiche aus dem Nbestrurn Lu-
ropseuin genau zu erkennen sind. Sie ruhte
auf 8 pfeilern, war ganz bedacht bis auf
den Teil, der dem Vrückentor am nächsten
und als Zugbrücke gebaut war. vabei
ist ein geräumiger platz zu sehen, an
den sich das Lingangstor der Brücke, an
welchem ein ksoheitsabzeichen angebracht war,
anschließt. 51uf dem zweiten pfeiler an der
Neuenheimer Seite erhebt sich ein mehrstöcki-
ger Turm. Untcrhalb des Bogenfrieses des
Turmes befand sich in einer Nische das Bild
eines kauernden 5lffen, des „kfeidelberger
Brückcnaffen". In einer etwas abgelegenen
(huelle (N!r. 51ntoine 51uguste Bruzen de la
INartiniere, Ugl. Span. kfofgeographus,
„kjistorisch-politisch-Geographischer 5ltlas der
ganzen Welt", übersetzt von Lhristian Wolf-
fen, 13 riesige Folianten, 1744/50 bei I.
S. kfeinsius zu Leipzig erschienen) finde ich
unter „kjeidelberg", daß der Brückenaffc „ab-
gemahlt" war und daß „dieses wahrzeichen
der kostbaren Neckarbrücke bep der am 16.
Hebruar jm üahrc 1689 beschehenen Vemo-
licrung (durch wcn sagt der verfasscr be-
greiflicherweise nicht) mit verloren gcgangen".
Cs war die öerjtörung durch INolac gemeint.

vie Inschrift unter dem Nffenbild hieß:

was thustu mich hier angaffen?
kjastu nicht gesehen den altcn 5lffen?
öu kfcidelbcrg sieh dich hin und her,
va findestu wol meincs Gleichen mehr.

Jahrhundertelang war der kjeidelbergcr
Brückcnaffe im ganzen deutschcn Neiche be°
kannt und sprichwörtljch. Bn Seb. Brants
1494 crschienenem „Narrenschiff" lesen wir
im Uapitel „vom Lelbst Gefallen":

wem so gefelt wis, gstalt und werck
vas ist der aff von kjepdelberck.

Nach Nurfürst ^riedrichs V. (des winter-
königs) Niederlage am weißen Verg, dü ihn
seines ganzen Glanzes bcraubte, spielt der
kfcidelberger 5lffe in Spottlicd und Vild eine
große Nolle. (3ur Zcit — üanuar 1928 —
bcfindct sich ein 5lufsatz von W. kjoenninger
über dcn Vrückenaffen unter der Prcsse.)
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