Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: XV
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ZUM ÖRTNIT XV

hat, die durch das gleich zu besprechende zeugnis der alten druckaus-
gaben noch gewinnt, wo aber A und W differieren, ist jedesfalls die bestä-
tigung einer derselben durch K ein gültiges zeugnis für das höhere alter der
Überlieferung.

Die alten druckausgabendes heldenbuches (z) geben eine weitere Über-
arbeitung des gemeinen textes mit Wolfd. D nach einer nicht mehr vorhan-
denen hs., die aber mit c besonders nahe verwandt war. in dem abschnitt
des Wolfdietrich der den tod Orlnits erzählt (B 473—530. D 775—839
Holtzmann) ist ein stück aus dem älteren texte des Ortnil (dventiure 7
und S) interpoliert, s.anm. zu 552. 565. 573. 595. derursprüngliche text ist
darin aber so stark überarbeitet, dass für die kritik wenig daraus zu ge-
winnen ist; doch hat auch dies wenige immer noch einigen wert, weil gerade
hier das zeugnis des gemeinen textes fehlt, interessant ist ferner dieses
stück, weil sich hier auch der inhalt von K 277. 278 {nicht 280. 281)
wieder findet, s. anm. zu 565. dass diese Strophe wirklich aus der älteren
Ortniths. stamme und nicht etwa aus dem Wolfdietrich D, wird um so siche-
rer, da die erzählung zweimal vorgebracht wird, einmal in dem interpo-
lierten stück, ganz mit K übereinstimmend, das zweite mal, wo der druck
wieder zu dem texte des Wolfdietrich D zurückkehrt, diesem entsprechend
(s. 307 des neuen abdruckes).

Aus dieser Untersuchung über das Verhältnis der Überarbeitungen zu
den beiden hss. des alten textes ergeben sich von selbst die grundsätze,
denen ich bei der htrslellung des textes gefolgt bin. die Übereinstimmung der
beiden alten hss. gehl so weil, dass sie im ganzen eine genügende kritische
grundlage bietet, bei kleinen differenzen in den sprachformen gehe ich
immer nur von W aus; bei allen grösseren aber ist das zeugnis der Über-
arbeitung entscheidend, wo diese differenzen sich auf ganze salze oder gar
Strophen erstreckten, muste dieser grundsatz natürlich in aller strenge be-
folgt werden und man wird nirgend finden, dass dem zeugnis des gemei-
nen textes innere gründe entgegen stehen (vgl. auch anm. zu 72. 205. 463.
480. 524). aber auch wo die hss. nur in einzelnen warten von einander
abweichen, muste immer die durch den gemeinen text bestätigte lesart,
wenn sie sich nicht geradezu als unmöglich erwies, angenommen werden,
mochten auch ihre Vorzüge für sich betrachtet wenig einleuchtend sein, wo
der gemeine text weder zu A noch zu W stimmt, bleiben nun noch manche
bedeutende differenzen, für deren entscheidung wir gar kein allgemei-
nes kriterium haben, hier werden zum teil innere wahrscheinlichkeits-
gründe, namentlich die zusammenhängende beobachtung des Sprachgebrauchs
und der melrik des dichters entscheiden, zum teil wird man nur durch
cönjectur die mutmasslich beiden zu gründe liegende lesart ermitteln können,
wobei der gemeine text manchmal auf das richtige fuhrt.
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