Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: IX
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Vor vier jähren übertrug prof. Müllenhoff mir die ausfuhrung der
von ihm seit zwanzig jähren beabsichtigten und vorbereitetdn ausgäbe des
Ortnit und Wolfdietrich A. seitdem bin ich nach manchen Unterbrechungen
immer wieder zu dieser arbeit zurückgekehrt und habe indessen wol zeit
gehabt, mich mit der aufgäbe vertraut zu machen, möchte meine Leistung
jetzt wenigstens nicht allzu sehr hinter den anforderungen zurückstehen,
die man an den fortsetzer des von Müllenhoff begonnenen Werkes stellen
darf, für allen freundlichen rat und beistand, mit denen er mich fort-
während bei der arbeit unterstützt hat, spreche ich ihm meinen wärmsten
dank aus. namentlich muss ich bekennen, dass der Wolfdietrich A im
wesentlichen nur durch seine hand die gestaft gewonnen- in der er hier
erscheint.

Der ursprüngliche text des ORTNIT ist uns nur in zwei handschriften
erhalten: JWjmdA^diese beiden hss., obwol um mehr als ein Jahrhundert
an alter verschieden, stehen sich doch in ihrem texte sehr nahe, die be-
schaffenheit der abweichungen führt nirgends auf eine länger eüberlieferung,
so dass man zwischen beiden hss. und ihrer gemeinsamen quelle nicht viele
Mittelglieder annehmen, sondern sie fast für unmittelbare copien desselben
Originals halten kann, was zunächst die Schreibweise und die sorgfältige
erhaltung der sprachformen im einzelnen betrifft, so verdient W unbedingt
den vorzug. betrachtet man dagegen die bedeutenderen abweichungen, die
sich auf ganze worte nnd sätze erstrecken, so wird man das richtige ebenso
oft auf der einen als auf der anderen seile zu finden geneigt sein, in vielen,
vielleicht in der hälfte aller fälle gar nicht entscheiden können, man wird
daher W nicht ausschliesslich zu gründe legen dürfen, sondern sich im ein-
zelnen auch oft entschliessen müssen, sie aus A zu emendieren. um nun bei
der auswahl der lesarten dem schwankenden urteil einen möglichst geringen
Spielraum zu lassen, ist eine allgemeine kritische norm zu suchen, die auch
in den fällen, die für sich betrachtet zweifelhaft wären, entweder für A oder
für W entscheidet, eine solche finde ich in der bestätigung der einen oder
anderen lesart erstens durch den in den hss. des Wolfdietrich D enthaltenen
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