Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (3. Teil, 1. Band): Monographie — Berlin, 1871

Seite: XVI
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/AmelungJaenicke1871/0014
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
XVl Einleitung

Die hsarten von W werden, soweit sie nicht bloss orthographischer art
sind, in gröster Vollständigkeit angegeben, die Schreibweise dieser hs. kann
im allgemeinen als bekannt vorausgesetzt werden; ich will nur die haupt-
punkte nochmals in erinnerung Iringen. ojür a, a für o findet sich manch-
mal, ie auch e (in er der) für i nicht selten, i für e regelmässig in iz; für
i steht regelmässig ei, für ü und ou:au (inlautend ow), für iu und öu:eu,
für ei: ai, für uo : ue. der umlaut von uoöuo bleibt in der regel unbe-
zeichnet, der umlaut von a ä ist e, der von ü ou : eu. für k ck c steht in
der regel ch, für anlautendes b:p, für ht gewöhnlich cht, für s sehr oft z,
selten s für z; b und w wechseln manchmal; der gebrauch von v und f be-
folgt keine ganz feste regel. das tieftonige e wird sehr willkürlich behan-
delt, inlautend wird es sehr oft, auslautend fast immer weggelassen, so
dass die verse zum grösseren teil stumpfe cäsur haben, ich habe es über-
all ohne angäbe der lesart ergänzt, wo das versmass es gestattet, in der ad-
jectivendung ic ec wird ohne rücksicht auf den vers fast ausnahmslos ich ig
gesetzt; hier habe ich in der regel das i beibehalten, wo es aber'das vers-
mass erforderte, ohne angäbe der lesart e gesetzt, schliesslich ist auch die
in der hs. häufige auslautende media ohne angäbe einer lesart gebessert, die
halbzeilen sind von dem Schreiber sooft falsch abgesetzt, dass ich mich darin
gar nicht an die hs. halten konnte, sondern mich einzig nach dem bedürfnis
des verses richtete; auch in diesem falle brauchte die abweichung der hs.
nicht angeführt zu werden.

Die lesarten der Ambraser hs. sind weniger vollständig aufgeführt,
gewisse durchgehende sprachliche eigenheiten des Schreibers, wie z. b.
das schicanken zwischen den endungen e und iu, zwischen schwacher und
starker declination, schwachem und starkem präteritum, stan-sten, gan-
gen, gieng-gie, kam-kom, da-do; hete-hiete, magst-mäht, villeicht-hhte,
bis-unz, nymmer niht-mere, yemand nyemand-iemen meinen, wo-swa,
aller erst-alrerste sind in den lesarten unberücksichtigt geblieben, mundart
und Schreibweise dieser hs. sind ja zur genüge bekannt, und gegen W
konnte ihr im sprachlichen nirgends ein selbständiger teert beigelegt
werden.

Die lesarten von Kz und dem gemeinen texte gebe ich in der regel nur
dann, wenn sie bei einer nicht unwesentlichen differenz zwischen A und W
die eine lesart bestätigen, ausserdem noch einige mal, wo sie auf eine con-
jeetur führen oder wo ihre lesart gegen AW angenommen ward.

Es war anfangs absieht, ein vollständiges bild von den abweichungen
des gemeinen textes zu geben, in der weise, wie es Lachmann in seiner
Nibelungenausgabe tat; allein der räum, den eine solche angäbe erfordern
würde, und auch der aufwand an zeit und mühe erschienen unverhältnis-
mässig gegen den geringen wert, den diese jüngere recension in anspruch
loading ...