Stadtbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Handschuhsheim, Kirchheim, Wieblingen, Rohrbach und den zur Stadt gehörenden Siedlungen für das Jahr 1928 — Heidelberg, 1928

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Feste Brücken im k)eidelberger Sladtgebiet

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Im Knfang d«s 30jährigen Rrieges rourde
die Vrücke auf der Neuenheimer Seite durch
einen Vrü^enkopf, eine regelmäßige fternge-
ftaltige Befestigung mit lvall und Graben,
befestigt. Nach einer älteren Abbildung Hei-
delbergs ging die große Heeresstraße (spä-
tere Landstraße Nr. l Vasel—^rankfurt) von
der im Ltadtteil Neuenheim liegenden heuti»
gen Bergstraße sfrüher Vaslerstraße) kom-
mend am Neckar enilu,.^, und durch diese
Schanze zur Brücke. Vie Straße von Ziegel-
hausen führte um die Schanze herum und
mündete rn die Neuenheimerstraße ein. Nach
Baer (Lhronik über den Straßenbau und
Straßenverkehr im Großherzogtum Baden,
Berlin l878) bestand diese Schanze noch l622,
denn Tilly beschoß aus ihr die Stadt. von
1645 an kommt sie in den Zeichnungen nicht
mehr vor.

Nach der Zerstörung der eben beschriebenen
dritten Neckarbrücke durch Nlölac im Jahre
1689 behalfen sich die schwergeschädigten Be-
wohner kseidelbergs mit Fähren und Schiff-
brücken (vergl. darüber lV. lsoenninger in
der Beilage „vie lseimat" Nr. 9 der Hei-
dclberger Neuesten Nachrichten vom 2.3. 1923).
Noch im Iahre der eben genannten Zerstö-
rung der festen Vrücke und der Stadt wurde
untcrhalb des früheren Standortes dcrselben
burz nach dem am lö. Npril erfolgten Linrük-
ken der kaiserlichen Truppen eine Schiffbrücke
gebaut. ver Bürgermeister und Rat der Stadt
heidelberg hatte mit Vericht v. 28. Npril l689
die lserstellung der Schiffbrücke, welche ur°
sprünglich zu 1200—1500 fl. veranschlagt war,
sowohl wegen INangels an INitteln als wegen
der Befürchtung, daß eine so leichtc Vrücke
von größeren Lastwagen doch nicht passiert
werden könne, wodurch die Rentabilität in
Hrage gestellt war, von der lsand gewicsen.
Ruf fortgesetztes vrängen aber wurde von
der Regierung zum Vau der Schiffbrücke
von deu Lhisfern zu haßmersheim, Neckar-
elz, Eberbach. ksirschhorn, Neckarsteinach, Nek-
kargemünd, Schlierbach, „ksausacker" und lsei-
deiberg 28—36 dreibordige Nachen, Rnker
und Schiffseile „gegen Restitution" requiriert,
dic nötigen ksolzer und Vorde hattc die Stadt
zu stellen. Vie Vrücke wurde nach Nnord-
nung des lserrn Nommandanten (Name war

nicht zu finden) am Lauer wenige Schritte
unterhalb der „rumierten" Brücke geschla-
gen. Die churfürstliche ksofkammer hat ge-
legentlich eines vortrages an den Thurfürsten
Philipp Vilhelm (1685—1690) einen Brük-
kengeldtarif vom 5. INai 1689 ausgestellt,
welcher das vorbild aller späteren war. Tr
war redigiert von lsofkammer-Rat Uebel-
acker. Nach langem k)in und kser übernahm
die Stadt am 24. 3uni 1689 die Vrücke.
Lnde Januar 1690 wurde sie durch hoch-
wasser fortgerissen. 6 Nachen wurden nicht
mehr beigebracht, 12 Stück wurden er-
hevr^ beschädigt wieder aufgefangen, einige
Nachen wurden leicht, 2 gar nicht beschädigt.
Nach diesem Unglück wollte die Stadt von
einer sofortigen lDiederherstellung der Vrücke
nichts wissen. Vie Regierung trat angesichts
dieser Tatsache mit dem Schiffmann Philipp
Lorenz INaper in kseidelberg (der spätere
Vrückenhauptmann und Brückenobristieutnant
IN.) wegen schleuniger Herstellung einer Schiff-
brücke auf eigene Rosten in verhandlung. Die
alten Nachen sollten bis zur Fertigstellung
neuer dem Trbauer leihweise überlassen wer-
den. Dies« Schiffbrücke wurde am Rrahnen
geschlagen und am 1. INürz 1690 dem ver-
kehr übergeben. Die Rufsicht üver diese
Brücke führte der kaiserlichc Brückenmeister
Gg. Rreichmann. vie Vrückenordnung der
früheren Vrücke blieb vorläufig in Geltrmg,
wurde aber auf vorstcllungen der Stadt hin
vom Thurfürsten Iohann lvilhelm (1690 bis
1711) am 20. Ianuar 1691 geändert. Nuch
diese Schiffbrücke wurde von den Franzosen
1693 zerstört. von 1694—1698 ging sine
Sähre über den Neckar. In dcn Iahren 1695
und 1698 hat die Generalität eine Schiff-
brücke schlagcn lassen, welche aber kurze Zeit
darauf wieder abgebrochen wurde. Oie Fähr-
leute dieser Fähre Lhresholz, Bootz und Bar-
tholme kanien durch diese letzte Vrückc in
ihren Linnahnien oft zu kurz und baten bei
der „Ltadtrenthey" um Lntgegenkommen, das
man ihnen gewährte. Lrst 1698 bittet die Stadt
kfeidelberg „nachdem nunmehr der liebe s?rie-
den erfolgt" um eine neue Schiffbrücke, und
zwar sollte diese nicht wisdcr am Rrahnen,
sondern „unfern der alten zerstörten Vrücke"
errichtct werden. Da wurde sie auch 1702
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