Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: XII
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XH Einleitung

oft abgeschrieben ward wie dieses, noch dazu von Schreibern, deren jeder
sich die willkürlichsten änderungen am texte unbedenklich gestattete, war
ein öfteres zufälliges zusammentreffen kaum zu vermeiden, wer mit Holtz-
mann (gr. Wolfd. s. XLI) aus diesen stellen eine engere Verwandtschaft von
Cac gegen e folgert, muss dagegen alle jene durchgehenden Übereinstim-
mungen von ace gegen C für zufällig halten; denn eines von beiden ist not-
wendig , aber auch nur eines von beiden möglich, und welches das wahr-
scheinlichere sei, kann nicht zweifelhaft sein: ab cd und efg stehen also
in engerem vorhältnis zu einander als zu C. das ist dasselbe, worauf auch
das Verhältnis der Wolfdietriche führt, das resultat lässt sich in folgendem
Schema anschaulich machen:

gemeiner text des Ortnit mit Wolfd. C.

gemeiner text des Ortnit mit ff'olfd.D.

a b c d (z) efg (y)

Wenn es sich nun gezeigt hat, dass ab cd besser als efg zu C stimmen,
so ist das ein beweis dafür, dass die Überarbeitung, welche die vorläge von
efg erlitten hat, auch die texlgeslaltung berührte, wären efg von dieser
zweiten bearbeitung frei, so würden sie wol einen unbedingten vorzug vor
ab cd verdienen, denn ihre vorläge muss besser gewesen sein als die von
ab cd; daher haben sie auch trotz der nochmaligen Überarbeitung immer
noch genug des guten und echten gegen ab cd erhalten, für die kritik ergiebt
sich, dass in fällen, wo keine dieser hss. zu A W stimmt, durch die Überein-
stimmung von C mit einer der übrigen die ursprüngliche lesart des gemei-
nen textes gewonnen wird, wo C und ace sich gegenüber stehen, lässt sich
nicht nach autorität entscheiden, weil beide gleichberechtigt erscheinen, denn
auch C hat fehler, die in ace nicht vorhanden sind, wo die bruchstücke von
C nicht mehr ausreichen, giebt die Übereinstimmung zweier hss. von ver-
schiedener Masse den ausschlug, doch können natürlich diese gnmdsätze
nicht in allzu mechanischer strenge geltend gemacht werden, da wir schon
gesehen haben wie leicht hier der zufall sein spiel treibt.

Da C um 1300 geschrieben ist, so muss auch der gemeine text des
Ortnit schon im 13. Jahrhundert hergerichtet worden sein, es kann also
selbstverständlich weder die Ambraser noch die Windhagener hs. zu gründe
liegen, sondern eine dritte bedeutend ältere, dass die differenzen von A
und W nicht in so frühe zeit hinaufreichen können, habe ich schonbemerkt,
und es ist daher von vornherein das wahrscheinlichste, dass A und W unter
sich in einem engeren Verhältnis stehen, als zu der vorläge des gemeinen
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