Stadtbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Handschuhsheim, Kirchheim, Wieblingen, Rohrbach und den zur Stadt gehörenden Siedlungen für das Jahr 1928 — Heidelberg, 1928

Seite: Bruecken008
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/AdressbuchHD1928/0072
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
facsimile
I. pk). K. Aintz:

„Gememderath von heidelberg", daß die Tin-
griffe in dieses Kecht, das ja auch von ihm
gepachtet war, immer häufiger werden, ohne
daß cr imstande wäre „auch nur den zwan-
zigsten Teil disser Eingriffe nachzuweisen und
zur Strafe zu bringen". ön dcmselben Schrei-
ben beblagt sich der Neckarzöliner darüber,
daß ihm oft zur Nachweisung darttbcr, daß
die betreffenden passanten „im Dienst" falso
nicht zollpflichtig) den Weg ttber die Brttcke
nehmen, unleserliche oder kaum zu unterschei-
dende Papiere aus denr Fuhrwerk zum Fcn-
ster hinttberhalten, „selbst dann, wenn die
ganze Lhaise außer ihrem Sitz von Hrauen-
zimmern, die doch qewiß nicht in zollfreien
Diensten reisen, besetzt ist und welche sogar
für diese Frauenzimmer, die für sich selbst
nicht einmal begründete Vefreiung in 5ln-
spruch nehmen". Ls sind uns ganze
Kktenbündel von Briefen über öollstrcitig-
kciten erhalten, die durchsät sind mit kul-
rurgeschichtlich interessantem Inhalt. ttm Fol-
genden seien cinige wiedergegebcn.

Das erstj^ und ültcste (leserliche), dos ich
fand, lautet:

Ourchlauchtigster Lhurfürst!

Gnädigster kscrr!

Lw. Lhurfürstl. Ourchlaucht hohen Regie-
rung muß hierdurch unterthänigst vortragen,
wasmasssn die Nlcyerische Lrben, alsige Usu-
fructuarii der kseydelberger Vrücke, neuer-
licher IDeise von mir und den Nkcinigen, so
auf dem Guch zu ksandschuhsheim wohnen,
jedesmohl Brükkengeld praetendieren. Weilen
aber Durchlauchtigter Rurfürjt, gnädigster
kserr die zu besagtem ksandschuhsheim sämmt-
iich drcp adliche Gücher dieses beneficii gau-
dicren, daß gegen Lntrichtung jährlich eines
Diertel Weines die possessores frep pass und
repassiren konnen, ich auch biß künftigen
yerbst alschon richtig gemacht und sodann das
Drdinarium abzutragen mich hiermit offeriere,
also bitte ich Lw. Lhurfü.Ill. vurchlaucht
untcrthänigst diejelbe wollen vermcldeten
Nlahcrischen Lrben per mandatum poenale
gnädigst anbefehlen, daß sie in Vetracht des
gezogenen praestandi, so auch künftig rich-
tig praktiziert werden soll mich und die Mei.
nigen ohne ferneren Anspruch des Brücken-

geldes jedesmahlen pass und repassieren lassen
sollen.

Ich vcrharre übrigens mit aller Submission
Lw. Lhurfürstl. Durchlaucht
unterthäniger

Graff L. de kjelmstatt.

manu propria
hg 24. Kpril 1722

Lin weitere; Zchreibcn aus ungefähr der-
selben öeit:

1728. ver Stadtrat wird von der Lhur-
fürstl. pfälz. chofkammer zu kllannheim auf-
gcfordert über die von kjofrath und Lammer-
mcister Lrz. v. Bonn ganz ohnverschämt und
wider allc Gebühr erzwungenc Brückengeld
erforderte verantwortung des Bürgermeisters
und Sattlermeisters Loblitz sogleich zu be-
richten, damit man einei Lxpresscn deshalb
anzusenden nicht veranlaßt werdc.

Hrh. v. Valberg.

kvährend die beiden wicdcrgcgebenen Schrei-
ben sich noch auf die öcit dcr vorgängcrin
dcr hcutigen „kllten Vrücke" bezichen, fal-
len die folgenden in die Tage, wclche unsere
Vrücke nvch gesehen.

Rugust 1839 erscheint in der cheidelberger
Zeitung dreimal (je mit 2 Tagen öwischen-
zeit) das:

verbot dcs Zischens und Rrebsens
unter den Bogen der Neckarbrücke betr.

Bei niederenr lvasserstand durchwaten kina-
ben und Lrwachsene die seichten Stellcn unter
den Brückenpfeilern und heben die mit gro-
ßem kiostenaufwand neben den Vrückeninän-
ü:ln sorgfältig zum Schutz gegen das Untcr-
höhlen der Brückenpfeiler hingelegten Steine
auf, um iirebse und Fische zu suchen.

Dieses kirebsen und Fijchen unter und ne-
ben den Brückenbogen wird hiermit bei fünf
Gulden Geld- oder btägiger Gefängnis-Strafe
verboten und es werden die Keltern solchcr
kinaben, welche dieses verbot übcrtreten, für
Schadcn und Strafe vprantwortlich erklärt.
vas städtische personal an der Vrücke und
die Vaueraufseher sind angewiesen mitzuwir-
ken, daß die Ubertreter des verbots sogleich
handfest gemacht werden.

Großh. Gberamt.
loading ...